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10.01.2012
„Weiß wie Schnee, Rot wie Blut, Schwarz wie Ebenholz”
von Bücherzeit
"Spieglein, Spieglein an der Wand - wer ist die Schönste im ganzen Land?" Da die böse Königin die Antwort ihres Zauberspiegels nicht ertragen kann, schmiedet sie einen mörderischen Plan: Schneewittchen - ihre Konkurrentin - muss sterben! Um dieses Vorhaben umzusetzen, kämpft die böse Königin mit allen Mitteln ...
Auf dieses bekannte und beliebte Märchen spielt Nele Neuhaus mit ihrem Kriminalroman "Schneewittchen muss sterben" an: 1997 verschwinden in Altenhain, einem kleinen Dorf im Taunus, die beiden 17-Jährigen Laura Wagner und Stefanie "Schneewittchen" Schneeberger spurlos. Ihre Leichen werden nie gefunden, dennoch wird ihr Ex-Freund Tobias Sartorius in einem Indizenprozess zur Höchststrafe von 10 Jahren Jugendhaft verurteilt. 2008 wird Tobias Sartorius aus der Haft entlassen und kehrt nach Altenhain zurück. Schockiert muss er feststellen, dass sich alles verändert hat und er grausamen Anfeindungen ausgesetzt ist. Die Lage spitzt sich zu, als Laura Wagners Leiche zufällig gefunden wird, auf seine Mutter ein Mordanschlag verübt wird, er durch seine bloße Anwesenheit zu viele Menschen provoziert und sich die 17-Jährige Amelie Fröhlich zu sehr für die Ereignisse von damals interessiert - und plötzlich spurlos verschwindet. Die Ereignisse von 1997 scheinen sich in explosiver Weise zu wiederholen, das gesamte Dorf ist in Aufruhr: Ist Tobias Sartorius zurecht als Mörder verurteilt worden? Jeder im Dorf scheint in ein Netz von Lügen, Intrigen und Abhängigkeiten verwickelt zu sein - kein leichter Fall für das Ermittlerteam um Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein, in beruflicher wie auch in privater Hinsicht.
Nele Neuhaus konstruiert mit ihrem Roman einen spannenden, mitreißenden, sehr durchdachten Krimi, den der Leser kaum aus der Hand legen kann. Die Anspielungen auf das Märchen gefallen mir sehr gut, zumal dieser Krimi nicht alle Handlungsstränge des berühmten Namensgebers aufgreift, sondern gekonnt mit möglichen parallelen Entwicklungen spielt. Nele Neuhaus integriert sehr viele Personen, zeitgleiche Handlungen und mögliche Motive in die Handlung, sodass sich ihr Roman insbesondere an anspruchsvolle, aufmerksame und psychologisch interessierte Krimileser richtet. Die Spannung bleibt immer auf konstant hohem Niveau mit exzellenten Pointen erhalten, wobei die sich gegen Ende überschlagenden Handlungen fast schon zu sehr überstürzen. Ein kleines Manko für den Neuhaus-Erstleser ist die Einführung des Ermittlerteams: Es wird zu Beginn zu viel Vorwissen zu den Ermittlern vorausgesetzt, was nur durch kontinuierliches Lesen ihrer Romane gewährleistet ist. Dieses Manko wird aber im Laufe des Romans ausgeglichen, sodass dem Leser diese Hauptfiguren doch noch sehr vertraut werden.
Insgesamt ein raffinierter, exzellenter Kriminalroman mit einer idealen Mischung aus Anspruch, Spannung und Tiefgang, der mich überzeugt und auf die Autorin Nele Neuhaus aufmerksam gemacht hat.
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