Zwei Rizinmorde im beschaulichen Bern innerhalb von wenigen Monaten. Rizin ist bereits in kleinsten Mengen tödlich. Mengen, die so winzig sind, dass sie nicht mehr nachgewiesen werden können. Kein Wunder also, dass diese Tode zunächst unerklärlich scheinen. Es ist der Privatdozent Dr. Junker vom Berner Institut für Rechtsmedizin, der nach hartnäckigen Studien endlich die zündende Idee hat. Polizei und Staatsanwaltschaft werden informiert. Die Beweisführung, die Suche nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen, gestaltet sich jedoch schwierig. Erschwerend kommt hinzu, dass die beiden Toten so gar keine Berührungspunkte aufweisen. Der Eine - ein Musiker aus einer alteingesessenen Berner Familie stammend, welcher die halbe Altstadt gehört. Die Andere - eine junge Medizinstudentin mit verheimlichter Schwangerschaft und einem Faible für ältere Herren, die sich an den Lover der Mutter herangemacht hat. Und nein, wer daran denkt der erste Tote wäre ein Liebhaber der 22-Jährigen irrt, zumal schnell bekannt wird, dass die Empfängnis erst nach dem ersten Todesfall stattgefunden hat. Naheliegend ist also bei diesen beiden Toten gar nichts.
Eine Untersuchungsrichterin (Barbara Marti), die als Naschmaul bekannt ist. Der leitende Ermittler, Kommissar Engel, mit einem zum Polizeihund ausgebildeten fünfjährigem Jack Russel Terrier namens Kojak. Zwei Fahnder namens Wagner und Teuscher. Letzterer mit einem Faible für Eishockey und einer davon stammenden Verletzung am Mund, welche gewisse Einschränkungen beim Sprechen mit sich bringt. Diese sorgen für eine gewisse Lockerheit, Leichtigkeit im Text, denn anstelle des Buchstabens "s" kann Fahnder Teuscher nur "f" sagen: Wirklich fehr witfig. Wer aber nun glaubt, es handelt sich um eine Komödie, irrt. Es sind diese kleinen Macken und Besonderheiten, welche die einzelnen Charaktere lebendig erscheinen lassen und für Abwechslung in der Handlung sorgen. Anders als so manch ein skandinavischer Autor gesteht Peter Hänni seinen Figuren kein ausuferndes, komplexes Privatleben zu. Der Inhalt dieses Buches ist die Auflösung des Kriminalfalles und nichts anderes. Umso wichtiger ist es die einzelnen Akteure dennoch als Menschen darzustellen, ihnen quasi Leben einzuhauchen, und dies gelingt Hänni hervorragend.
Die akribische Ermittlungsarbeit steht im Vordergrund des Buches. Diese ist zumindest meiner Meinung nach realitätsnah dargestellt. Keine Actionlastigkeit, sondern Tagesgeschäft, Routineabläufe, einschließlich Beobachtungen/Informationen, deren Bedeutung erst später erkannt wird. Der Leser erfährt bereits ganz am Anfang von einem weiteren Verbrechen - einer Entführung. Der Spannungsbogen wird langsam aufgebaut, inklusive mehrerer unvorhersehbarer Wendungen. Erst recht spät erkennt Kommissar Engel wer der Täter ist. Noch aber ist der Entführungsfall nicht bekannt, so dass der Leser auf die Klärung der kompletten Zusammenhänge bis zum Schluss warten muss. Erst am Ende schließt sich der Kreis, alle losen Fäden werden schlüssig und - meiner Meinung nach zufriedenstellend - geklärt.
Außerdem mochte ich natürlich die Rolle von Kojak, dem Jack Russel Terrier, der seinen Herrn rund um die Uhr begleitet. Wer jetzt an einen bekannten Fernsehkrimi-Schäferhund denkt irrt. Kojak leistet keine Ermittlungsarbeit und jagt auch keine Verbrecher. Er ist einfach nur ein Hund zum Knuddeln.
Alles in allem empfand ich dieses Buch als rundum gelungen. Auf die Bücher von Peter Hänni werde ich in Zukunft sicher achten. Sehr gute Unterhaltung, die ich gerne weiter empfehle.