"Vorwort
Sie gehen eine Straße hinunter. Da ist ein tiefes Loch, Sie sehen es nicht und fallen hinein. Vor Schreck sind Sie zunächst wie gelähmt, fühlen sich verloren und hilflos. Sie haben das Gefühl, dass es Ihre Schuld ist, dass Sie nun in diesem Loch gefangen sind. Hätten Sie nur besser aufgepasst! Es dauert eine Ewigkeit und kostet Sie viel Kraft, ehe Sie wieder herausfinden.
Einige Zeit später gehen Sie erneut diese Straße entlang. Das Loch ist immer noch da, Sie wissen das, aber Sie tun so, als gäbe es das Loch nicht. Wieder fallen Sie hinein. Sie sind fassungslos, können nicht glauben, dass Ihnen dasselbe Unglück schon wieder passiert ist. Sie hadern mit der Straße, aber vor allem hadern Sie mit sich selbst. Wieder brauchen Sie lange, bis Sie sich aus dem Loch herausgekämpft haben.
Nach ein paar Wochen führt Sie Ihr Weg erneut durch diese Straße. Noch immer ist das Loch nicht aufgefüllt worden. Sie sehen das Hindernis durchaus - und fallen dennoch wieder hinein. Sie grämen sich und machen sich Vorwürfe. Sie halten es für eine dumme Angewohnheit, dass Sie diesem Loch nicht ausweichen können. Ihre Verzweiflung ist groß, und Sie fragen sich, ob Sie jemals eine Chance haben, diese Straße ohne Gefahr entlanggehen zu können.
Den amerikanischen Autoren Sidney und Suzanne Simon verdanke ich die Vorstellung, dass bestimmte Erfahrungen, die wir im Leben machen müssen, zu "Schlaglöchern" auf unserem Weg werden können. Schlaglöcher, die wir manchmal gar nicht sehen und denen wir, wenn doch, nicht ausweichen können. Sicher kennen auch Sie diese Situationen: Immer wieder fallen Sie in dasselbe Loch, immer wieder müssen Sie bestimmte Erfahrungen machen, die alles andere als angenehm sind. Und Sie können bestimmte Verhaltensweisen nicht ändern, obwohl diese Ihnen nur schaden. Wenn Sie solche Erfahrungen kennen, dann gibt es auf Ihrer Lebensstraße wahrscheinlich auch gefährliche Löcher - wie beispielsweise folgende:
Sie verlieben sich immer in die 'Falschen' und müssen immer wieder aufs Neue Zurückweisung und Enttäuschungen erleben.
Sie rutschen, wenn Sie erschöpft und ausgelaugt sind, in eine depressive Stimmung, die oft tage- oder wochenlang nicht weichen will.
Beim kleinsten Misserfolg zweifeln Sie grundsätzlich an Ihren Fähigkeiten.
Sie haben Schwierigkeiten, sich zu entscheiden. Selbst bei kleinen Dingen fällt es Ihnen schwer herauszufinden, was Sie wirklich wollen.
Sie essen mehr als Ihnen guttut - vor allem dann, wenn Sie sich einsam fühlen.
Sie entspannen sich mit zu viel Alkohol, wenn Sie Ärger hatten.
Sie haben manchmal aus heiterem Himmel Angst und wissen nicht wovor.
Sie zweifeln an Ihrer Beliebtheit und ziehen sich deshalb von anderen Menschen zurück. Sie reihen Erfolg an Erfolg und wundern sich, dass Sie sich über keine Ihrer Leistungen freuen können.
Sie sehnen sich nach Nähe und intensiven Kontakten, doch sobald Ihnen ein Mensch näherkommt, ziehen Sie sich zurück.
In schöner Regelmäßigkeit tauchen diese Situationen und Stimmungen, diese 'Löcher' in Ihrem Leben, auf. Und in schöner Regelmäßigkeit tun Sie das, was Sie immer tun: Sie fallen hinein. Das heißt, Sie ziehen sich zurück, Sie betäuben sich, Sie bekämpfen Ihre Ängste und Ihre Niedergeschlagenheit, indem Sie sich ablenken: mit Arbeit, mit Essen, mit Alkohol oder anderen Drogen. Sie hadern mit sich, den Menschen, mit denen Sie es zu tun haben oder mit Ihrem Leben. Denn was immer Sie versuchen, es gelingt Ihnen nicht, dem jeweiligen 'Loch' auszuweichen. Ihnen ergeht es immer wieder wie in der beschriebenen Straßenszene: Entweder sehen Sie das Loch nicht, oder Sie tun so, als wäre es nicht da.
Doch das Loch existiert. Es ist vor langer Zeit gegraben worden, als Sie klein waren. Damals konnten Sie noch nicht erkennen, dass es ein Hindernis gibt, vor dem Sie sich hüten sollten. Sie konnten die Gefahr nicht sehen, und Sie hatten auch gar keine Möglichke