Frischer Wind
ER:
Untersuchungen beweisen es: Wir alle müssen, und das im Schnitt 15-mal täglich.
Manch einer ist gut zu kontrollieren, doch nicht jeder.
Die Chance, dass er nicht riecht, ist eins zu zehn.
Wir nennen ihn Furz. Die Deutschen sagen dazu Pup, oder, wie Schreiber, Pups.
Ein Furz besteht aus sechs Teilen Stickstoff und zwei Teilen Wasserstoff, der Rest
sind Sauerstoff, Kohlendioxid und Methangas.
Schweizer meinen: »Laute Fürze stinken nicht, leise dafür fürchterlich«, während
die Deutschen behaupten: »Den leisen, die da schleichen, muss man weichen.«
Doch dieser Volksglaube hält wissenschaftlichen Untersuchungen nicht stand.
Sollte es also krachen, kann es dennoch mächtig riechen.
Zu Beginn einer leidenschaftlichen Beziehung lässt man natürlich keinen krachen.
Erst mit wachsender Liebe und tieferem Vertrauen lösen sich Anspannung und
Verkrampfung. Das ist auf die Dauer auch viel gesünder – und deshalb: Einmal ist
das erste Mal, wenn man vor der Liebsten furzt.
Es ist peinlich. Aber auch schön. Der Kerl bricht kurz und knatternd in ein
romantisches Gespräch bei einem Glas Rotwein ein, weht und riecht eine Weile
um unsere Köpfe. Schreiber ist sprachlos, und dann, endlich, lächelt sie.
Ich freue mich.
Sie findet demnach auch, dass ein wenig frischer Wind unserer Beziehung gut tut.
SIE:
Männer sind hemmungslos. Sie rülpsen, gehen mit Käsefüßen durch die Wohnung,
kratzen sich ungeniert. Das mag für ihr Wohlbefinden gut sein. Für eine Beziehung
ist es das nicht. Schneider sieht das anders.
»Von deiner Selbstbeherrschung kriegst du bloß Bauchweh. Würdest du dich
lockern, wärs dir wohler. Glaub mir.«
Nach dem Essen gehen wir ins Kino. Ich lasse mich in den Plüschsessel plumpsen
– es knarzt. Schneider blickt amüsiert: »Endlich ist er draußen!« Er sagts so laut,
dass selbst die Kassiererin im Foyer seinen Kommentar hören kann.
»Sag mal, spinnst du?«, schnaube ich. »Das war doch nicht ich, sondern der
Sessel!« Die Reihe hinter uns ist auf einmal ganz still. Warum wohl? Schneider
lacht und gibt mir einen Kuss. »Ist doch egal, Hauptsache dein Bauch zwickt
nicht mehr.«
So ein Quatsch! Ich stehe zum Beweis auf, sage: »Hör mal!« – und lasse mich mit
Karacho in den Stuhl fallen.
Nichts! Kein Ton.
Wie peinlich. Schneider grinst: »Soso, der Stuhl!«
Dann geht das Licht aus, der Film beginnt, hoffentlich in voller Lautstärke. Denn
ich müsste mal dringend einen fahren lassen …