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Wir Ertrunkenen

Roman

buch
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Artikeldetails zu Wir Ertrunkenen

AutorCarsten Jensen

Untertitel Roman

Abbildungsvermerk Übers.-Karten 23,5 cm

  • ISBN-103-8135-0301-1
  • ISBN-139783813503012
  • Verlag Knaus
  • ÜbersetzerUlrich Sonnenberg
  • Einbandartgebunden
  • Seiten781
  • Veröffentlicht15.09.2008
  • GenreRoman
  • Gewicht1065g
  • SpracheDeutsch
  • OriginaltitelVi, De Druknede

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Leseprobe aus Wir Ertrunkenen

DIE STIEFEL
Laurids Madsen war im Himmel gewesen, doch dank seiner Stiefel war er auch wieder heruntergekommen.
Er war nicht bis hoch zum Masttopp geflogen, eher so auf die Höhe der Großrahe eines Vollschiffs. Er hatte am Tor zum Paradies gestanden und den heiligen Petrus gesehen, doch es war nur der Arsch, den der Hüter der Pforte zum Jenseits ihm gezeigt hatte.
Laurids Madsen hätte tot sein sollen. Aber der Tod hatte ihn nicht gewollt, und so wurde er ein anderer.
Bevor Laurids Madsen wegen seines Besuchs im Himmel berühmt wurde, hatte man ihm vorgehalten, eigenhändig einen Krieg angezettelt zu haben. Mit sechs hatte Laurids seinen Vater, Rasmus, ans Meer verloren, und mit vierzehn war er mit der Anna aus Marstal in See gestochen. Drei Monate später war die Anna in der Ostsee untergegangen. Die Besatzung wurde von einer amerikanischen Brigg gerettet, seither hatte Laurids Madsen von Amerika geträumt.
Mit achtzehn hatte er in Flensburg sein Steuermannspatent bestanden und noch im selben Jahr bei Mandal vor der Küste Norwegens ein zweites Mal Schiffbruch erlitten; dort hatte er in einer kalten Oktobernacht auf einer Schäre gestanden, die von den Wellen überspült wurde, und Ausschau nach Rettung gehalten. Fünf Jahre war er über die Weltmeere gesegelt. Er hatte Kap Hoorn umrundet und in der pechschwarzen Nacht den Schrei des Pinguins gehört. Er hatte Valparaiso gesehen, die Westküste von Amerika und Sydney, wo die Bäume im Winter statt der Blätter die Borke verlieren und die Kängurus umherhüpfen. Er hatte ein Mädchen mit Augen wie Weintrauben getroffen, das auf den Namen
Sally Brown hörte, und wusste von der Foretop Street, La Boca, Barbary Coast und der Tiger Bay zu berichten. Er hatte den Äquator überquert, Neptun gegrüßt und den Stoß gespürt, als das Schiff die Linie kreuzte. Er hatte aus diesem Anlass Salzwasser, Fischöl und Essig getrunken. Er war mit Teer, Lampenruß und Leim getauft und mit einem rostigen Messer mit schartiger Klinge rasiert worden, seine Schnitte hatte man mit Salz und Kalk versorgt. Er hatte die ockerfarbene Wange der pockennarbigen Amphitrite geküsst und die Nase in ihr Riechfläschchen voller abgeschnittener Nägel gesteckt.
Laurids Madsen war weit herumgekommen.
Wie so viele. Doch als Einziger war er mit der fixen Idee heimgekehrt, dass in Marstal alles zu klein und zu eng war, und um das zu beweisen, redete er ständig in einer Sprache, die er «amerikanisch» nannte. Ein Jahr war er auf der Kriegsfregatte Neversink gefahren und hatte dabei das fremde Idiom gelernt.
«Gevin nem belong mi Laurids Madsen», sagte er.
Er hatte drei Söhne und eine Tochter mit Karoline Grube aus der Ny- gade. Rasmus, genannt nach Laurids' Vater, Esben und Albert. Das Mädchen hieß Else und war die Älteste. Rasmus, Esben und Else schlugen nach der Mutter; wie sie waren sie nicht sonderlich groß gewachsen und sagten nicht viel. Albert glich seinem Vater. Bereits als Vierjähriger war er ebenso groß wie der drei Jahre ältere Esben. Ständig kullerte er eine englische Kanonenkugel aus Gusseisen umher und versuchte wieder und wieder, sie hochzuheben. Er ging in die Knie und bekam einen verbissenen und stieren Blick, doch noch war sie zu schwer für ihn.
«Heave away, my jolly boys! Heave away my bullies!», spornte Lau- rids ihn an, wenn er die Versuche seines Jüngsten sah.
Die Kugel war 1807 während der englischen Belagerung von Marstal durch das Dach des Hauses in der Korsgade geschlagen. Großmutter hatte sich dermaßen erschrocken, dass sie Laurids mitten auf dem Küchenfußboden zur Welt gebracht hatte. Wenn Albert nicht gerade damit unterwegs war, hatte die Kanonenkugel ihren festen Platz in der Küche: Karoline benutzte sie dort als Stößel, um im Mörser Senf zu mahlen.
«Tja, genauso gut hättest du deine Ankunft auf diese Weise ankündigen können», hatte Rasmus einmal zu Laurids gesagt, «so groß, wie du warst, als du zur Welt kamst. Wenn der Storch dich verloren hätte, wärst du auch wie eine englische Kanonenkugel durchs Dach geschossen.»
«Finggu», sagte Laurids und hob den Finger. Er wollte den Kindern die amerikanische Sprache beibringen. Fut bedeutete Fuß. Er zeigte auf den Stiefel. Maus war der Mund. Er rieb sich den Bauch, wenn er sich zu Tisch setzte, und bleckte die Zähne.
« So verstanden alle, dass er Hunger hatte.
Mutter hieß misis, Vater papa tru. Wenn Laurids nicht da war, sagten sie Mutter und Vater genau wie alle anderen Kinder, mit Ausnahme von Albert. Er war der besondere Liebling seines Vaters.
Für die Kinder gab es viele Bezeichnungen. Pikinini, bullies und hearties.
«Am anderen Ufer der Ostsee kam es in Schleswig-Holstein zum Krieg mit den Deutschen. Man schrieb das Jahr 1848, und der alte Zollamtmann de la Porte erfuhr es als Erster, weil die provisorische Regierung der Aufständischen in Kiel ihm die Proklamation zusammen mit dem Ersuchen schickte, ihnen die Zollkasse auszuhändigen.
Ganz Marstal geriet in Aufruhr, und sofort beschlossen wir einstimmig die Bildung einer Landwehr. An der Spitze stand ein junger Lehrer aus Rise, den wir seither den General nannten. Überall auf den höchsten Punkten der Insel wurden Signalfeuer errichtet; Schwengel, die man an einer langen Stange anbrachte und an deren Ende eine mit altem Tauwerk und Teer gefüllte Tonne hing. Wenn der Feind kam, wurde die brennende Teertonne hochgezogen, um so zu signalisieren, dass der Krieg heransegelte.
Es gab Feuerzeichen auf dem Knasterbjerg und an der Steilküste bei Vejsnss, und überall patrouillierten Strandwachen und spähten über das Wasser.
Laurids, der ohnehin vor nichts Respekt hatte, war das Kriegsspektakel leid. Eines Abends, als er auf der Heimreise aus der Eckernförder Bucht an Vejsnss vorbeikam, segelte er dicht auf den Strand zu und brüllte, dass es über das Wasser gellte: «Der Deutsche ist hinter mir her!»
Wenige Minuten später brannte die Tonne auf dem Gipfel des Steilhangs. Dann wurde das Signalfeuer auf dem Knasterbjerg entzündet, und nun sprang das Feuer weiter über die Insel, bis nach Synneshaj, das beinahe zwanzig Kilometer entfernt lag; ^ra stand in Brand wie beim Mittsommernachtsfeuer.
Als die Feuer aufflammten, lag Laurids auf dem Wasser und amüsierte sich köstlich über das gewaltige Durcheinander, das er angerichtet hatte. Doch als er in Marstal anlegte, sah er überall Licht, und obwohl es schon später Abend war, wimmelte es auf den Straßen vor Menschen. Einige riefen unverständliche Befehle, andere weinten und beteten. Eine kampfbereite Gruppe stürmte bereits die Markgade hinauf, bewaffnet mit Sensen, Heugabeln und ein paar Gewehren. Junge Mütter liefen mit ihren schreienden Säuglingen auf dem Arm verschreckt durch die Straßen, überzeugt, dass der Deutsche ihre Nachkommen mit Bajonetten aufspießen würde. Am Brunnen an der Ecke Markgade und Vestergade stand die Frau eines Kapitäns und schimpfte mit ihrer Dienstmagd. Die Frau hatte die Idee, sich vor den Deutschen im Brunnen zu verstecken, und befahl nun dem Mädchen, als Erste in die schwarze Tiefe zu springen.
«Nach Ihnen», sagte das Mädchen.
Wir Männer kommandierten uns ebenfalls herum. Doch es gab einfach zu viele Kapitäne in unserer Stadt, als dass irgendjemand einem anderen gehorchen wollte, und so konnten wir uns lediglich darauf einigen, unter Hersagen vieler Eide feierlich zu schwören, dass wir unser Leben so teuer wie möglich verkaufen würden.
Als der Tumult auf den Pfarrhof in der Kirkestrsde bis zu Pastor Zachariassen drang, der an diesem Abend Besuch hatte, fiel eine Dame vor Erschütterung in Ohnmacht, sein zwölfjähriger Sohn Ludvig hingegen griff zu einem Feuerhaken, um das Vaterland gegen den eindringenden Feind zu verteidigen. Daheim bei Lehrer Isager, der auch als Küster tätig war, bereitete sich die ganze Familie auf den bevorstehenden Angriff vor. Alle zwölf Söhne, die zu Hause waren, um den Geburtstag der dicken Frau Isager zu feiern, wurden von ihrer Mutter mit aschegefüllten Tonkrügen ausgestattet und bekamen die Ordre, dem Deutschen die Asche auf den Kopf zu schütten, wenn er sich erlauben sollte, die Küsterwohnung zu stürmen.
An der Spitze der Gruppe, die sich durch die Markgade in Richtung Reeperbahn bewegte, befand sich auch der alte Jeppe, der mit einer Forke fuchtelte und die Deutschen johlend herausforderte; sie sollten nur kommen, wenn sie es wagten. Der kleine Schreiner Laves Petersen musste wieder umkehren. Keck hatte er seine Flinte über der Schulter getragen, und seine Taschen beulten sich vor Kugeln, doch erst während des Eilmarsches bemerkte er, dass er sein Pulver zu Hause vergessen hatte.
An der Marstaler Mühle stand die schwergewichtige Müllerin Madame Weber mit einer Heugabel bereit und verlangte, mit in die Schlacht ziehen zu dürfen, und in der allgemeinen Verwirrung und vielleicht auch, weil sie imponierender daherkam als die meisten von uns Männern, öffneten wir ihr sofort unsere kriegslüsternen Reihen.
Laurids, der ein empfindsames Gemüt hatte, wurde von dem allgemeinen Kampfgeist derart gepackt, dass er nach Hause lief, um eine Waffe zu holen. Karoline und die vier Kinder hatten sich vor Angst unter dem Esstisch der guten Stube versteckt, als er hereinstürmte und munter rief: «Kommt Kinder, jetzt geht's in den Krieg!»
Ein dumpfes Geräusch war zu hören, als Karoline mit dem Kopf an die Unterseite des Esstisches stieß. Mühsam kroch sie unter der Tischdecke hervor und richtete sich zu ihrer vollen Größe auf, wobei sie ihn völlig außer sich anschrie: «Bist du denn ganz von Sinnen, Madsen? Krieg ist nichts für Kinder!»
Rasmus und Esben fingen an, auf und ab zu hüpfen.
«Wir wollen mit! Wir wollen mit!», riefen sie im Chor. «Ach bitte, dürfen wir?»
Und der kleine Albert rollte bereits die Kanonenkugel heran.
«Seid ihr denn alle verrückt geworden?», schrie die Mutter und versetzte dem Nächststehenden eine Ohrfeige. «Seht zu, dass ihr wieder unter den Tisch kommt!»
Laurids lief in die Küche, um sich eine geeignete Waffe zu besorgen, doch er fand nichts Brauchbares.
«Wo ist denn die Bratpfanne?», rief er in die Stube.
«Nicht die», schrie Karoline zurück. «Meine Bratpfanne fasst du nicht an.»
«Na gut, dann nehm ich den Besen», teilte er mit und lief zurück in die Stube. «Jetzt kann sich der Deutsche aber auf etwas gefasst macht.»
Sie hörten, wie die Haustür hinter ihm zufiel.
«Hast du das gehört?», flüsterte Rasmus, der Älteste, Albert zu. «Vater hat nicht mal Amerikanisch geredet.»
«Dieser Verrückte», erklärte die Mutter und schüttelte den Kopf in der Dunkelheit unter dem Esstisch, wohin sie wieder Zuflucht gesucht hatte. «Zieht mit einem Besen in den Krieg.»
Allgemeiner Jubel brach los, als Laurids sich der kampfbereiten Truppe anschloss. Zwar stand er im Ruf, überheblich zu sein, doch er war groß und stark, und es konnte nicht schaden, ihn an der Seite zu haben. Dann fiel unser Blick auf den Besen.
«Hast du keine andere Waffe?»
«Für den Deutschen ist das gut genug», antwortete er und reckte den Besen in die Luft. «Damit fegen wir ihn aus dem Land.»
Wir waren übermütig und lachten über seinen Witz.
«Lasst ein paar Heugabeln zurück», sagte Lars Badker. «Damit wir die Deutschen hinterher stapeln können, wenn sie alle tot sind.»
Wir kamen hinaus aufs offene Feld. Bis Vejsnss war es ein Marsch von einer halben Stunde, und wir schritten zügig aus, noch immer mit Angriffslust im Blut. Wir erreichten die Hügel bei Drejet und sahen, wie die Feuer über die Insel flammten, ein Anblick, der unsere Kampfbereitschaft nur noch anstachelte. Dann hörten wir Hufschlag in der Dunkelheit und erstarrten. Nun kam der Feind!
Unsere Hoffnung war, die Deutschen am Strand zu überraschen, aber immerhin hatten wir noch das Terrain auf unserer Seite. Laurids stellte sich mit dem Besen in Kampfpositur, und wir anderen taten es ihm gleich.
«Wartet auf mich!», tönte es hinter uns.
Es war der kleine Schreiner, der uns nachlief, nachdem er zu Hause sein Pulver geholt hatte.
«Psst!», zischten wir. «Der Deutsche ist ganz in der Nähe.»
Die Hufschläge kamen näher, und nun hörten wir, dass es sich um lediglich ein Pferd handelte. Ein Reiter tauchte aus der Dunkelheit auf. Laves Petersen hob seine Flinte und zielte, doch Laurids legte eine Hand auf den Gewehrlauf.
«Das ist Kontrolleur Bülow», sagte er.
Der Kontrolleur saß rittlings auf einem schweißtriefenden Pferd, dessen schwarze Flanken nach dem scharfen Ritt zitterten. Er hob die Hand.
«Geht wieder nach Hause. Es gibt keine Deutschen bei Vejsnss.»
«Aber die Tonnen brennen doch!», rief Laves.
«Ich habe mit der Strandwache gesprochen», sagte Bülow. «Es war falscher Alarm.»
«Und wir sind aus unseren warmen Betten gejagt worden. Wofür? Für nichts!»
Madame Weber verschränkte die Arme und sah sich mit einem missmutigen Blick unter uns um, als suchte sie jemanden, auf den sie sich nun stürzen konnte, da uns der Feind eine Abfuhr erteilt hatte.
«Wir haben bewiesen, dass wir vorbereitet sind», sagte der Kontrolleur schlichtend, «aber am allerbesten wäre es doch, wenn sie überhaupt nicht kämen.»
Wir brummten zustimmend. Und obwohl wir einsahen, dass der Standpunkt des Kontrolleurs vernünftig war, blieb es doch eine herbe Enttäuschung. Wir waren bereit, dem Deutschen und dem Tod in die Augen zu sehen, und nun war keiner von beiden auf ^ra an Land gegangen.
«Der Deutsche soll sich bloß vorsehen», sagte Lars Badker.
Wir spürten die Müdigkeit und machten uns auf den Heimweg. Ein kühler Nachtregen fiel, und niemand sagte ein Wort, bis wir die Mühle erreichten, an der sich Madame Weber von unserer niedergeschlagenen
Truppe trennte. Sie baute sich direkt vor uns auf und hielt die Heugabel in der Hand, als präsentierte sie ein Gewehr.
«Ich wüsste nur zu gern», sagte sie mit drohender Stimme, «wer der Spaßvogel war, der ehrbare Leute dazu bringt, mitten in der Nacht ihre Betten zu verlassen, um in den Krieg zu ziehen.»
Wir alle starrten Laurids an, der mit seinem Besen über der Schulter aus unserer Mitte herausragte.
Doch Laurids zog weder den Kopf ein, noch senkte er den Blick. Stattdessen schaute er uns an. Dann lehnte er sich zurück und begann, direkt in den Regen hineinzulachen.
Bald schon wurde es ernst mit dem Krieg. Wir wurden zur Marine eingezogen. Der Kriegsdampfer Hekla legte im Nachbarort ^raskabing an, um uns abzuholen. In einer Reihe standen wir am Pier und wurden einer nach dem anderen aufgerufen, bevor wir an Bord der Barkasse sprangen, die uns zu dem Dampfer bringen sollte. An jenem Abend im November hatten wir uns um den Krieg betrogen gefühlt, doch nun war die Wartezeit vorbei und der Mut groß.
«Ahoi, hier kommt ein Däne mit Leib und Seele, und der hat einen Seesack dabei!», schrie Claus Jakob Clausen.
Er war ein kleiner, sehniger Mann, der immer damit prahlte, dass ein Tätowierer in Kopenhagen, der auf den Namen Stichel-Frederik hörte, einmal zu ihm gesagt hatte, er habe den härtesten Arm, in den er jemals eine Nadel gestochen hätte. Clausens Vater, Hans Clausen, war wie sein Großvater vor ihm Lotse gewesen. Das war der Weg, den ganz sicher auch Claus Jakob gehen würde, denn in der Nacht vor der Einschiffung hatte er einen Traum gehabt, der ihm verkündete, dass er lebend aus dem Krieg zurückkäme.
In Kopenhagen wurden wir für die Fregatte Gefon angemustert. Laurids wurde von uns Übrigen getrennt und kam als Einziger auf das Linienschiff Christian VIII., dessen Großmast so hoch war, dass der Kirchturm von Marstal anderthalbmal in den Abstand zwischen Masttopp und Deck gepasst hätte. Uns wurde schwindlig und wirr, wenn wir den
Kopf in den Nacken legten, doch es war diese Art von Schwindel, die zu Stolz führt, denn wir begriffen, dass wir einberufen waren, um große Taten zu vollbringen.
Laurids blieb zurück und sah uns nach. Die Christian VIII. passte zu ihm. Er würde sich an Deck wie zu Hause fühlen, er, der einst ein Jahr auf dem amerikanischen Kriegsschiff Neversink gefahren war. Dennoch dachten wir, dass er sich einen Moment lang verlassen gefühlt haben musste, als er uns auf der Gangway der Gefon verschwinden sah.
Dann liefen wir aus, um in den Krieg zu ziehen. Palmsonntag segelten wir die Küste von ^re entlang. Wir sahen die Steilküste bei Vejsns, wo Laurids die Insel völlig konfus gemacht hatte mit seinem: «Der Deutsche kommt!» Jetzt kam der Däne, und die Reihe war an den Deutschen, Teertonnen zu entzünden und wie kopflose Hühner umherzurennen.
Wir lagen vor Als und warteten. Am Mittwoch nahmen wir Kurs auf die Eckernförder Bucht und erreichten die Mündung am späten Nachmittag. Auf dem Achterdeck wurden wir zusammengerufen. Wir waren ein bunter Haufen in unseren Friespullovern und Tuchhosen in den unterschiedlichsten Farben, manche blau, andere schwarz oder weiß. Nur das Band mit dem Namen Gefon um unsere Mütze und die rot-weiße Kokarde verrieten, dass wir Matrosen auf einem Kriegsschiff des Königs waren. Der Kommandant, der seinen feinsten Uniformmantel mit Epauletten und Säbel trug, hielt eine Rede und forderte uns auf, wie tapfere Burschen zu kämpfen. Er schwang seinen Dreispitz und brachte ein dreifaches Hurra auf den König aus. Wir stimmten ein, so laut wir konnten. Dann befahl er, sämtliche Kanonen abzufeuern, damit wir erfuhren, wie es während eines Gefechts zuging. Niemand von uns hatte je einen Krieg erlebt. Erst donnerte es übers Meer, dann roch es scharf nach Pulver. Es hatte ziemlich aufgefrischt, und der blaue Rauch der Kanonen wurde vom Wind mitgerissen. Einige Minuten war es unmöglich, sich untereinander zu verständigen. Der Lärm der Kanonen hatte uns taub werden lassen.
Wir bildeten nun ein ganzes Geschwader. Zwei Dampfer waren dazugekommen, einen kannten wir seit der Verschiffung aus raskabing, es war die Hekla. Für den nächsten Tag bereiteten wir uns auf die Schlacht vor. In den Batteriedecks wurden die Kanonen klargemacht und Pumpen und Feuerspritzen so aufgestellt, dass sie jederzeit zum Einsatz kommen konnten, sollte an Bord ein Brand ausbrechen. Jede einzelne Kanone bekam ihre Kartätschen und Vollkugeln, die Zündröhrchen packten wir in Kisten. In den letzten Tagen hatten wir alles so oft exerziert, dass wir die zahlreichen Befehle beinahe auswendig dahersagen konnten. Wir waren elf Mann an jeder Kanone, und vom ersten Befehl «Klar überall!», gefolgt von «Wischer und Kartusche!» und «Zündrohr einlegen!» bis endlich zum Befehl zu schießen, rannten wir konfus umher, starr vor Angst, irgendetwas falsch zu machen. Wir waren gewohnt, zu dritt oder zu viert auf unseren kleinen Frachtseglern und Galeassen zu arbeiten, und nun waren wir plötzlich Herren über Leben und Tod.
Allzu oft blieben wir wie gelähmt stehen, wenn der Geschützführer sein «Nach dem Visier ausrichten!» oder «Einrichten!» brüllte. Was, zum Teufel, bedeutete das eigentlich? Jedes Mal, wenn es uns gelang, den verzwickten Weg bis hin zum letzten Befehl fehlerfrei zurückzulegen, wurden wir vom Geschützführer gelobt. Dann brachen wir in ein munteres Hurra! aus, und er schaute erst uns an, dann seine Kanone und schließlich hinunter auf Deck, während er den Kopf schüttelte.
«Ihr Jungspunde», sagte er, «verdammt noch mal, tut bloß euer Bestes!»
Wir wussten nicht so genau, auf wen wir eigentlich schießen sollten. Doch wohl kaum auf die alte Ilse mit der schiefen Hüfte, die Branntweinmutter, die uns im Hafen von Eckernförde den erquickenden Trank verkaufte, wenn wir mit unseren Schuten anlegten. Und auf den Kornhändler Eckhardt, mit dem wir manch guten Handel geschlossen hatten, sicherlich auch nicht. Dann gab es noch den Gastwirt vom Roten Hahn. Er hieß Hansen, ein Name, der ja urdänisch war. Wir hatten ihn nie mit einem Gewehr in der Hand gesehen. Niemand von ihnen war der Deutsche, soweit wir es beurteilen konnten. Aber der König wusste, wer der Deutsche war. Und der Kommandant, der so verwegen Hurra! gebrüllt hatte.
Wir nahmen Kurs auf die Bucht. Die feindlichen Batterien an der Küste fingen an zu donnern, aber wir waren außerhalb ihrer Reichweite, und schon bald wurde es wieder ruhig. Wir bekamen Branntwein anstelle des üblichen Tees. Um neun wurde der Zapfenstreich geblasen, nun war es Zeit, in die Kojen zu kriechen. Sieben Stunden später wurden wir geweckt, es war Gründonnerstag, der 5. April 1849. Wieder erhielten wir Branntwein statt Tee, und auf Deck stand bereits ein Fass Bier. Wir konnten trinken, so viel wir mochten, und unsere Laune war ausgezeichnet, als wir den Anker lichteten und uns der Bucht näherten.
Über die Verpflegung an Bord der Schiffe Ihrer Majestät konnten wir uns nicht beklagen, denn hatten wir daheim für uns zu sorgen, war die Kost mager. Über uns hieß es, bei einem Schiff aus Marstal würden nie Möwen im Kielwasser fliegen, und das hatte schon seine Richtigkeit. Bei uns wurde nichts vergeudet. Hier aber gab es außer Tee und Bier jeden Tag so viel Brot, wie wir nur essen konnten, zum Mittagessen ein Pfund frisches Fleisch oder ein halbes Pfund Speck, Erbsen, Grütze oder Suppe und am Abend vier Lot Butter und dazu einen Schnaps. Daher liebten wir den Krieg, lange bevor wir zum ersten Mal Pulverdampf rochen.
Wir hatten die Eckernförder Bucht erreicht. Das Ufer rückte näher, und die Kanonenstellungen an Land waren jetzt deutlich auszumachen. Kresten Hansen beugte sich hinüber zu Ejnar Jensen und vertraute ihm einmal mehr an, dass er die Schlacht nicht überleben werde.
«Ich hab's gewusst, seit der Deutsche die Zollkasse verlangte. Ich sterbe heute.»
«Einen Scheiß wusstest du», erwiderte Ejnar. «Du hast doch nicht einmal geahnt, dass die Schlacht an Gründonnerstag stattfindet.»
«Doch, das wusste ich schon lange. Die Zeit ist gekommen, da wir erschossen werden!»
«Halt jetzt die Schnauze», sagte Ejnar gereizt. Er hatte sich das Gejammer anhören müssen, seit sie die Hängematten aufgerollt und die Stiefel geschnürt hatten.
Doch Kresten war nicht zu bremsen, sein Atem ging stoßweise, und er legte eine Hand auf den Arm des Freundes.
«Versprich mir, dass du meinen Seesack zurück nach Marstal bringst.»
«Du kannst deinen Plunder selbst nach Hause tragen. Hör jetzt auf, bevor du mir auch noch Angst einjagst.»
Ejnar warf einen beunruhigten Blick auf den Kameraden. Kresten war der Sohn von Kapitän Jochum Hansen, gleichzeitig Aufseher bei der Hafenbehörde, und Kresten hatte große Ähnlichkeit mit seinem Vater, von den Sommersprossen unter dem rotblonden Schopf bis zu seinem etwas einsilbigen Wesen. Noch nie hatten wir ihn in einem so seltsamen Zustand erlebt.
«Hier», sagte Ejnar und reichte ihm einen Krug Bier. «Nimm einen ordentlichen Schluck.»
Er hielt Kresten den Krug an den Mund. Der prustete und verschluckte sich am Bier. Seine Augen wurden glasig. Ejnar klopfte ihm auf den Rücken. Kresten schnappte so keuchend nach Luft, dass ihm das Bier aus den Nasenlöchern schoss.
«Du Fischkopf.» Ejnar lachte. «Wer hängen soll, ersäuft nicht», sagte er. «Fast hättest du dich selbst umgebracht. Du brauchst den Deutschen überhaupt nicht.»
Doch Krestens Blick war noch immer weit weg.
«Die Zeit ist gekommen, da wir erschossen werden», wiederholte er mit dumpfer Stimme.
«Tja, ich werde jedenfalls nicht erschossen.»
Es war Lille Clausen, der sich ins Gespräch einmischte.
«Ich weiß es, weil ich es geträumt habe. Versteht ihr, ich ging den Mallevej hinunter, ich wollte in die Stadt. Zu beiden Seiten stand Militär, bereit zu schießen. Eine Stimme rief:>Du sollst gehen! Wir hielten Ausschau über die Bucht und die umliegenden Felder, die von einer Schicht Frühjahrsgrün bedeckt waren. In einem kleinen Wald knospender Lindenbäume versteckte sich ein Hof mit Reetdächern, zu dem ein mit Feldsteinen eingefasster Weg führte. Am Rande des Weges stand eine Kuh und graste. Sie hatte uns ihr Hinterteil zugewandt und schlug träge mit dem Schwanz; sie wusste nichts von dem Krieg, der sich draußen auf dem Wasser näherte.
Die Kanonenstellung auf der Landspitze an Steuerbord war nun sehr nahe. Wir sahen den Rauch, bevor wir den Knall über das Wasser rollen hörten wie ein Unwetter, das unversehens aufzog.
Kresten zuckte zusammen.
«Die Zeit ist gekommen», sagte er.
Ein Feuerstrahl schlug steuerbord aus dem Achterdeck der Christian VIII. Wir sahen uns ratlos an. War das Schiff getroffen?
Wir waren das Kriegführen nicht gewohnt und wussten nicht, welche Folgen ein Volltreffer haben konnte. Von dem Linienschiff kam keine Reaktion.
«Wieso schießen die nicht zurück?», fragte Ejnar.
«Sie liegen noch nicht querab zur Batterie», stellte Lille Clausen sachkundig fest.
Einen Moment später verkündete eine blaugraue Wolke aus Pulverdampf auf der Steuerbordseite der Christian VIII., dass sie die Salve beantworteten. Die Schlacht war in vollem Gang. Am Strand spritzten Feuer und Erde auf, und kleine Zinnsoldaten liefen durcheinander. Ein ordentlicher Wind blies aus östlicher Richtung, und kurze Zeit später war es an der Gefon, eine Breitseite zu liefern. Der Knall der großen Sechzigpfundkanonen ließ das gesamte Schiff erzittern; wir hatten das Gefühl, uns würde das Zwerchfell in die Hose rutschen. Wir pressten die Hände auf die Ohren und schrien in einer Mischung aus Furcht und Erschrecken, wie gelähmt von der Schlagkraft der Kanonen.
Jetzt bekam der Deutsche die volle Breitseite!
Einige Minuten ging es so weiter. Dann hörten die Schüsse der Batterie auf der Landspitze auf. Wir mussten uns auf das Urteilsvermögen unserer Augen verlassen, hören konnten wir nichts. Es sah aus wie eine Wüstenlandschaft. Schutt türmte sich in großen Haufen. Der schwarze Lauf eines Vierundzwanzigpfünders ragte in die Luft, als hätte er ein Erdbeben erlebt. Niemand rührte sich.
In einem stummen Siegestanz schlugen wir uns auf den Rücken. Sogar Kresten sah einen Moment so aus, als würde er seine düsteren Vorahnungen vergessen und sich der Ekstase ergeben: Der Krieg war ein Riesenspaß, ein Branntweinrausch, der direkt ins Blut ging. Nur war dieser Rausch größer und reiner. Als sich der Pulverdampf verzogen hatte, war die Luft vollkommen klar. Nie hatten wir die Welt so deutlich gesehen. Wir schnitten Fratzen wie Neugeborene. Takelage, Masten und Segel wölbten sich über uns wie das Laubwerk eines frisch ausgeschlagenen Buchenwalds. Und über all dem lag ein Glanz, wie wir ihn nie zuvor erlebt hatten.

Rezensionen der Redaktion zu Wir Ertrunkenen

"Was für ein Buch, was für ein gewaltiges Buch! Man wird es vor seinem Ende nicht aus der Hand legen wollen. (...) Dass Carsten Jensen sich in Seefahrtsdingen so kundig gemacht hat, verdient Respekt, dass er sich aber in dem, was Mernschen, Frauen wie Männer, antreibt, noch viel besser auskennt und dass er davon auf so hinreißende Weise erzählen kann, das verdient Bewunderung." (Die Zeit, Literaturmagazin)

"Es ist lange her, dass ich solch einen Roman gelesen habe. Er handelt davon, worauf es im Leben wirklich ankommt und wie man seine Menschlichkeit bewahren kann. Das ist ganz große Erzählkunst!" (Hakan Nesser)

Kurzbeschreibung zu Wir Ertrunkenen

Carsten Jensen erzählt in "Wir Ertrunkenen" von Menschen, deren Leben vom Meer bestimmt ist: von Männern, die ihrer Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuer folgen, und von Frauen, die dem Meer, das ihnen die Männer und Söhne raubt, den Kampf ansagen.
"Wir Ertrunkenen" ist ein pralles, buntes Buch voller phantastischer, komischer und nachdenklicher Geschichten.


Alles beginnt im Jahr 1848, als der Seemann Laurids Madsen aus Marstal in den Himmel fliegt und unversehrt wieder zur Erde zurückkehrt. Der Tod hat ihn noch nicht gewollt. Später wird er sagen, seine Stiefel seien zu schwer für ein Leben da oben gewesen. Seither ist Laurids eigenartig, und irgendwann verschwindet er auf den Weltmeeren. Seine Stiefel bleiben zurück, bis sein Sohn Albert sie anzieht. Er macht sich auf den Weg in die Südsee, um seinen Vater zu suchen. Mit dem Schrumpfkopf von James Cook und dem Geheimnis der Geldvermehrung kehrt er als Reeder zurück in seine Heimatstadt. Er weiß, dass im neuen Jahrhundert die Zukunft in den Frachträumen der großen Segelschiffe liegt. Von Marstal aus sollen noch mehr Schiffe in See stechen. Doch Albert hat nicht mit den Frauen gerechnet. Sie hassen das Meer, das ihnen ihre Männer und Söhne genommen hat und immer wieder nimmt. Eine von ihnen nimmt den Kampf auf.


Beschreibung der Redaktion zu Wir Ertrunkenen

Carsten Jensen erzählt in ?Wir Ertrunkenen? von Menschen, deren Leben vom Meer bestimmt ist: von Männern, die ihrer Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuer folgen, und von Frauen, die dem Meer, das ihnen die Männer und Söhne raubt, den Kampf ansagen. ?Wir Ertrunkenen? ist ein pralles, buntes Buch voller phantastischer, komischer und nachdenklicher Geschichten. Alles beginnt im Jahr 1848, als der Seemann Laurids Madsen aus Marstal in den Himmel fliegt und unversehrt wieder zur Erde zurückkehrt. Der Tod hat ihn noch nicht gewollt. Später wird er sagen, seine Stiefel seien zu schwer für ein Leben da oben gewesen. Seither ist Laurids eigenartig, und irgendwann verschwindet er auf den Weltmeeren. Seine Stiefel bleiben zurück, bis sein Sohn Albert sie anzieht. Er macht sich auf den Weg in die Südsee, um seinen Vater zu suchen. Mit dem Schrumpfkopf von James Cook und dem Geheimnis der Geldvermehrung kehrt er als Reeder zurück in seine Heimatstadt. Er weiß, dass im neuen Jahrhundert die Zukunft in den Frachträumen der großen Segelschiffe liegt. Von Marstal aus sollen noch mehr Schiffe in See stechen. Doch Albert hat nicht mit den Frauen gerechnet. Sie hassen das Meer, das ihnen ihre Männer und Söhne genommen hat und immer wieder nimmt. Eine von ihnen nimmt den Kampf auf. "Es ist lange her, dass ich solch einen Roman gelesen habe. Er handelt davon, worauf es im Leben wirklich ankommt und wie man seine Menschlichkeit bewahren kann. Das ist ganz große Erzählkunst!" Håkan Nesser "Ein großartiger Roman, ein reiches und seltenes Leseerlebnis. Er lässt dich auf keiner einzigen Seite, in keiner einzigen Situation los. Carsten Jensen die Erzählung wie eine Sturzsee über den Leser kommen (...) Er schreibt mit einem gleichermaßen nüchternen wie begeisterten Respekt für seine Personen und ihre Schicksale. Dadurch ist dieser Roman weit mehr als nur gut gelungen." Joakim Jakobsen, Weekendavisen "Wir Ertrunkenen ist sowohl ein Roman des Verlustes wie des Werdens. (...) Obgleich sich Tod und Tragödien durch den Roman ziehen, ist er doch erstaunlich leicht im Ton." Jakob Levinsen, Jyllands-Posten

Autorenportrait zu Wir Ertrunkenen

Carsten Jensen, geboren 1952, wuchs in Marstal auf der dänischen Insel Æro auf. Er studierte in Kopenhagen Literaturwissenschaft und arbeitet seither als Journalist und Kritiker. Er gilt als einer der profiliertesten Essayisten Dänemarks. Sein literarisches Schaffen begann er Mitte der neunziger Jahre. Mit "Wir Ertrunkenen", seinem dritten Roman, gelang ihm ein internationaler Bestseller.
Carsten Jensen wurde 2009 mit dem Olof Palme Preis ausgezeichnet.

Portrait

Ulrich Sonnenberg:
Ulrich Sonnenberg, geboren 1955, arbeitete nach seiner Buchhändlerlehre mehrere Jahre in Kopenhagen und war bis Ende 2003 Verkaufsleiter der Verlage Suhrkamp und Insel in Frankfurt am Main. Seit Anfang 2004 lebt und arbeitet er als freier Übersetzer, Herausgeber und Publizist in Frankfurt am Main.
Carsten Jensen:
Carsten Jensen, geboren 1952, wuchs in Marstal auf. Er studierte in Kopenhagen Literaturwissenschaft und arbeitete als Journalist und Kritiker. Sein literarisches Arbeiten begann er Mitte der neunziger Jahre.

Autorenportrait

Carsten Jensen, geboren 1952, wuchs in Marstal auf der dänischen Insel Æro auf. Er studierte in Kopenhagen Literaturwissenschaft und arbeitet seither als Journalist und Kritiker. Er gilt als einer der profiliertesten Essayisten Dänemarks. Sein literarisches Schaffen begann er Mitte der neunziger Jahre. Mit "Wir Ertrunkenen", seinem dritten Roman, gelang ihm ein internationaler Bestseller.
Carsten Jensen wurde 2009 mit dem Olof Palme Preis ausgezeichnet.

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50

19.04.2011

„Wir Ertrunkenen”

von einer Kundin oder einem Kunden Top-100 Rezensent Top 100 Rezensent
Ich gebe es ja zu. Ich hatte dieses Buch schon lange zu Haus und hab mich immer gescheut diesen 800 Seiten Wälzer anzufangen.
Doch einmal begonnen, konnte ich nicht mehr aufhören.
Carsten Jensen ist wirklich ein großartiger Autor!

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50

28.01.2011

„Seefahrerroman”

von einer Kundin oder einem Kunden
Ein Roman,der sich über die Zeitspanne von 100 Jahren hinzieht; realistisch geschrieben; sogar fast ein Heimatroman, da der Verfasser selbst in Marstal aufgewachsen ist.

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50

22.01.2010

„Ein Buch wie das Meer - gewaltig und tiefgründig!”

von einer Kundin oder einem Kunden
Das ist einfach große Literatur! Carsten Jensen hat seiner Heimatstadt Marstal ein literarisches Denkmal gesetzt. Durch einige persönliche Schicksale, wird man zu verschiedenen Häfen der Geschichte geschifft. Dabei habe ich manche Adrenalinschübe durchlebt, die einen die Höhen und Tiefen der beschriebenen Protagonisten besonders intensiv durchleben lassen. Während des Lesens spürt man quasi den Geschmack des Meersalzes auf den Lippen. Zuerst kämpft man 1848 mit dem Matrosen Laurids Madsen in einer gewaltigen Seeschlacht und später sucht man den Verschollenen mit seinem Sohn Albert. Aber das ist noch lange nicht alles. Sie werden noch durch beide Weltkriege manovriert, bis der heimatliche Hafen erreicht wird. Man gerät in einen Lesestrudel, der einen nicht mehr loslässt. Hissen Sie die Bücherseiten und gehen dann auf eine große literarische Fahrt!

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50

23.05.2009

„Wir Ertrunkenen”

von einer Kundin oder einem Kunden
Im wahrsten Sinn ein phantastisches Buch: Phantastisch der Umfang von 781 Seiten, phantastisch geschrieben, man fängt an zu lesen und kann überhaupt nicht mehr aufhören, und phantastisch auch die Geschichte.

Der Roman entführt den Leser in die Zeit der großen Segelschiffe im 19. Jahrhundert. Er erzählt die Geschichte von drei Seefahrergenerationen aus dem kleinen dänischen Hafenstädtchen Marstal. In Marstal gibt es für Jungen eigentlich nur eine Bestimmung: Sie werden Seeleute. Die Mädchen werden erst Mütter und dann Witwen, weil viele ihrer Männer auf See bleiben. Der erste Held ist Laurids Madsen. Bei der Explosion seines Schiffes fliegt er in den Himmel. Aber er kommt unversehrt wieder zurück. Petrus hat gesagt, seine Zeit sei noch nicht gekommen. Danach wird er ein wenig wunderlich und verschwindet einfach auf den Weltmeeren. Sein Sohn Albert macht sich auf die Suche nach ihm und umsegelt auf den verschiedensten Schiffen die ganze Welt, bis er seinen Vater endlich findet.

Das Buch ist voller wunderbarer Seefahrtsromantik. Wenn man es aufschlägt, hört man beinahe schon die Wellen rauschen. Es ist absolut lesenswert. Einfach wunderbares Seemannsgarn!

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