Sie sind wieder zusammen. Kate Winslet und Leonardo DiCaprio, das übergrosse Paar aus DEM Heuler der 90er, TITANIC, agiert wieder gemeinsam auf der Leinwand. Doch interessanterweise werden die Besetzung und ihr Image dazu benutzt, den dahinter stehenden übergestülpten Mythos der Populärkultur zu demontieren. Die beiden spielen in REVOLUTIONARY ROAD (Originaltitel, USA; 2008) ein Paar, Frank und April Wheeler, das nie normal und immer besser als alle anderen sein wollte und auch von aussen so betrachtet wurde. Doch Jahre später ist er in seinem langweiligen Bürojob in der Stadt gefangen und flüchtet sich in Seitensprünge, während sie auf Hausfrau und Mutter macht, dabei aber nie ausgefüllt ist und deshalb frustriert herumsitzt. Aber wie es sich gehört, halten sie die Maskerade des perfekten Pärchens aufrecht. Dann kommt sie mit dem Vorschlag der alles verändern soll. Ein lang gehegter Traum soll das Ruder herumreissen und einen Neuanfang bringen: Ein Umzug nach Paris. Sie stürzen sich sofort mit Begeisterung in die Vorbereitungen und entdecken sich neu. Sie leben mit neuer Liebe und Energie. Doch es kommt etwas dazwischen. Frank wird plötzlich befördert und ist sich nun nicht mehr sicher, ob er alles hinschmeissen will. Sie ist zum dritten Mal schwanger. Es ist der Albtraum der amerikanischen Vorstadt. Sie leben in einem schönen und grossen Haus und trotzdem fühlen sie sich eingeengt und eingesperrt. Ihr Alltag ist bestimmt von Zwängen und Langeweile, Konventionen und Selbstbetrug. Alles dreht sich um das Paar und ihre absolute Leere. Interessanterweise kommen die beiden schon existierenden Kinder kaum vor. Sie sind nur Beiwerk, tauchen gelegentlich auf und verschwinden wieder. Sie sind oft nur im Hintergrund oder im Garten zu sehen.
Es ist ein langsamer und betulicher Film über den Stillstand in einer eingefahrenen Beziehung geworden. Es gibt Ähnlichkeiten mit Regisseur Sam Mendes Regiedebüt AMERICAN BEAUTY, auch wenn hier die Ironie fehlt und alles ernsthaft und trostlos daherkommt und überhaupt ist dieser Film weit entfernt von Mendes bisherigem Meisterstück. Das Drama wurde eindringlich, aber leider auch zu plakativ inszeniert. Die Themen werden wenig subtil erzählt und die moralische Botschaft mit dem Holzhammer ausgeteilt. Weiteres Ärgernis ist die aufdringliche und nahezu alles zukleisternde Filmmusik von Thomas Newman. Aber es ist das Darstellerensemble, das ZEITEN DES AUFRUHRS sehenswert macht, denn das Werk wurde bis in die Nebenrollen gut besetzt. Kate Winslet, die übrigens mit dem Regisseur Sam Mendes (auch ROAD TO PERDITION und JARHEAD) verheiratet ist, spielt mit voller Intensität auf, während Leonardo DiCaprio durchaus gleichzieht. Immerhin ist er ein immer noch zu Unrecht unterschätzter Schauspieler erster Güte. Daneben geben sich Kathy Bates, Kathryn Hahn, David Harbour, Michael Shannon u. a. die Ehre.
FAZIT: ZEITEN DES AUFRUHRS ist ein intensives Drama nicht ohne Schwächen, das vor allem über seine Stars funktioniert und so immer noch sehenswert bleibt.