Wie kommt ein braves Mädchen wie ich auf die Idee, ein Buch über Porno zu schreiben? Ich bin gebildet, weltoffen, und mir liegen sowohl meine Karriere als auch die Menschen, die ich liebe, sehr am Herzen. Und wenn ich eins nicht bin, dann ist es sexbesessen. Vermutlich war ich deshalb so unwillig, mich näher mit allem zu beschäftigen, das mit Pornographie zu tun hat. Ist das Interesse an Porno »schmutzig« oder billig, und kann es sein, dass dies auf mich abfärbt, fragte ich mich. Im Gegensatz dazu scheinen gebildete, erfolgreiche Männer jedenfalls keine großen Hemmungen zu haben, sich am Kiosk den Playboy zu kaufen oder in der Videothek um die Ecke einen Hardcore-Porno auszuleihen.
Ich muss zugeben, dass meine ersten Exkursionen in das Reich der Pornographie angestachelt wurden von der Bemerkung meines Freundes, ich würde unter Pornophobie leiden. Wie üblich verstand ich diese Kritik als eine persönliche Herausforderung. Da ich ohnehin dazu neige, über alles und jedes Listen anzufertigen, notierte ich mir auch in diesem Fall sämtliche Fragen und Themen, die mich interessierten, und machte mich daran, Näheres darüber in Erfahrung zu bringen. Dabei wurde ich bestärkt und unterstützt von meinen Freundinnen (größtenteils ebenfalls brave Mädchen), die mich zu meiner Erkundungsmission ins Reich der Pornographie ermutigten und mich als eine Art Spionin betrachteten, die für sie Informationen sammelt und zur Erweiterung ihres sexuellen Horizonts, beiträgt. Anfangs betrachtete ich meine Reise in erster Linie als einen Versuch, Männer zu verstehen und wie es kommt, dass sie von Pornographie so fasziniert sind. Ich höre schon die ersten Einwände: »Aber nicht mein Mann«, doch weit gefehlt, »auch Ihr Mann«. Meine Recherchen und Interviews mit Dutzenden von Männern legen die Vermutung nahe, dass jede Frau, die sich in dem Glauben wiegt, ihr Partner würde sich nicht mit der einen oder anderen Art von Porno auf Touren bringen lassen, sich nur etwas vormacht.
Am Ende lernte ich eine ganze Menge über Männer und ihre Einstellung zu Porno und Sex, aber was mich am meisten erstaunte, war, was ich dabei über mich selbst lernte und wie sich meine Einstellung zum Sex zum Positiven wandelte. Für sechs Monate verwandelte ich mich in ein braves Mädchen auf Abwegen. Ich tat solche Dinge wie ein Blowjob-Seminar besuchen, Pornos anschauen, Vibratoren testen, erotische Literatur lesen, ein Bordell besuchen und vieles, vieles mehr. Und ich hatte auf dem Weg ein paar Erweckungserlebnisse.
Zum einen wurde mir beispielsweise klar, dass es einem nicht guttut, von den Orgasmen der Vergangenheit zu zehren, und dass die Lektüre von »Kliteratur« eine wesentlich bessere Methode ist, mit dem Scheitern einer Beziehung umzugehen, als Eiscreme in sich hineinzustopfen oder Schuhe zu kaufen. Sex ist nun mal ein grundlegender Bestandteil im Leben eines jeden, egal, ob Sie ein Single in den Zwanzigern sind und Ihre Sexualität erst erkunden oder Sie als verheiratete Frau und Mutter versuchen, Sex in Ihren Tagesablauf zu integrieren, oder ob Sie eine Frau in den Wechseljahren sind.
Als Frau hat man allerdings wahrscheinlich größere Hemmungen oder weniger Zeit als ein Mann, um sich mit solchen Sachen zu befassen, wie einen Lapdance auszuprobieren, Sexshops aufzusuchen, alle möglichen Hilfsmittel zur Steigerung des Lustempfindens auszutesten oder Dutzende von Pornovideos auszuleihen, um herauszufinden, welche davon einen positiven Effekt auf die eigene Sexualität haben. Aus genau diesem Grund habe ich mich all diesen Mühen unterzogen und mich mehr als einmal zum Idioten gemacht - damit Ihnen dies erspart bleibt!
Insofern bietet Pornology der Leserin eine Vielzahl von nützlichen Verwendungsmöglichkeiten: Sie können es als eine Art Gourmetführer durch die Pornobranche betrachten und Produkte oder Adressen aufstöbern, die sich positiv auf Ihr Sexleben auswirken, ohne sich selbst auf mühsame und riskante Exkursionen auf diesem Terrain begeben zu müssen. Oder Sie können - wenn Sie zu den zahlreichen Frauen gehören, die frustriert darüber sind, wie schwer es ist, auf Partnersuche zu gehen in einer Gesellschaft, in der Männer Penthouse der Poesie vorziehen - dieses Buch benutzen, um zu erfahren, wieso und weshalb Männer so fasziniert von Pornographie sind. Sie können es aber auch als das lesen, was es ursprünglich hatte werden sollen: ein brüllend komischer Bericht über Die wundersame Entdeckungsreise eines braven Mädchens ins Reich des Unanständigen. Eine Entdeckungsreise, die immer wieder verkompliziert wurde durch Trennungen von einer Reihe doch nicht so bedeutender Lebensabschnittspartner, durch meine Ängste, dass die soziale Evolution geprägt ist vom Überleben der Hübschesten, und die lustigen Zusammenkünfte mit den versauten Stricklieseln »The Naughty Knitters« (eine Gruppe von Freundinnen, die sich regelmäßig treffen, um zu stricken und zu lästern) und meinen besten Freund, einem wahren Musterbeispiel von einem Metrosexuellen, sowie durch meine niemals endende Suche nach dem richtigen Mann fürs Leben, die auf bemitleidenswerte Art und Weise zur Suche nach dem richtigen Mann für den Augenblick mutiert.
Wenn Sie nach dem Lesen dieser Einführung noch immer Hemmungen haben, tiefer ins Gebiet der Pornologie einzudringen, weil Sie sich fragen: »Werde ich, nachdem ich dieses Buch gelesen habe, immer noch ein anständiges Mädchen sein?«, dann kann ich Sie beruhigen. Die Antwort ist Ja. Ein gut informiertes anständiges Mädchen ist immer noch ein anständiges Mädchen.
Zehn Indizien dafür, dass Sie ein anständiges Mädchen sind, wenn es um Männer, Sex und Pornographie geht
1. Sie haben in Betracht gezogen, das Wort »Orgasmus« im Lexikon nachzuschlagen.
2. Sie haben ein schlechtes Gewissen, weil Sie ihn vortäuschen.
3. Sie sind versucht, eine Dezimalstelle hinzuzufügen, wenn es darum geht, wie viele Sexualpartner Sie schon hatten.
4. Sie lesen lieber Schöner Wohnen als Penthouse.
5. Sie tragen Stringslips nur, weil sie sich nicht abzeichnen, und nicht, weil sie sexy aussehen.
6. Sie dachten immer, Dildos wären nur etwas für Frauen, die keinen Freund haben.
7. Es ist Ihnen peinlich, wenn Sie im Drogeriemarkt Kondome oder Gleitcreme kaufen.
8. Sie halten »dirty talk« während des Sex für, na ja, schmutzig.
9. Wenn's ernst wird, brauchen Sie, um Ihre Hemmungen einem Typen gegenüber loszuwerden, erst mal drei Gläser Jack Daniel's.
10. Wiederholen Sie die folgenden drei Worte: heißer, harter, Schwanz. Wenn Sie diese nicht laut ausgesprochen haben, sind Sie definitiv ein anständiges Mädchen.
Generation XXX
Gereizter-Freund-Syndrom (GFS): chronischer Zustand, der gekennzeichnet ist durch häufige Schübe von Gereiztheit, mangelndem Interesse an der Verbesserung persönlicher Beziehungen sowie Verdauungsstörungen
Okay, sieht so aus, als hätten wir Sex. Nicht, dass es groß angekündigt worden wäre, aber das Licht ist aus, Greg schnarcht nicht, und er ist auf mich raufgeklettert.