SUCKER PUNCH (USA, 2011) ist Zack Snyders erstes Werk, welches nicht auf einem Comic/Graphic Novel (300, WATCHMEN), einem Kinderbuch (LEGEND OF THE GUARDIANS: THE OWLS OF GA\'HOOLE) oder einem alten Film basiert (DAWN OF THE DEAD). Diesmal liegt ein Originaldrehbuch vor, von Snyder selbst mit Steve Shibuya geschrieben, was aber auch auf viele andere Quellen zurückgreift, denn das Endergebnis wirkt in der Tat wie ein kunterbuntes Sammelsurium an Ideen, Motiven und Themen. Dieses postmoderne Zitatenkino wurde aus allen möglichen Genres geplündert und neu zusammengesetzt: Film Noir, Exploitation, Manga/Anime-Welten, Martial Arts, Chanbara- und Kriegsfilme. Die Handlung der Fantasieebene, in der Missionen erfüllt werden müssen und auf der die eigentliche Action geschieht, ist dazu wie ein Video- bzw. Computerspiel aufgebaut und funktioniert nach dem Prinzip Jump \'n\' Run. Oder ganz einfach: \"Alice in Wonderland? with Machine Guns\", wie Snyder das Projekt einst pitchte.
Stilistisch bleibt sich Snyder weitgehend treu und liefert \"Style over Substance\" in Reinkultur. Er ist einer der Garanten ephemerer Oberflächenreize und auch diesmal liefert er ein bildgewaltiges und beinahe rauschhaftes Werk ab, das durch die Musikauswahl und Untermalung noch größer und epischer wirkt. Sein Stil ist mittlerweile etabliert und hat einen hohen Wiedererkennungswert: Besonders die Zeitlupenorgien und der ständige Tempowechsel sind fast schon inflationär vorhanden.
Aber Fakt ist: Snyder ist immer dann in Hochform, wenn er sich auf Bilder konzentriert. Allein die Eröffnungsszene ohne Dialog ist brillant, aber leider fast schon der Höhepunkt des Filmes, denn der Rest droht oft im Radau des Spektakels und des Krawalls unterzugehen. Wenig verwunderlich ist deshalb auch der Umstand, dass der Film schauspielerisch eher dünn ausfällt, dank schlicht skizzierter Figuren, weshalb die Aktricen auch nicht besonders gefordert werden.
Das Fantasy-Spektakel über drei Ebenen, zum Teil voll von mythologisch aufgeladenen Szenarien und symbolgeladenen Bildern, macht sicher Spaß anzuschauen, wirkt aber im Ganzen oft ein wenig überladen und ist in seiner Fülle nie ganz zu überschauen, was sicher ein mehrfaches Anschauen nötig macht.
Snyder wurde vorgeworfen, sein Werk wäre sexistisch und frauenfeindlich, er selbst weist das natürlich zurück und behauptet das Gegenteil, nämlich eine feministische Botschaft zu haben. Aber gesagt muss sein, dass Snyders Art der Inszenierung gewisse Irritationen und Fragen hervorrufen kann. Die im Film zu sehenden Träume und Fantasien erscheinen nicht gerade typisch für gepeinigte Mädchen, sondern entstammen wohl eher einem männlichen Geist, der einer Wunschvorstellung von halbnackten Mädels mit vielen Knarren auf gefährlichen Missionen folgt.
Die Mädels sind fast ständig in kurzen Röcken, Schuluniformen oder Unterwäsche im Fetisch-Style unterwegs. Jedes einzelne Kostüm atmet einen sexy Stil, mag die Situation noch so unpassend erscheinen. Und genau das erscheint doch merkwürdig: In einer Welt, in der es um Unterdrückung und Missbrauch geht, hat Snyder die Chuzpe, seine Figuren sexuell aufgeladene Kostüme tragen zu lassen, die oft wie der feuchte Traum eines Pubertierenden daherkommen. Überhaupt der ganze Film versprüht eine Sexyness, in der selbst die Kamera sich oft in einer voyeuristischen Position wiederfindet. Noch eine Frage taucht dabei aber auch auf: Ist das nun sexistisch und unangebracht oder ist man einfach schon von der grassierenden Krankheit \"Political Correctness\" und feministischem Meinungsterror beeinflusst und genug versaut, so etwas nicht mehr schön und ansprechend finden zu dürfen oder gar zu können?
Egal wie man zu Snyder oder seinen Werken und den dazugehörigen Inhalten steht, der Ästhet dahinter ist ein Künstler. Seine Fantasie, seine opulenten Visionen von surrealen Bilderwelten und seine traumartige Story rücken SUCKER PUNCH in die Nähe von INCEPTION und SHUTTER ISLAND, wenngleich sie märchenhafter ausfiel. Gefälliger ist das Ergebnis allerdings noch lange nicht.
Dies ist kein gewöhnlicher, glatter, bunter Mainstream-Blockbuster der guten Laune, denn Snyder wählte ein düsteres Thema, ein ebensolches Setting und eine Dramaturgie, die nicht jedermanns Geschmack entsprechen wird. Snyder ist ebenso ambitioniert wie ehrgeizig in seinem Unterfangen und unterläuft Erwartungen oder gibt sich zuweilen subversiv, um dann wieder in seiner Erzählung anbiedernd ans Publikum oder inhaltlich naiv zu wirken. SUCKER PUNCH ist dann zumindest amüsanter Camp, was nichts Schlechtes sein muss.