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Sputnik Sweetheart

Sputnik Sweetheart

Roman. Aus d. Japan. v. Ursula Gräfe

buch
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Artikeldetails zu Sputnik Sweetheart

AutorHaruki Murakami

Untertitel Roman. Aus d. Japan. v. Ursula Gräfe

Abbildungsvermerk 21,5 cm

  • ISBN-103-8321-5696-8
  • ISBN-139783832156961
  • Verlag DuMont Buchverlag
  • ÜbersetzerUrsula Gräfe
  • Einbandartgebunden
  • Seiten234
  • Veröffentlicht16.10.2003
  • GenreRoman
  • Gewicht405g
  • SpracheDeutsch
  • OriginaltitelThe Sputnik Sweetheart

Leseprobe aus Sputnik Sweetheart

Im Frühling ihres zweiundzwanzigsten Lebensjahres verliebte sich Sumire zum allerersten Mal. Heftig und ungezügelt wie ein Wirbelsturm über eine weite Ebene rast, fegte diese Liebe über sie hinweg. Ein Sturm, der alles niedermäht, vom Boden lüpft und hoch in die Lüfte schleudert, wahllos in Stücke reißt, wütet, bis kein Ding mehr auf dem anderen ist. Ohne in seiner Kraft auch nur für einen Augenblick nachzulassen, braust er über die Meere, legt Angkor Wat erbarmungslos in Schutt und Asche, setzt einen indischen Dschungel mitsamt seinen bedauernswerten Tigern in Brand und begräbt als persischer Wüstenwind eine orientalische Festungsstadt im Sand. Kurzum, es ging um eine Leidenschaft von monumentalen Ausmaßen. Sumires Liebe war siebzehn Jahre älter als sie und verheiratet. Überdies, so sollte man hinzufügen, handelte es sich um eine Frau. Der Ort, an dem die Geschichte beginnt, ist zugleich der Ort, an dem (fast) alles zu Ende ging.
Damals kämpfte Sumire verbissen darum, Romanschriftstellerin zu werden. Von all den Möglichkeiten, die das Leben eventuell für sie bereithielt, kam für sie einzig und allein die Laufbahn einer Schriftstellerin in Betracht. Ihr Entschluss stand felsenfest. Kompromisse ausgeschlossen. Zwischen Sumire und ihrer unerschütterlichen Hingabe an die Literatur hätte nicht einmal ein Haar Platz gefunden.
Nachdem Sumire ein staatliches Gymnasium in Kanagawa absolviert hatte, schrieb sie sich im Fachbereich Geisteswissenschaften einer hübschen kleinen Privatuniversität in Tokyo ein. Leider war die Uni überhaupt nicht nach ihrem Geschmack. Sie empfand den Unterricht als phantasielos und lau und war zutiefst enttäuscht. Die Mehrheit ihrer Kommilitonen war für sie hoffnungslos langweilig und mittelmäßig (was leider auch auf mich zutrifft), und sie verließ die Uni abrupt noch vor Ende des Grundstudiums, denn jeder weitere Tag erschien ihr wie reine Zeitverschwendung. Ich hielt ihre Entscheidung für richtig, gestatte mir jedoch den etwas banalen Einwand, dass in unserem unvollkommenen Dasein auch Überflüssiges seine Berechtigung hat. Würde man aus einem ohnehin unvollkommenen Leben auch noch alles Überflüssige streichen, bliebe wohl nicht mehr viel davon übrig.
Mit anderen Worten, Sumire war eine hoffnungslose Romantikerin, eigensinnig und zynisch, und, gelinde gesagt, ziemlich weltfremd. Wenn sie einmal angefangen hatte zu reden, war sie nicht mehr zu bremsen, aber wenn ihr jemand nicht in den Kram passte (was auf den größten Teil der Menschheit zutraf), bekam sie den Mund nicht auf. Sie rauchte zu viel und verlor auch bei kürzesten Bahnfahrten unweigerlich ihre Fahrkarte. Da sie vor lauter Nachdenken zuweilen das Essen vergaß, war sie mager wie die Kriegswaisen in alten italienischen Spielfilmen und bestand fast nur aus unstet umherumwandernden Augen. Da sie es hasste, fotografiert zu werden, und nicht den geringsten Wunsch verspürte, der Nachwelt ein Porträt der Künstlerin als junge Frau zu hinterlassen, besitze ich nicht eine einzige Fotografie von ihr. Was schade ist, denn ein Foto von Sumire aus jener Zeit wäre zweifellos ein außergewöhnliches Zeugnis menschlicher Individualität.
Doch ich will der Reihe nach erzählen. Sumires große Liebe hieß Miu. Alle nannten sie so, sodass ich ihren richtigen Namen nicht kenne (woraus mir später einige Schwierigkeiten erwuchsen, aber ich will nicht vorgreifen). Eigentlich war Miu Koreanerin, das heißt, sie hatte die koreanische Staatsbürgerschaft, sprach aber kaum ein Wort Koreanisch, bis sie mit Mitte zwanzig anfing, es zu lernen. Sie war in Japan geboren und aufgewachsen, und da sie an einem Konservatorium in Frankreich studiert hatte, sprach sie neben Japanisch auch fließend Französisch und Englisch. Sie kleidete sich stets makellos und elegant, trug dezente, aber teure Accessoires und fuhr einen zwölfzylindrigen marineblauen Jaguar.
Als Sumire und Miu sich zum ersten Mal begegneten, sprachen sie über Jack Kerouac, für den Sumire gerade schwärmte. Sie wech

Kurzbeschreibung zu Sputnik Sweetheart

Cooler Realismus und Fantastik verbinden sich in der Geschichte von Sumire und Miu. Die eine ist eine junge weltfremde und romantische Möchtegernautorin, die andere eine siebzehn Jahre ältere erfolgreiche Geschäfsfrau. Unempfänglich ist Miu für das Begehren der jungen Frau, von der sie "süßer Sputnik" genannt wird. Auf einer Reise durch Frankreich und Italien bis auf eine kleine griechische Insel verschwindet Sumire plötzlich - alle Spuren ihres Schicksals verlieren sich. Ein junger Lehrer, der die betörende Sumire liebt, findet Aufzeichnungen bizarrer Vorfälle und Geschichten in Geschichten, die auch ein Geheimnis von Miu in der Schweiz aufdecken. Mit Haruki Murakamis neuem Roman "Sputnik Sweetheart" geraten wir an die Ränder der Wirklichkeit, aber auch wenn die Menschen auf getrennten Umlaufbahnen einsam wie ein Sputnik ihre Bahnen ziehen, gibt es noch eine andere Seite des Lebens: "Wir brauchen nur zu träumen."

Autorenportrait zu Sputnik Sweetheart

Haruki Murakami, 1949 in Kyoto geboren, lebte über längere Zeit in den USA und in Europa und ist der gefeierte und mit den höchsten japanischen Literaturpreisen ausgezeichnete Autor zahlreicher Romane und Erzählungen. Er hat die Werke von Raymond Chandler, John Irving, Truman Capote und Raymond Carver ins Japanische übersetzt. Zuletzt erschienen von ihm bei DuMont die Romane Mister Aufziehvogel (1998), Gefährliche Geliebte (2000), Naokos Lächeln (2001), Tanz mit dem Schafsmann (2002) und sein Buch über den Tokyoter Giftgasanschlag Untergrundkrieg (2002).

Portrait

Ursula Gräfe:
Ursula Gräfe, geboren 1956, hat in Frankfurt a. M. Japanologie und Anglistik studiert. Aus dem Japanischen übersetzte sie u. a. den Nobelpreisträger Kenzaburo Oe, Kiharu Nakamura, Hikaru Okuizumi und Haruki Murakami.
Haruki Murakami:
Haruki Murakami, geboren 1949 in Kyoto, die Eltern sind Lehrer für japanische Literatur. Studium der Theaterwissenschaften und des Drehbuchschreibens in Tokyo, aufkeimendes Interesse an amerikanischer Literatur und Musik. 1974 Gründung des Jazzclubs "Peter Cat", den er bis 1982 betreibt. 1978 erste erfolgreiche Buchveröffentlichung. In den 80er Jahren dauerhaft in Europa ansässig (u. a. in Frankreich, Italien und Griechenland), geht er 1991 in die USA, ehe er 1995 nach Japan zurückkehrt. 2006 erhielt Haruki Murakami den Franz-Kafka-Literaturpreis.

Autorenportrait

Haruki Murakami, 1949 in Kyoto geboren, lebte über längere Zeit in den USA und in Europa und ist der gefeierte und mit den höchsten japanischen Literaturpreisen ausgezeichnete Autor zahlreicher Romane und Erzählungen. Er hat die Werke von Raymond Chandler, John Irving, Truman Capote und Raymond Carver ins Japanische übersetzt. Zuletzt erschienen von ihm bei DuMont die Romane Mister Aufziehvogel (1998), Gefährliche Geliebte (2000), Naokos Lächeln (2001), Tanz mit dem Schafsmann (2002) und sein Buch über den Tokyoter Giftgasanschlag Untergrundkrieg (2002).

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40

05.02.2010

„Einsamkeit, Leere und die Suche nach der eigenen Identität”

von sabatayn76 aus Deutschland
Inhalt:
Die 22-jährige Sumire lebt in ihrer eigenen Welt: Sie will Schriftstellerin werden und pflegt ein chaotisches Dasein ohne jede Struktur, ohne Verpflichtung, ohne Bindung. Das weltfremde und romantisch verklärte Leben wird durch die Bekanntschaft mit der 17 Jahre älteren Geschäftsfrau Miu plötzlich beendet. Miu bietet Sumire einen Job an und Sumire entwickelt zum ersten Mal in ihrem Leben tiefe Gefühle und verliebt sich in Miu.
Der Ich-Erzähler ist seinerseits in Sumire verliebt. Eines Tages erhält er einen Anruf von Miu - Sumire ist spurlos verschwunden und Miu bitten ihn um Hilfe.

Mein Eindruck:
Murakamis Charaktere sind gut beschrieben und von gewohnter Tiefe und Glaubwürdigkeit. Sie befinden sich auf der Suche nach ihrer Identität und leben in einem Paralleluniversum - einem Leben in Einsamkeit, in emotionaler Leere und in Melancholie. Sie scheitern am Leben und in interpersonellen Beziehungen und haben ihren eigenen Weg noch nicht gefunden. Dies alles macht sie authentisch und lebensnah, obwohl Murakami immer wieder mit Realität und Fiktion spielt. Beinahe beiläufig vermischt er alltägliche Schilderungen mit fantastischen und surrealen Elementen und erzeugt so ein typisches Bild des Magischen Realismus.

Mein Resümee:
‚Sputnik Sweetheart’ ist zwar nicht mein Lieblings-Murakami, doch dennoch eine Lektüre, die mich mit ihren glaubwürdigen Protagonisten, den stimmig beschriebenen Emotionen und den verborgenen Geheimnissen mitreißen und begeistern konnte.

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