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Lenz. Reclam Universal-Bibliothek,  Band 8210

Lenz. Reclam Universal-Bibliothek, Band 8210

Hrsg. v. Hubert Gersch

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Artikeldetails zu Lenz. Reclam Universal-Bibliothek, Band...

AutorGeorg Büchner

Untertitel Hrsg. v. Hubert Gersch

Abbildungsvermerk Im Anhang: Johann Friedrich Oberlins Bericht in der Druckfassung von August Stöber

  • ISBN-103-15-008210-2
  • ISBN-139783150082102
  • Verlag Philipp Reclam Jun.
  • ReiheReclam Universal-Bibliothek
  • EinbandartTaschenbuch
  • Seiten88
  • Veröffentlicht1998
  • Gewicht47g
  • SpracheDeutsch

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Rezensionen der Redaktion zu Lenz. Reclam Universal-Bibliothek, Band...

Reclams Universal-Bibliothek ist immer wieder für Überraschungen gut: Neue Ideen führen zu neuen Buchreihen oder klassische Texte erscheinen unter bisher unbekannten Aspekten. So gerade Georg Büchners berühmtes Erzählfragment "Lenz", das man mit Recht eines "der aufregendsten Stücke deutscher Prosa" nennt. Hubert Gersch legt eine "Studienausgabe" vor, die es möglich macht, die komplizierte Geschichte dieses Textes zu rekonstruieren. Hessischer Rundfunk

Kurzbeschreibung zu Lenz. Reclam Universal-Bibliothek, Band...

Die erst nach Georg Büchners Tod erschienene fragmentarische Erzählung 'Lenz' (1839) gehört zu den Meisterwerken der deutschsprachigen Prosa. Büchner schildert in seiner einzigen Erzählung die fortschreitende psychische Erkrankung des Sturm-und-Drang-Autors Jakob Michael Reinhold Lenz (1751-1792) während des kurzen Aufenthalts beim Pfarrer Johann Friedrich Oberlin im Januar/Februar 1778. Die innovativen Erzähltechniken ermöglichen dem Leser ein Miterleben von Lenz' Erkrankung - die Grenzen zwischen Innen- und Außenwelt, von Vernunft und Wahnsinn scheinen zu zerfließen.

Die Studienausgabe bietet die authentische Textfassung, die der Schriftsteller Karl Gutzkow nach der Abschrift von Georg Büchners Braut Wilhelmine Jaeglé 1839 erstmals publizierte, sowie die in Büchners poetischem Verfahren so bedeutenden Quellentexte, allen voran den Bericht, den Pfarrer Oberlin unmittelbar nach Lenz' Aufenthalt im elsässischen Steintal abfasste.

Portrait

Georg Büchner:
Georg Büchner wurde am 17. Oktober 1813 in Goddelau bei Darmstadt geboren und starb am 19. Februar 1837 in Zürich. Er war das erste von sechs Kindern. Ab 1831 studierte er Medizin und Naturwissenschaften in Straßburg und ab 1833 auch Geschichte und Philosophie in Gießen. Er gründete 1834 die geheime Gesellschaft für Menschenrechte und verfasste zusammen mit Ludwig Weidig, einem führenden Oppositionellen, die Flugschrift Hessischer Landbote . Damit riefen sie die hessische Landbevölkerung zur Revolution gegen die Unterdrückung auf. 1834 siedelte er nach Darmstadt um. In dieser Zeit entstand Dantons Tod . Ein Jahr später floh er nach Straßburg. 1836 wurde ihm die Doktorwürde der Universität Zürich verliehen und er begann seine Lehrtätigkeit als Privatdozent für vergleichende Anatomie. Schon vor seiner Übersiedlung nach Zürich hatte Büchner seine Arbeit am Woyzeck begonnen. Das Werk blieb ein Fragment. Anfang 1837 erkrankte Büchner an Typhus und starb kurz darauf an dieser Krankheit.§

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„Anschauliche Pathogenese”

von einer Kundin oder einem Kunden
Georg Büchner zeigt in seiner fragmentarisch überlieferten Novelle 'Lenz' den Ausbruch einer Krankheit - dies aber nicht in dokumentarischer Form, sondern anhand der poetisch gestalteten Wanderung seines Protagonisten Lenz durch die winterlich geprägte Landschaft der Vogesen. Der Leser wird Zeuge einer bedrückenden Pathogenese. Als Quelle dient Büchner ein Bericht des Pfarrers Oberlin, in der dieser den Aufenthalt des Sturm-und-Drang-Dichters J.M.R. Lenz im elsässischen Waldersbach im Januar des Jahres 1778 detailliert beschreibt. Büchner verdichtet die Ereignisse und eröffnet somit eine ganz eigene Welt. Mit jedem Schritt des Protagonisten Lenz dringt der Leser tiefer in dessen Seele ein - wir durchwandern eine Seelenlandschaft, eine Welt, wie sie von einer gefährdeten Natur wahrgenommen wird. Alles lebt, der hypersensible Wanderer spürt jede Regung der Natur, besser gesagt, er sieht seine Schwingungen in der Natur. Die Stille wird zum unerträglichen Lärm, alles ist träg, schwer, feucht und plump - und jede Beschreibung der Natur ist zugleich eine Beschreibung der Befindlichkeit Lenzens. In sogenannten Naturparallelismen evoziert der Dichter neben der greifbaren Welt einer unbehaglichen Gebirgslandschaft auch die innere Welt seines Wanderers. Und der Leser ahnt, dass hinter diesem Menschen "der Wahnsinn auf Rossen" herjagt. Die Episoden, die Büchner zumeist nur andeutet, sind oft eindringlicher als diejenigen eines Romanciers. Die Versuche der Selbstzerstörung, hinter denen der Versuch der Auflösung einer als unerträglich empfundenen Individuation steht, die Suizidversuche, der Versuch einer Totenheilung - all dies lässt den Leser dicht an die Seele dieser armseligen Kreatur rücken. Und schließlich ist die Frage der Theodizee in der Literatur kaum eindringlicher gestellt worden. Ein Werk, in das Büchner sein medizinisches Wissen eingebracht hat, zudem seine poetologischen Überzeugungen, vor allem aber eine unvergessliche Seelenwanderung und ein Werk, das den Beginn der Moderne markiert: und dies sowohl aufgrund seiner gedanklichen Tiefe als auch aufgrund seiner sprachlichen Dichte.

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