Koeppens erster Roman zur Trilogie des Scheiterns "Tauben im Gras" ist 1951 erschienen und damit der Nachkriegsliteratur zuzuordnen. Der Roman arbeitet mit der Montagetechnik und verflechtet mit mehreren Erzählsträngen verschiedene personale Ereignisse parallel und miteinander, welche sich über einen Tag in einer Großstadt (vermutlich München) hinziehen, kulminierend darin, dass einige der Charaktere "gesteinigt" werden. An dieser Stelle ist nicht genügend Platz auf die einzelnen Geschehnisse oder Personen einzugehen. Da gibt es beispielsweise einen gescheiterten Schriftsteller Philipp, dessen Frau Emilia, die vom Erlös aus der substanziellen Bestand des Vorkriegsvermögens ihre Finanz- und damit Lebenslage versucht aufrecht zu erhalten, sich aber immer mehr dem Alkohol hingibt, ferner die vom Afroamerikaner Washington geschwängerte Carla, die das Kind abtreiben lassen will, der ziellose Soldat Odysseus, dem antiken widerhandelnd nachempfunden, oder Edwin, der Dichter, der Gertrude Stein zitiert und denkt: "[...] wie Tauben im Gras betrachteten gewisse Zivilisationsgeister die Menschen, indem sie sich bemühten, Sinnlose und scheinbar Zufällige der menschlichen Existenz bloßzustellen, den Menschen frei von Gott zu schildern, um ihn dann frei im Nichts flattern zu lassen, sinnlos, wertlos, frei und von Schlingen befroht, dem Metzger preisgegeben, aber stolz auf die eingebildete, zu nichts als Elend führende Freiheit von Gott und göttlicher Herkunft. Und dabei, sagte Edwin, kenne doch schon jede Taube ihren Schlag und sei jeder Vogel in Gottes Hand."
Gerade dieser Auszug bedeutet den kaum zu übersehenden existenzialistischen Ansatz, die Philosophie des Romans ist Spiegel des zeitgenössischen Zufallsglaubens, der Glaube an der einzigen "Wahrheit" des Angesprungenwerdens vom Absurden hinter jeder Straßenecke, Spielball zu sein zwischen den Gewalten und politischen Gestirnen, deren Ansinnen Koeppen wohl nicht zufällig im zweiten Roman der Trilogie ("Das Treibhaus") analysiert. Ansonsten bilden die montierten Passi formale Trümmer. Bestandsaufnahme eines Nachkriegsdeutschland, in dem selbst der große Navigator Odysseus nur noch ein armer Herumirrender ist. Doch hätte ich mir noch mehr Erweiterung des "inventierten" Spektrums gewünscht. Rassismus wird angesprochen, Angst vor neuen Bedrohungen auf dem "Schlachtfeld", desolate Gespenster wie der schlafgestörte Schnakenbach, die Tauben-Metapher offenbart es: sie versuchen zu fressen und zu überleben, es sind geflügelte Ratten, schmutzig und sich der Freiheit des Fliegenkönnens nicht bewusst, vielleicht gemeint im Sinne eines kontingenten kontrollierten Abflugs aus der Lebenswelt zur Vogelperspektive, die zu anaylsieren der Einzelne nicht im Stande ist, geworfen ist, und nur der Erzähler von oben zu erkennen vermag. Der Auftakt des Scheiterns hat begonnen...
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