Ich weiß gar nicht, wo ich vor lauter Begeisterung anfangen soll. Einmal in dieses Buch abgetaucht, hat es mich nicht mehr losgelassen. Wir lernen Mikael (Kalle) Blomkvist als vertrauenswürdigen Journalisten kennen, der unter einem Vorwand in die Familiengeheimnisse der Familie Vanger eingeweiht wird. Er soll eine Biografie über die Familie schreiben, aber der eigentliche Grund soll sein, dass er das Verschwinden der damals 16jährigen Harriet aufklären soll. Bereits vor mehr als 40 Jahren war sie von einem auf den anderen Tag fort und ihr Großonkel Henrik Vanger kam nie über diesen Verlust hinweg, wurde jedes Jahr zu seinem Geburtstag durch eine Blume, die man ihm schickte daran erinnert und die Aufdeckung von Harriets Verschwinden hat ihn seitdem verfolgt.
So tauchen wir immer wieder zurück zu dem Tag, an dem sie spurlos verschwand. Die Mischung aus der Jetzt-Zeit und der Vergangenheit, zwischen vergilbten Fotos, früher jungen und heute alten Menschen, wurde von Larrson sehr plastisch geschildert. Wenn ich zwischendurch, bedingt durch ganz irdische Verpflichtungen, nicht immer mit dem Lesen hätte aufhören müssen, hätte ich das Buch wohl in einem Rutsch verschlungen. Jedesmal wenn ich eine Pause einlegen mußte, konnte ich es kaum erwarten, weiterzulesen. Blomkvist und auch seine spätere Kollegin Salander werden beim Lesen automatisch zu Freunden des Lesers, bei denen man dachte, man würde sie im Stich lassen, wenn man nicht schnell weiterliest.
Ich bin froh, dass ich "Vergebung" erst jetzt gelesen habe, wo es bereits alle 3 Bücher der Trilogie gibt, denn der zweite Teil liegt bereits hier neben mir und schreit förmlich danach, gelesen zu werden. Ich freue mich schon jetzt auf weitere Erlebnisse von Mikael Blomkvist, der hohes Potential hat, eine Lieblingsfigur in meinem literarischen Leben zu werden.
Ganz nebenbei möchte ich auch einmal erwähnen, dass der Textaufbau des Buches sehr augenfreundlich ist. Manchmal ist es bei "dicken" Büchern so, dass die Schrift sehr klein gehalten ist, aber hier stimmt einfach alles. Für mich die perfekte Schriftgröße und auch der perfekte Zeilenabstand. Ein Buch, welches nicht eine Sekunde lang den Gedanken aufkommen läßt "Boah, sooooviel muss ich noch lesen?". Im Gegenteil: Je dünner das Buch am Ende wird, desto trauriger hat es mich gestimmt, dass das Ende bald erreicht ist.
Was mich zudem sehr traurig werden läßt, ist die Tatsache, dass Stieg Larsson bereits verstorben ist. Seine Bücher erleben einen solchen Ruhm, den er nun gar nicht mehr mitbekommt. Mit diesen Augen gelesen, bekommt das Buch einen weiteren melancholischen Touch, der den Zauber und die Faszination des Ganzen ausmacht.
Für mich bereits jetzt schon das Buch des Monats April 2008. Wenn die anderen beiden Teile genauso fesselnd sind (wovon ich stark ausgehe), so wird diese Trilogie einen Ehrenplatz in meinem Bücherregal bekommen.
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