Ivana Jeissing schafft wunderbare, eigenwillige, teils schrullige Charaktere, allen voran die unsichtbare Hauptakteurin Jane Terry, mit der ich leider nur zögerlich warm wurde.
Jane hat ein HNO-Ärzte-Elternpaar, dem die Patienten, vor allem deren Ohren und Nasen stets wichtiger als die eigene Tochter waren. Um dem gefühlskalten Elternhaus zu entfliehen, heiratet sie den ehrgeizigen Anwalt Peter, ob der denn auch der Richtige ist, diese Frage stellt sich Jane erst spät, genauer gesagt viele Jahre zu spät. Sie tut stets, was schon ihre Mutter und Großmutter bis zur Perfektion beherrscht haben: unsichtbar sein, immer schön im Hintergrund bleiben, nur nicht auffallen. Dabei ist Jane intelligent, hübsch und erfolgreich im Beruf, hätte diese Unscheinbarkeit überhaupt nicht nötig. Gerade deshalb hatte ich so meine Probleme, Jane anfangs zu mögen oder mich in sie hineinzuversetzen, was sich aber im Laufe der Lektüre zum Glück geändert hat.
Nach einem beruflichen Umzug nach Berlin (Peter wurde eine lukrative Stelle angeboten), stromert Jane, die Londonerin, erst einmal ziemlich orientierungslos durch die Stadt, bis sie eines Tages vor dem Plakat eines kleinen Nostalgiekinos kleben bleibt und somit bei dem alten kauzigen Fred landet, der schon bald als Ratgeber und Freund von ihrer Seite nicht mehr wegzudenken ist. Er ist es, der Jane zur Sichtbarkeit verhilft.
Was den Roman auszeichnet, ist die Kombination aus Ernst und hintersinnigem Humor. Die Telefonate mit Janes Schwester Melanie, einer Verhaltensforscherin, oder die Begegnungen mit Plumji, einer Studienfreundin von Jane, sorgten bei mir stets für hemmungslose Lachanfälle, wohingegen Janes Kinder- und Jugendzeit oder ihre trostlose Ehe mit Peter der krasse Gegensatz dazu sind. Es ist ein durchweg originelles Debüt, das uns die in Berlin lebende Österreicherin Ivana Jeissing vorlegt. Schade finde ich, dass zum Schluss Janes "Sichtbarwerden" viel zu hastig erzählt wird, was das Ganze wieder etwas unglaubwürdig und schwer nachvollziehbar macht, hierfür hätte sich die Autorin mehr Zeit nehmen und näher ins Detail gehen sollen. Der "hingeschmierte" Schluss passt nicht zum gemächlichen Erzählstil des Romans und ein paar mehr Seiten hätten ohnehin nicht geschadet, in dem Punkt schließe ich mich der Vorrezensentin an, auch ich hätte gerne noch mehr von Janes Abenteuern erlebt. Insgesamt ist Unsichtbar trotzdem sehr lesenswert und ich hoffe, dass uns die Autorin mit mehr solch wunderbar unterhaltsamer Lektüre erfreut.
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