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Immer für andere da?. Goldmanns Taschenbücher, Band 17093

So lernen Sie, freundlich nein zu sagen

buch
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AutorHeidi Werder, Elisabeth Schlumpf

Untertitel So lernen Sie, freundlich nein zu sagen

Abbildungsvermerk 18,5 cm

  • bol.ch-Verkaufsrang3.368
  • ISBN-103-442-17093-1
  • ISBN-139783442170937
  • Verlag Goldmann Taschenbuch
  • ReiheGoldmanns Taschenbücher
  • EinbandartTaschenbuch
  • Seiten190
  • Veröffentlicht14.04.2009
  • Gewicht185g
  • SpracheDeutsch

Leseprobe aus Immer für andere da?. Goldmanns Taschenbücher,...

Seltsamer Spazierritt


Ein Mann reitet auf seinem Esel nach Haus und läßt seinen Buben zu Fuß nebenher laufen. Kommt ein Wanderer und sagt: »Das ist nicht recht, Vater, dass Ihr reitet, und lasst Euren Sohn laufen; Ihr habt stärkere Glieder.« Da stieg der Vater vom Esel herab und ließ den Sohn reiten. Kommt wieder ein Wandersmann und sagt: »Das ist nicht recht, Bursche, dass du reitest, und lässest deinen Vater zu Fuß gehen. Du hast jüngere Beine.« Da saßen beide auf und ritten eine Strecke. Kommt ein dritter Wandersmann und sagt: »Was ist das für ein Unverstand: Zwei Kerle auf einem schwachen Tiere; sollte man nicht einen Stock nehmen und euch beide hinabjagen?« Da stiegen beide ab und gingen selbdritt zu Fuß, rechts der Vater und links der Sohn und in der Mitte der Esel. Kommt ein vierter Wandersmann und sagt: »Ihr seid drei kuriose Gesellen. Ist 's nicht genug, wenn zwei zu Fuß gehen? Geht's nicht leichter, wenn einer von euch reitet?« Da band der Vater dem Esel die vorderen Beine zusammen, und der Sohn band ihm die hinteren Beine zusammen, sie zogen einen starken Baumpfahl durch, der an der Straße stand, und trugen den Esel auf der Achsel heim.
So weit kann 's kommen, wenn man es allen Leuten will recht machen.
(Johann Peter Hebel, aus »Das große Märchenbuch«, Diogenes Verlag.)


Einleitung


Vater und Sohn in der Geschichte von Johann Peter Hebel versuchen, es allen recht zu machen. Sie haben kein sicheres Gefühl für das, was ihnen und ihrem Esel angemessen ist. Um niemandes Widerspruch zu erregen, tun sie etwas, was keinem dient: Sie belasten sich selbst, und der arme Esel kann sich dabei nur unbehaglich fühlen.
Unser Buch handelt von Menschen, die gewohnheitsmäßig für andere Lasten übernehmen und sich ständig um andere sorgen. Wir nennen sie Sorgenspinnen- und Lasteselmenschen. Diese Ausdrücke haben wir gewählt, um bildlich zu beschreiben, worum es geht.
»Spinne am Morgen, Kummer und Sorgen«, heißt ein Sprichwort. Menschen mit Sorgenspinnen-Natur wickeln sich und andere gleichsam in ein Netz aus Sorgen und Befürchtungen ein. Lasteselmenschen dagegen bürden sich Pflichten und Aufgaben auf, ohne die eigene Tragfähigkeit zu berücksichtigen. Beiden ist ein Grundgefühl gemeinsam, das wir als Überverantwortlichkeit bezeichnen.
Überverantwortlichkeit ist keine Krankheit. Sie ist eine Lebenshaltung, scheinbar untrennbar mit uns verbunden. Wir haben sie uns angeeignet; sie ist uns zur zweiten Haut geworden. Sie wurde uns übergezogen, und wir sind in sie hineingeschlüpft. Unsere Überverantwortlichkeit zwingt uns, Sorgen und Lasten anderer Menschen blindlings zu übernehmen. Für eigene Bedürfnisse bleibt da kein Raum, ja wir übersehen sie, oft ohne dies zu bemerken.


Überverantwortlichkeit hat einen hohen Preis.
Mit dieser »selbstlosen« Haltung ernten wir Anerkennung und Dankbarkeit. Aber wir bezahlen einen Preis: Die zweite Haut engt uns allmählich bis zum Ersticken ein und behindert unser Wachstum. Indem wir uns ausschließlich auf die Bedürfnisse anderer ausrichten, verlieren wir den Bezug zu unserem Wesenskern; wir haben keine »innere Stimme« mehr.
Wenn es uns gelingt, sie mitten im Lärm der Wünsche und Anforderungen von außen wieder zu vernehmen, haben wir die Möglichkeit, Innen und Außen in einen Dialog treten zu lassen. Wir können dann wieder unterscheiden zwischen den an uns herangetragenen Bedürfnissen und unseren eigenen, das heißt, wir verwechseln uns selbst nicht länger mit unserer zweiten Haut. Von daher erhalten wir neuen Spielraum, aus dem eingefahrenen Geleise unserer Gewohnheit auszusteigen. Wir gewinnen mehr Freiheit, neue Wege zu beschreiten und etwas liebevoller mit uns und anderen Menschen umzugehen. Dass diese Umstellung nicht leichtfällt, wissen wir. Sie muss immer wieder neu geübt werden. Wir hoffen aber, dass unser Buch Ihnen dazu verhilft, für andere und für sich selbst da zu sein.


Das Erscheinungsbild der Überverantwortlichkeit
Woran erkennen wir die Sorgenspinne und den Lastesel?
Sorgenspinnen- und Lasteselhaltungen begegnen uns auf Schritt und Tritt. Sie drücken sich auf vielfältige Weise in verschiedenen Schattierungen und Abstufungen aus. Sie betreffen Frauen und Männer. Bei manchen Menschen ist die Spinnen- oder Lasteselhaltung sehr ausgeprägt. Sie sind darin gefangen wie in einem Käfig. Ihre ganze Lebenshaltung wird davon bestimmt. Andere neigen in bestimmten Lebensphasen oder besonderen Lebensumständen dazu. Manchmal ist es nicht leicht, zwischen großem Verantwortungsbewusstsein und Uberverantwortlichkeit zu unterscheiden.
Wesentlich ist, dass überverantwortliche Menschen ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse weniger wahrnehmen als die anderer Menschen. Sie sind im Extremfall »immer bei den andern«.
Vom Erscheinungsbild her lassen sich überverantwortliche Menschen drei Gruppen zuordnen. Jede umfasst bestimmte Aspekte; Überschneidungen lassen sich nicht ganz vermeiden. Wir bringen für jede Gruppe einige charakteristische Beispiele und geben anschließend eine verallgemeinernde Zusammenfassung. Die geschilderten Situationen haben wir selbst erlebt oder von andern erfahren, lediglich die Namen und Lebensumstände wurden verändert.


Verantwortungsbewusst oder überverantwortlich?
Im zweiten Teil dieses Kapitels befassen wir uns mit den Schattenseiten überverantwortlicher Menschen. In diesen Beispielen kommt zum Ausdruck, wie ihre Umgebung sie erlebt: als Angehörige oder Menschen, die in irgendeiner Weise von ihnen abhängig sind.


Anpassung über alles und übertriebene Rücksichtnahme
Die folgenden Begebenheiten zeigen, wie sich überverantwortliche Menschen dieser ersten Gruppe in bestimmten Situationen verhalten.


Das kleinste Zimmer ist gut genug für mich
Doris lebt nach ihrer Scheidung zusammen mit ihren drei Kindern. Nun hat sie einen neuen Partner kennen gelernt. Zusammen beziehen sie eine neue Wohnung. Doris wählt für sich den kleinsten Raum und überlässt ihrem Partner ein geräumiges Zimmer. Erst hinterher bemerkt sie, dass sie keinen Raum hat, wohin sie sich zurückziehen kann. In ihrem Zimmer kann sie weder nähen noch basteln. Sie findet auch keinen Platz für die Gegenstände, die ihr lieb sind.
Ihr Partner hingegen braucht seinen Raum nur zum Schlafen und für seine Kleider, da er im unteren Stock noch ein geräumiges Büro hat.
Doris liegt viel daran, dass ihr Partner sich in der neuen Lebenssituation wohl fühlt. An sich selbst denkt sie zunächst nicht. Erst nach einer Weile wird ihr bewusst, wie sehr sie sich zugunsten ihres Freundes eingeschränkt hat. Sie ärgert sich über sich selbst. Es vergeht aber noch einige Zeit, bis sie den Mut findet, ihr Unbehagen auszudrücken. Es kostet sie große Überwindung, eigene Wünsche anzumelden.


Ich schlängle mich durchs Leben
Der 34-jährige Alexander steckt in einer Lebenskrise und sucht therapeutische Hilfe. Während einer der ersten Sitzungen wird er aufgefordert, Tierfiguren auszuwählen, die typisch für ihn und für seine Herkunftsfamilie sind. Für sich selbst nimmt Alexander eine kleine gelbe Schlange.

Rezensionen der Redaktion zu Immer für andere da?. Goldmanns Taschenbücher,...

"'Seine Frau sorgt für alles.' 'Ohne Mama läuft hier nichts.' Solche Sätze beschreiben gefährliche Beziehungen, die auf Abhängigkeit gebaut sind. Elisabeth Schlumpf und Heidi Werder warnen in ihrem Buch vor Überverantwortlichkeit und zeigen Wege, wie man sich von ihr befreien kann ... und nennen Beispiele aus ihrer Praxis, wie man alte Rituale unterbrechen und neue gestalten lernen kann." Psychologie Heute Januar 2001

Kurzbeschreibung zu Immer für andere da?. Goldmanns Taschenbücher,...

Und wo bleibe ich? Wir alle kennen sie - oder gehören vielleicht gar selbst dazu: Menschen, die es allen recht machen wollen. Sie lesen ihrem Gegenüber jeden Wunsch von den Augen ab, bevor dieser ihn überhaupt äußern konnte, sind entgegenkommend, liebenswürdig und selbst äußerst anspruchslos. Um keinen Widerspruch zu erregen, tun sie, was keinem dient: Sie belasten sich selbst oder sorgen sich um alle und alles - sie handeln überverantwortlich. Die Autorinnen kennen das Phänomen Überverantwortlichkeit aus ihrer langjährigen therapeutischen Praxis nur zu gut. Insbesondere Frauen neigen dazu, immer für andere da zu sein. Ihr Anliegen ist es, diese Lebenshaltung, die für die meisten zur selbstverständlichen Gewohnheit geworden ist, zu hinterfragen und Wege aufzuzeigen, die eingefahrenen Gleise zu verlassen.

Autorenportrait zu Immer für andere da?. Goldmanns Taschenbücher,...

Elisabeth Schlumpf, geb. 1932, ist Psychotherapeutin in eigener Praxis und Co-Leiterin des »Zentrums für Form und Wandlung« in Zürich. Ausgedehnte Lehr-, Vortrags- und Supervisionstätigkeit. Die Autorin erfolgreicher Bücher lebt in Zürich.
Dr. Heidi We

Portrait

Elisabeth Schlumpf:
Elisabeth Schlumpf ist Psychotherapeutin mit eigener Praxis in Zürich. Zusammen mit Irene Kummer leitet sie das "Zentrum für Form und Wandlung" und bietet dort Ausbildungen und Kurse an.

Autorenportrait

Elisabeth Schlumpf, geb. 1932, ist Psychotherapeutin in eigener Praxis und Co-Leiterin des »Zentrums für Form und Wandlung« in Zürich. Ausgedehnte Lehr-, Vortrags- und Supervisionstätigkeit. Die Autorin erfolgreicher Bücher lebt in Zürich.
Dr. Heidi We

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