Während wir damit beschäftigt sind, unser Leben so effizient wie möglich zu meistern, vergessen wir häufig das Aller-wichtigste: uns selbst!
Ist es nicht seltsam, dass wir ausgerechnet dann, wenn wir den größten Stress haben und dringend eine Auszeit brauchten, uns diese kaum erlauben? Dass wir nicht loslassen können? Stattdessen haben wir das Gefühl, dass alles andere Priorität hat, bevor wir uns entspannen dürfen. Selbst dann noch, wenn uns Nacken und Rücken schon lange Alarmsignale senden.
Oft ist uns gar nicht bewusst, dass wir in diesen Situationen vor allem Mut brauchen. Den Mut, »Stopp« zu sagen. Einmal tief durchzuatmen, sich auszubalancieren. Um dann mit neuem Bewusstsein und frischer Energie weiterzumachen.
Es ist mein Wunsch, Sie daran zu erinnern, dass wir selbst entscheiden können, ob wir die vielen Momente im Alltag für uns nutzen oder ob wir sie einfach unbemerkt vorbeiziehen lassen. Wir bestimmen ganz allein, wie wir mit Stress-
Situationen umgehen. Denn wir können Pausen einlegen, wenn wir es wollen — und die Energie für uns statt gegen uns arbeiten lassen.
Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass es sich gut anfühlt, bei Stress oder bei großer Erschöpfung einfach eine Yoga-Übung zu machen und mir diesen Moment mit mir zu schenken. Ich fühle mich danach jedenfalls immer wohler, erfrischter, konzentrierter und gelassener. Weil ich tief atme und meinen Körper wieder spüre.
Weil ich verbunden bin. Online sozusagen — mit mir selbst.
Und genau das wünsche ich Ihnen auch!
Namaste. Von Herzen.
Namaste
Das Wort »Namaste« kommt aus dem Sanskrit und bedeutet: »Das Göttliche in mir verneigt sich vor dem Göttlichen in dir.« Für diese Geste beide Handflächen in Höhe des Herzens zusammenführen, die Augen schließen und den Kopf leicht nach vorn neigen. Als Ritual vor oder nach ihren Übungen berühren viele Yogis mit den aneinandergelegten Händen erst das »dritte Auge« auf der Stirn zwischen den Augenbrauen, dann die Lippen, und dann führen sie die Hände zur Brust.
Diese Geste steht für die Klarheit der Gedanken, die Wahrheit des gesprochenen Wortes und die Reinheit der Gefühle. »Namaste« ist ein wundervoller Start in den Tag.
Das ist Yoga
Yoga ist keine Religion und auch kein Dogma — Yoga ist eine Philosophie, die ihre Wurzeln in Indien hat. Das Wort »Yoga« kommt (ebenso wie »Namaste«) aus dem Sanskrit und bedeutet »Vereinigung« — Vereinigung von Körper und Seele mit dem großen Ganzen. Wer Yoga praktiziert und richtig atmet, fügt alles zusammen, ist ganz nah bei sich und gleichzeitig mit seiner Umwelt verbunden. Yoga-Übungen werden Asanas genannt. In diesem Buch stehen oft Bezeichnungen in Sanskrit neben deutschen Übersetzungen. Viele Übungen sind Variationen der klassischen Yoga-Asanas — an verschiedene Situationen des Alltags angepasst.
Wie man atmet ...
Das Wesentliche, worauf man sich bei der Yoga-Atmung konzentrieren muss, ist sanft und tief ein- und auszuatmen. Und zwar immer durch die Nase. Das ist beinahe schon alles. Wer sich jetzt noch vorstellt, einen Spiegel anzuhauchen, und das gleiche Geräusch mit geschlossenem Mund und der gleichen Anspannung produziert, ist schon bei der »Ujjayi«-Atmung angelangt. Das ist die Yoga-Atmung, die den Körper während der Übungen am besten mit Sauerstoff versorgt.
So haben die Übungen mehr Wirkung
Vor jeder Übung lenkt man die Aufmerksamkeit auf sich und seine Gefühle, um sich für einen Moment zu sammeln. Das beruhigt und erhöht gleichzeitig die Konzentration.
Erst einmal bewusst und tief durch die Nase ein- und wieder ausatmen, bevor es ans Praktizieren der Asanas geht.
Warum weniger mehr ist ...
Obwohl die meisten Yoga-Übungen auf bestimmte Teile des Körpers ausgerichtet sind, wird der Körper immer ganzheitlich beeinflusst. Die Muskulatur wird gestärkt und gedehnt, die inneren Organe werden angeregt und durchblutet. Wichtig ist, sich für jedes einzelne Asana genügend Zeit zu nehmen und tief zu atmen, um es bewusst zu erleben und zu verinnerlichen. Deshalb: Besser eine einzige Übung konzentriert praktizieren, als sich in einer »kopflosen« langen Sequenz zu verlieren. Und unbedingt aufhören, wenn die Haltung weh tut!
Deshalb Gedanken loslassen
Weshalb das Gefühl verankern ...
Wer nach jeder Übung noch einen Moment lang innehält (dabei aber weiteratmet!), kann das gute Gefühl der Übung leichter mit in den Alltag nehmen. Einmal lächeln. Und versuchen, das Lächeln mitzunehmen. Denn das aktive Verankern des Gefühls erhöht den Wert der Yoga-Praxis und verstärkt den Langzeiteffekt.
Deshalb Gedanken loslassen
Während der Übung wollen wir abschalten. Und einfach einmal an gar nichts denken. Aber oft funken belastende Gedanken dazwischen: Die lange To-do-Liste mit den E-Mails, die längst geschrieben sein sollten, der Ärger über den Chef oder Arbeitskollegen, die Aufregung vor dem nächsten Meeting. Doch was soll's!
Nicht ärgern, sondern die Gedanken zulassen. Sie wahrnehmen. Aber dann wieder loslassen. Während der Asanas gibt es keinen Erledigungsdruck, muss keine Lösung gefunden werden. Einfach nur atmen. Und den Körper dehnen. Hinterher fällt uns die Lösung sowieso ein!
GUTEN MORGEN!
Kaum jemand hat die Zeit, täglich ins Fitness-Studio zu gehen oder Yoga-Kurse zu besuchen. Doch die Bewegung soll nicht auf der Strecke bleiben, wenn wir Stress haben. Wir kommen erschöpft nach Hause und legen uns lieber aufs Sofa, statt etwas für unseren Körper zu tun. Wie oft haben wir den Wecker morgens schon ausgehauen, ohne aufzustehen — obwohl wir uns fest vorgenommen hatten, Frühsport zu machen? Und dann kommt das schlechte Gewissen ...
Selbst mir als Yoga-Begeisterte geht das so. Auch ich muss mich oft aufraffen, meinen »inneren Schweinehund« überwinden und früher aufstehen, um mein eineinhalbstündiges Yoga-Programm durchzuziehen. Morgens fühlt es sich auch bei mir manchmal so an, als hätte ich Blei in den Gliedern. Und abends — nach einem vollen Tag zwischen Kindern und Beruf — brauche ich entweder erst einmal eine Stunde, um mich zu entspannen und mein überlastetes System herunterzufahren, oder ich falle gleich in ein Schlafkoma. Und schon habe ich die Entschuldigung für den nächsten Morgen ...
Seit ich mich jedoch von der Vorstellung gelöst habe, dass sich Trainingsprogramme nur am Stück absolvieren lassen, ist mein Tagesablauf leichter und verspielter geworden. Natürlich mache ich mein großes Yoga-Programm so oft wie möglich. Aber nebenbei verteile ich die Übungen auf den ganzen Tag: Hier mal eine Dehnung während der Teepause, dort ein Twist auf dem Bürostuhl, ein Hüftöffner vor dem Fernseher, eine Atemübung, bevor die Filmklappe fällt. So bleibt übrigens auch das schlechte Gewissen aus. Plötzlich habe ich Spaß daran, noch eine Übung dranzuhängen. Und noch eine. Und noch eine ... Kleine Auszeiten sind allemal besser als gar keine.
Urdhva Hastasana Variation — Gehobene-Hände-Haltung Variation
Neuer Tag, neues Glück
So geht's
Auf dem Rücken liegen. Beim Einatmen beide Arme nach oben über den Kopf führen. So weit wie möglich strecken. Die Luft kurz anhalten. Ausatmen und dabei die Arme gestreckt wieder nach unten führen. Alles loslassen. Mindestens dreimal wiederholen. Bei Rückenproblemen: Die Beine leicht anwinkeln oder ein Kissen unter die Kniekehlen legen.
Das bringt's
Streckt und entlastet die Wirbelsäule und damit die Bandscheiben. Belebt Körper und Geist. Steigert durch die bewusste und tiefe Atmung die Konzentrationsfähigkeit.