"Du bist, was du liebst, nicht wer dich liebt."
"Von der Zumutung des Glücks, geliebt zu werden"" - als ich diesen Satz auf dem Buchrücken las, wusste ich, ich würde dieses Buch kaufen.
Inwiefern kann es einerseits eine Zumutung sein, geliebt zu werden?
Ist es andererseits wirklich Glück, geliebt zu werden oder ist es nicht ein viel größeres Glück, zu lieben?
Peter Stamm vermittelt Antworten auf diese Fragen durch das Lebensmodell seines Protagonisten, Alex. Dieser verbringt sein Leben nicht zwischen zwei Frauen, sondern viel mehr mit zwei Frauen.
Die eine von ihnen, Sonja, ist begabt, belastbar, begehrenswert, aber letztlich immer distanziert, vielleicht sogar gegenüber sich selbst und ihren wahren Bedürfnissen.
Die andere der beiden, Iwona, ist ungebildet, ohne Urteilskraft und Interesse. Dies macht Alex in seinem Verhältnis zu ihr allerdings auch frei von jedem Gefühl, sich beweisen und sie zufriedenstellen zu müssen.
Iwona hatte sich in dem einen Moment entschieden, Alex zu lieben und dabei blieb es. Ihr Glück hing nicht von Alex und seinem Verhalten ihr gegenüber ab. In dem Moment, als sie begann zu lieben, hatte sie gewonnen, denn wer liebt, der hat gewonnen, ganz gleichgültig, ob sich seine Liebe erfüllt. Liebe verleiht Gelassenheit, weil sie von Bestand ist, und diese Sicherheit glücklich macht.
Das Innenleben der Akteure wird hauptsächlich durch ihre Handlungen beschrieben, wodurch sie relativ unbestimmt bleiben und Peter Stamm es unterlässt, den moralischen Zeigefinger zu erheben.
Weder das stupide Gefühl der Schuldlosigkeit, das Alex sich angesichts seines Lebensmodells bewahrt, möchte man ihm zum Vorwurf machen, noch möchte man Iwona als einer bedürftigen Frau, der ihr Kind genommen wurde, Mitleid entgegenbringen, vielmehr ertappt man sich dabei, sie als Glücklichste der Drei - weil wohl einzig Liebende - einzustufen.
Peter Stamm macht keine großen Worte: er erzählt klar, strukturiert, kühl, distanziert und gestaltet hierdurch eine elegante und bildmächtige Erzählung
- klare Konturen, reduzierte Sprache
Die zurückhaltende Art der Personenzeichnung bietet eine persönliche Projektionsfläche und macht dadurch die Lektüre zu einer sehr intimen und nachhaltigen."
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