Interview mit Anne Weiss und Stefan Bonner
„Wir sind alle geübte Nichts-Könner mit gepflegtem Anspruchsdenken“ Frau Weiss, Herr Bonner – wie doof sind Sie? Anne Weiss: Das klingt gerade so, als wäre Dummheit etwas Schlechtes. Jeder hat mal Ausfälle. Auf einer Skala von eins, für leicht dusselig, bis zehn, für vollkommen durchgeknallt, gebe ich mir selbst gelegentlich die volle Punktzahl, wenn ich mich mal wieder in die Nesseln gesetzt habe. Wie viele in unserem Alter merke ich dann, dass in der Schule an unserer Allgemeinbildung kräftig gespart wurde. Stefan kann auch ein Lied davon singen...
Stefan Bonner: Kann ich tatsächlich. Als ich sechzehn war, sollte der Familienurlaub nach Florida gehen. Im Atlas habe ich Miami zunächst in der Nähe von Nowosibirsk gesucht. Wir gehören beide einer Generation an, die in Sachen Wissen und Bildung hinter ihren Vorfahren zurückstecken muss.
Wer ist denn eigentlich die Generation Doof? Stefan Bonner: Die Generation derjenigen, die zwischen fünfzehn und Ende dreißig sind. Es sind eigentlich alle, die einem im täglichen Leben, also in der Schule, im Büro oder in den Medien durch ihr dummes Verhalten auffallen. Promis zählen genauso dazu wie normale Leute, und ob Hauptschulbildung oder Hochschulabschluss, das macht oft keinen Unterschied.
Sie beide sind Anfang dreißig und zählen sich daher ebenfalls zur Generation Doof? Anne Weiss: Genau. Das, worüber wir schreiben, kennen wir aus eigener Erfahrung. Viele von uns ecken ständig mit ihrem Halbwissen an, wollen einfach nicht erwachsen werden, übernehmen keine Verantwortung und möchten ein Leben im Wohlstand genießen, ohne sich dafür anzustrengen. Wäre doch schön, oder? Also: Herr Bonner und ich sind keine Ausnahmen. Wir sind alle ein bisschen Generation Doof.
Warum dieses Buch gerade jetzt? Anne Weiss: Die Zeit ist reif für „Generation Doof“. Wenn man heute durch unser Land geht, hat man den Eindruck, dass sich viele Menschen vom Mitdenken und lebenslangen Lernen verabschieden, vor allem die jüngeren.
Worin stellt sich die Generation Doof denn besonders blöd an? Anne Weiss: Nehmen Sie das Beispiel Erziehung. Eine Sendung wie Die Supernanny zeigt es deutlich: Viele junge deutsche Eltern wollen an die Hand genommen werden, wenn es darum geht, ihre Kinder zu erziehen. Aus Hilflosigkeit und Überforderung parken etliche den Nachwuchs vor dem Fernseher oder überlassen ihn sich selbst.
Stefan Bonner: Fernsehen, gutes Stichwort. Das ist eine Suchtquelle für unsere Generation. Freizeit und Entspannung werden für uns immer wichtiger; Anstrengung wollen wir um jeden Preis vermeiden. Viele von uns verbringen täglich zwei bis drei Stunden vor dem Fernseher oder der Spielkonsole. Und warum? Weil wir unterhalten werden wollen. Ernste Themen oder Hintergründe interessieren viele von uns nicht mehr. Man leistet sich nicht keine eigene Meinung, sondern übernimmt lieber gleich die der Nachrichtenmoderator. Das ist doof.
Mal angenommen, es sind wirklich alle doof ... Anne Weiss: Das sagen wir ja nicht. Aber ein Trend ist erkennbar. Und es gibt auch faszinierende Gegenbeispiele von Unternehmergeist, Witz und Verstand. Aber machen Sie selbst mal den Test: Jeder, den man auf das Thema anspricht, hat gleich ein paar Beispiele von Situation parat, in denen ihm die Dummheit unserer Generation aufgefallen ist.
Wenn es tatsächlich so viele Doofe gibt, sind diese dann nicht ein erstes Problem? Etwa für die Wirtschaft: Wenn Ihre These stimmt, dann bleiben wohl bald etliche Jobs unbesetzt. Stefan Bonner: Das ist doch heute bereits der Fall. Fragen Sie mal bei Handwerkern nach, wie viele Lehrlinge sie ablehnen müssen, weil es ihnen an der Ausbildungsreife mangelt. Zahlreichen großen Firmen geht es ähnlich.
Anne Weiss: Und denken Sie an die Generation Praktikum – warum brauchen Menschen in unserem Alter denn so lange, um im Beruf Fuß zu fassen? Praktika sind wichtig, ohne Zweifel. Aber man kann es auch übertreiben: Viele sind vom Berufsleben noch vor dem Start überfordert und drehen Endlosschleifen als billige Kaffeekocher in den Büros. Auch eine Form von Blödheit.
Ist das nicht ein wenig zu einfach gedacht? Stefan Bonner: Nein, ist es nicht. Wir haben das alles selbst durchgemacht. Wir haben beide nach dem Studium eine Menge Praktika absolviert, bis wir einen festen Job bekamen. Natürlich hat uns das gewurmt. Dennoch gab es einen guten Grund dafür: Wir hatten einfach keine Ahnung von dem Beruf, den wir ausüben wollten und mussten vor allem das praktische Wissen von der Pike auf lernen. Die Uni hat uns nicht auf den Beruf vorbereitet, und wir waren zu wenig praktisch begabt, um sofort einzusteigen.
Anne Weiss: Viele Studiengänge gehen völlig an der Arbeitsrealität vorbei. Erschwerend kommt hinzu, dass vielen Angehörigen unserer Generation jegliche Eigeninitiative abgeht. Sie glauben, die Welt hätte nur auf sie gewartet. In ihrer Vorstellung folgt auf die Uni eine steile Karriere, eine Yacht, ein Eigenheim. Und es gibt durchaus welche, die mit diesen Forderungen durchkommen und dabei beruflich ein Projekt nach dem anderen in den Sand setzen. Wir sind geübte Nichts-Könner mit gepflegtem Anspruchsdenken.
Was ist Ihnen zuletzt Doofes passiert? Anne Weiss: Ich habe davon geträumt, bei Dieter Bohlen vorzusingen. Dabei kann ich gar nicht singen. Die Ernüchterung folgte auf dem Fuß. Dieter sagte: „Du singst wie ein kaputter Gartenschlauch.“ Und ich bin schon in der Vorrunde rausgeflogen.
Stefan Bonner: Ich habe den Weihnachtsurlaub in der Sonne verbracht, zehn Tage lang nur am Pool gelegen und Cocktails geschlürft. Gut, auf der Insel gab’s eh nichts zu sehen – aber schön blöd ist das trotzdem, oder?
Was ist denn Ihrer Meinung nach eine Lösung für das Bildungs-Debakel und die lustlose, spaßbesessene Generation Doof? Anne Weiss & Stefan Bonner: Na, um das zu erfahren, müssen Sie schon das Buch lesen!