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Wenn der Himmel sich teilt

Roman

buch
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Artikeldetails zu Wenn der Himmel sich teilt

AutorNicholas Evans

Untertitel Roman

Abbildungsvermerk 19 cm

  • ISBN-103-442-46844-2
  • ISBN-139783442468447
  • Verlag Goldmann Taschenbuch
  • ReiheGoldmanns Taschenbücher
  • ÜbersetzerWerner Löcher-Lawrence
  • EinbandartTaschenbuch
  • Seiten477
  • Veröffentlicht10.11.2008
  • GenreRoman
  • Gewicht378g
  • SpracheDeutsch
  • OriginaltitelThe Divide

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Leseprobe aus Wenn der Himmel sich teilt

Sie standen noch vor Anbruch der Dämmerung auf und traten hinaus in die mondlose, sternenklare Nacht. Ihr Atem trieb Wolken in die eisige Luft, und der gefrorene Kies vor dem Motel knirschte harsch unter ihren Stiefeln. Der alte Geländewagen war das einzige Auto auf dem Parkplatz, und sein Dach und die Haube waren mit einer Frostschicht überzogen. Der Junge befestigte ihre Skier auf dem Dachträger, während sein Vater die Taschen verstaute und vor zur Windschutzscheibe ging, um das Zeitungspapier zu entfernen, das unter den Scheibenwischern klemmte. Das Papier war gefroren und knisterte, als er es zusammenknüllte. Bevor sie ins Auto stiegen, standen sie einen Moment lang schweigend da, lauschten der Stille und sahen nach Westen, wo die Umrisse der Berge sich vor dem sternenübersäten Himmel abzeichneten.
Die kleine Stadt schlief noch, als sie auf der Main Street nach Norden fuhren, vorbei am Gerichtsgebäude, der Tankstelle und dem alten Kino. Ruhig glitt ihr Wagen durch die bleichen Lichtkegel der Straßenlaternen, und sein Spiegelbild folgte ihnen über die dunklen Schaufenster der Geschäfte. Der einzige Zeuge ihres Aufbruchs war ein grauer Hund, der mit gesenktem Kopf am Stadtrand Wache hielt. Geistergrün leuchteten seine Augen im Licht der Scheinwerfer.
Es war der letzte Märztag, und den Rand des Highways säumte ein schmutziggraues Schneeband. Als sie tags zuvor in Richtung Westen über die Ebene gefahren waren, hatten sie im verblichenen Gras einen ersten Hauch Grün entdecken können. Vor Sonnenuntergang waren sie vom Motel aus einen Feldweg entlangspaziert und hatten eine Lerche singen hören, als sei es mit dem Winter endgültig vorbei. Aber hinter dem sanft gewellten Weideland erhob sich die Front der Rocky Mountains. Die uralte, hundert Meilen lange Kalksteinwand war noch immer ganz in Weiß gehüllt. Da gibt es sicher noch guten Schnee, sagte der Vater zu seinem Sohn.
Eine Meile nördlich der Stadt bogen sie links vom Highway auf eine Straße, die zwanzig Meilen fast schnurgerade auf das Gebirge zuführte. Sie sahen Hirsche und Kojoten, und als die Straße in einen Schotterweg überging, schwebte eine große Eule aus einem Pappelwäldchen und segelte ein Stück vor ihnen her, als ritte sie auf den Scheinwerferstrahlen. Währenddessen wuchs die Gebirgswand immer höher vor ihnen auf, ein düsteres, geheimnisvolles Blau, in das sie schließlich hineinstießen. Sie kamen in ein Tal, fuhren an einem Bach mit Schmelzwasser entlang, der durch kahle Espen- und Weidenhaine rauschte. Links und rechts von ihnen türmten sich mit Kiefern bestandene, knochenfarbene Felsen über dreihundert Meter in die Höhe.
Der Weg wurde jetzt steiler, und als er unter festgefahrenem Schnee verschwand, hielt der Vater an, damit sie die Schneeketten montieren konnten. Die Luft war eiskalt, es bewegte sich kein Lüftchen, nur das Rauschen des Bachs erfüllte die Schlucht. Sie breiteten die Ketten vor den Hinterrädern aus, und der Vater setzte sich ans Steuer und fuhr langsam vor, bis der Junge rief, es sei genug. Während sein Vater sich in den Schnee kniete und die Ketten festzurrte, stampfte der Junge mit den Füßen auf und blies sich in die Fäuste, um sie warm zu halten. »Sieh mal«, sagte er.
Sein Vater stand auf, folgte seinem Blick und klopfte sich den Schnee von den Händen. Eingerahmt von den Talwänden, wenn auch noch in weiter Ferne, erstrahlte der Gipfel eines mächtigen schneebedeckten Bergs im Licht der ersten Sonnenstrahlen. Sie konnten mit bloßem Auge verfolgen, wie sich der Schatten der Nacht von den Hängen zurückzog und einem Band aus Gold, Rosa und Weiß Platz machte.
Sie parkten den Wagen am Ende des Wegs, und der unberührte Schnee zeigte ihnen, dass noch niemand hier gewesen war. Nebeneinander saßen sie unter der Heckklappe und zogen ihre Stiefel an. Der Besitzer des Motels hatte ihnen Sandwiches mitgegeben, und sie aßen jeder eins, tranken dampfenden, süßen Kaffee dazu und beobachteten, wie sich die Schatten um sie herum langsam zurückzogen. Die ersten paar Meilen würde es steil bergauf gehen, deshalb hatten sie sich Steigfelle unter die Skier gebunden, um mehr Halt zu haben. Der Vater des Jungen überprüfte noch einmal die Bindungen und Lawinenbeeper, und als er mit allem zufrieden war, schwangen sie ihren Rucksack auf den Rücken und schnallten sich die Skier an.
»Du gehst voraus«, sagte der Vater. Die Tour, die sie sich vorgenommen hatten, war etwa fünfzehn Meilen lang. Vor zwei Jahren hatten sie schon einmal diese Strecke gewählt und ein paar Abfahrten entdeckt, die sie besser als alles fanden, was ihnen bis dahin begegnet war. Die ersten drei Stunden waren die anstrengendsten - ein langer Aufstieg durch den Wald und dann ein gefährlicher Zickzackkurs die Nordostseite eines Kamms hinauf. Aber das war es wert. Die baumlose Südseite des Kamms bot eine perfekte Folge dreier Abfahrten bis in den nächsten Talgrund hinunter. Ging all es gut, erreichten sie den Kamm, wenn die Sonne gerade hoch genug gestiegen war, um die oberste Schicht des Schnees ein wenig aufzuweichen, während der Untergrund noch gefroren und fest war.
Diese Skitouren durch die Wildnis waren für sie zu einem Ritual geworden, und der Junge freute sich genauso sehr darauf wie sein Vater, das wusste er. Seine Freunde daheim in Great Falls, mit denen er sonst Snowboard fuhr, hielten ihn für verrückt. Wenn ihr Ski fahren wollt, sagten sie, warum nicht dort, wo es einen Lift gibt? Und tatsächlich hatte er bei ihrer ersten Tour vor vier Jahren in die Tetons noch gefürchtet, dass sie Recht haben könnten. Für einen Zwölfjährigen war das alles eine ziemliche Anstrengung für herzlich wenig Spaß: zu viel rauf und nicht genug runter. Zwischendrin war er den Tränen nahe. Aber er verzog keine Miene und kam auch im nächsten Jahr wieder mit.
Sein Vater war ständig geschäftlich unterwegs, und sie hatten nie viel zusammen unternommen, nur sie beide. Manchmal hatte der Junge den Eindruck, dass sie sich kaum kannten, und so richtig gesprächig waren sie auch nicht gerade. Aber ihre Touren durch diese wilden, entlegenen Gegenden brachten sie näher zusammen, als es Worte je geschafft hätten. Und nach und nach hatte er auch begriffen, warum seinem Vater die Aufstiege genauso gut gefielen wie die Abfahrten. Es war ein eigenartiges Wechselspiel aus körperlicher und geistiger Energie, als führte der Verbrauch des einen zum Anstieg des anderen. Die endlose Wiederholung, einen Ski am anderen vorbei nach vorn zu schieben, konnte einen in eine Art Trance versetzen. Und das Gefühl von Triumph und Erregung, wenn man auf einem fernen Gipfel stand und sich ein Hang, bedeckt mit unberührtem Frühlingsschnee, unter einem öffnete, war überwältigend.
Vielleicht empfand er das auch so, weil er mit jedem Jahr an Kraft hinzugewonnen hatte. Er war jetzt größer als sein Vater und bestimmt besser in Form. Und obwohl er, was die Erfahrung anging, noch viel zu lernen hatte, war er inzwischen auch der bessere Skifahrer. Vielleicht ließ ihn sein Vater deshalb in diesem Jahr zum ersten Mal vorangehen.
Die erste Stunde über wurde der Weg von dunklem Nadelholz gesäumt und führte höher und höher die Schlucht hinauf. Obwohl sie sich noch im Schatten befanden, brachte sie der Anstieg ins Schwitzen, und wenn sie eine Pause einlegten, um zu verschnaufen, etwas zu trinken oder eine weitere Schicht ihrer Kleidung abzulegen, vernahmen sie aus der Tiefe unter sich das gedämpfte Rauschen eines Bachs. Einmal hörten sie ein großes Tier durch das Gehölz über ihnen brechen.
»Was glaubst du, was das war?«, fragte der Junge.
»Wild. Vielleicht ein Elch.«
»Sind die Bären schon wach?«
Sein Vater nahm einen Schluck aus der Feldflasche und wischte sich den Mund mit dem Rücken des Handschuhs ab. Sie befanden sich im Gebiet der Grizzlys, das wussten sie.
»Ich glaube schon. Die letzte Woche über war es warm genug.«
Eine Stunde später ließen sie die Bäume hinter sich und kamen hinaus ins strahlende Sonnenlicht.

Rezensionen der Redaktion zu Wenn der Himmel sich teilt

"Eine verschwundene Tochter, Schuld, Liebe, Natur. Evans hat einen Roman voller Leidenschaft geschrieben, der zudem ein spannender Krimi ist." Bild am Sonntag

Kurzbeschreibung zu Wenn der Himmel sich teilt

Großes Gefühlskino: eine hochdramatische Geschichte um tiefsten Schmerz und das Wunder der Liebe.


Inmitten der Wildnis Montanas wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Sie wurde wegen Mordes vom FBI gesucht. Welche tragischen Ereignisse führten zu ihrem entsetzlichen Tod? War die Scheidung der Eltern und damit der Zerfall der einst so glücklichen Familie Auslöser für die Flucht in eine verhängnisvolle Liebesbeziehung und in ein im Untergrund geführtes Leben, das so furchtbar endete?


So bewegend wie "Der Pferdeflüsterer" - so spannend wie ein guter Krimi


Beschreibung der Redaktion zu Wenn der Himmel sich teilt

Großes Gefühlskino: eine hochdramatische Geschichte um tiefsten Schmerz und das Wunder der Liebe. Inmitten der Wildnis Montanas wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Sie wurde wegen Mordes vom FBI gesucht. Welche tragischen Ereignisse führten zu ihrem entsetzlichen Tod? War die Scheidung der Eltern und damit der Zerfall der einst so glücklichen Familie Auslöser für die Flucht in eine verhängnisvolle Liebesbeziehung und in ein im Untergrund geführtes Leben, das so furchtbar endete? So bewegend wie ?Der Pferdeflüsterer? ? so spannend wie ein guter Krimi "Eine verschwundene Tochter, Schuld, Liebe, Natur. Evans hat einen Roman voller Leidenschaft geschrieben, der zudem ein spannender Krimi ist." Bild am Sonntag "Ein sehr berührendes Buch über Gefühle, die ein Leben bestimmen und manchmal auch zerstören können." Bücher "′Wenn der Himmel sich teilt′ ist einfach großes Gefühlskino. Dabei bringt Evans viele Themen geschickt zusammen. Es geht um den Zerfall einer Ehe und das, was Männer und Frauen bei aller Liebe zueinander immer auch trennen wird. Es geht um Schuld, aber auch das Thema Umweltzerstörung. Die Geschichte um Abbies Untergrund-Leben als Ökoterroristin ist packend wie ein Thriller, während das Ehedrama ihrer Eltern für viel Gefühl und Leidenschaft sorgt." HR1 kostbar

Autorenportrait zu Wenn der Himmel sich teilt

Der Engländer Nicholas Evans, geboren 1950, arbeitete nach seinem Studium in Oxford als Journalist. Ungewöhnliche Reportagen über die USA und den Nahen Osten machten ihn einem breiten Fernsehpublikum bekannt. Anfang der 80er Jahre begann seine steile Karr

Portrait

Werner Löcher-Lawrence:
Werner Löcher-Lawrence, geb. 1956, studierte Journalismus, Literatur und Philosophie, arbeitete als wissenschaftlicher Assistent an der Universität München und als Lektor in verschiedenen Verlagen. Er ist Übersetzer.
Nicholas Evans:
Nicholas Evans, geb. 1950, studierte zunächst Jura und begann dann Drehbücher zu schreiben. Sein erster Roman 'Der Pferdeflüsterer' machte ihn weltberühmt und auch sein zweiter Roman 'Im Kreis des Wolfs' eroberte die internationalen Bestsellerlisten. Nicholas Evans lebt in England und Amerika.

Autorenportrait

Der Engländer Nicholas Evans, geboren 1950, arbeitete nach seinem Studium in Oxford als Journalist. Ungewöhnliche Reportagen über die USA und den Nahen Osten machten ihn einem breiten Fernsehpublikum bekannt. Anfang der 80er Jahre begann seine steile Karr

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50

04.05.2012

„Unglaublich bewegende Geschichte”

von einer Kundin oder einem Kunden aus Oberwil im Simmental
Dieses Buch gehört auf jeden Fall zu meinen persönlichen Lieblingsbüchern!





Das Buch verfügt mit Abbie, Josh und Sarah über sehr interessante Figuren und der ganze Handlungsablauf der Geschichte ist sehr spannend zu Papier gebracht. Speziell der letzte Teil mit der Auflösung zum Schluss hat mir sehr zugesagt.






Erstklassiges Buch, kann ich auf jeden Fall weiterempfehlen!

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40

04.04.2011

„Beginnt langsam, gewinnt schnell an Fahrt”

von GiPi
Ein wirklich bemerkenswertes Buch mit - zum Schluss hin - großen Gefühlen.

Dieses Buch ist in drei Abschnitte gegliedert. Der erste und dritte Abschnitt ist eher kurz gefasst und beschreibt den Augenblick der Gegenwart. Das erste Kapitel ist recht anonym, wir haben eine neutrale Erzählperson, die nicht viel weiß. Mit dem zweiten Kapitel ändert sich dies jedoch, da hier auch Namen der Personen wiedergegeben werden. Es entsteht das Gefühl, die Erzählperson kennt auf einmal die Figuren. Der längste Abschnitt ist Nummer 2 und dementsprechend haben wir hier die Haupthandlung mit einer alles wissenden Erzählperson. Es ist nicht wie ein Krimi, wie rätselraten erlaubt ist. Die Fakten werden nach und nach "auf den Tisch gelegt" und die Geschichte lebt und überzeugt durch Gefühle und Erlebnisse. Es entwickelt sich so, dass der Leser mit hineingerissen wird und unbedingt wissen möchte, was die Figuren als nächstes erleben werden.
Im 3. Abschnitt wird die Erzählperspektive wie vorneweg beibehalten. Aber die Figuren wandeln sich. Sie entwickeln sich zum Schluss hin weiter und freut sich mit Ihnen. Wie im Klappentext beschrieben - Mut zu großen Gefühlen in einer spannenden Geschichte über tiefsten Schmerz und unerwarteten Neuanfang.

Auch eine schöne Geschichte für die kalte Jahreszeit, da teilweise die Rede von tiefen und tiefsten Temperaturen ist, auch wenn wir eine Zeitspanne von 6 Jahren erleben.
Nur zu empfehlen.

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