Die Liste der Vorbehalte, was die einzelnen NATO-Staaten in Afghanistan tun dürften und was nicht, nahm den Umfang eines Telefonbuchs an. Einige Truppen durften die Taliban nicht angreifen; sie waren nicht autorisiert, gegen Mohnanbau oder Drogenkonvois vorzugehen; sie durften nicht gegen Warlords kämpfen oder einschreiten, wenn zwei von ihnen aneinander gerieten, und sie konnten keine Hilfsorganisationen, Schulen, Regierungsgebäude oder große Infrastrukturprojekte schützen.
Die Deutschen hatten die bizarrste Vorbehaltsliste. Ihre Verbände durften nicht nach Sonnenuntergang operieren; afghanische Soldaten durften nicht in deutschen Hubschraubern mitfliegen; eine Ambulanz musste jede Patrouille begleiten, was Fußpatrouillen im Gebirge unmöglich machte. Das erste Lager, das die Deutschen in Kunduz errichteten, lag in einem Mohnfeld, aber ihre Offiziere taten so, als sähen sie das nicht. Der Selbstschutz erreichte außerordentliche Ausmaße. Als sie ihr 70 Millionen Dollar teures Hauptquartier am Flughafen von Mazar-e-Sharif errichteten, um 1 500 Soldaten zu beherbergen, erbauten deutsche Ingenieure eine Militärstadt aus 75 000 Tonnen Stahl und 300 000 Tonnen Beton.