Dorothy saß am Schreibtisch ihres Vaters. Henry hatte ihn ihr überlassen - mit einem von ihm festgesetzten Wert -und ihrem Anteil am Nachlass ihres Vaters hinzugeschlagen. Das war typisch Henry. Mindestens zweitausend Pfund wert, hatte er gesagt. Ü nein, so viel war er nicht wert. Und jetzt hatte er ihr einen aufgeblasenen Brief über den Verkauf des Cottage geschrieben. Sie schaute hinüber zum Spiegel über dem Kaminsims und lächelte, um für Elsie zu üben, die bald hier sein würde. Richtig war dieses Lächeln nie - freundlich, sogar einladend, aber wie viel Liebe lag darin? Der Spiegel hing zu hoch für Elsie, sie konnte sich nicht sehen. Das Lächeln verwandelte sich in eine Maske der Bitterkeit. Die Frisur, die sie sich heute Vormittag hatte machen lassen, war ein lächerlich wackeliger, silbriger Helm. Eine der Frauen beim Bridge-Vormittag - Gladys, nicht? - hatte ihr einmal gesagt, sie habe einen strengen Gesichtsausdruck. Es wäre ihr lieber, wenn sie nach all den Jahren ein anderes, dauerhafteres Lächeln für Elsie hätte. / Sie würde ihr wieder einen Scheck geben, als kleine Unterstützung für ihre Ausflüge in öffentliche Gärten. Sie wäre gern sicher, dass sie nicht nur deshalb kam. Vielleicht tat sie es aus Pflichtgefühl. Sie konnte nicht einmal vermuten, wie viel Liebe dabei war, denn ihrem Gesicht konnte man es nicht ansehen. Und auf ihrem eigenen, was war da zu sehen? Angst. Scham. Sie hatte immer versucht, zu Elsie zu stehen, als sie noch ein kleines Mädchen war. Wie oft hatte sie ihr gesagt, dass Aussehen nichts bedeute, wichtig sei nur, wie die Menschen darunter sind. Elsie hatte aufgehört zu weinen, als sie ungefähr acht war, sie hatte sich inzwischen an sich gewöhnt. / Sie war nicht mehr so besorgt wie früher. Elsie hatte ihre Putzarbeit und ihre Gartenbesuche und ihre gemütliche kleine Wohnung. Sie hatte die Stoffe ausgesucht und die Vorhänge für sie genäht, wie Mütter es tun sollten. Natürlich gab es auch einen Fernseher. Sie hatte ihr Fahrstunden bezahlt, und jetzt war sie eigentlich bereit für die Prüfung. Den schriftlichen Teil hatte sie schon bestanden, aber den praktischen schob sie immer wieder hinaus. Vielleicht war sie nervös wegen der Wirkung ihres Anblicks auf andere Leute und der Gefahr eines Unfalls. Es wäre anders, wenn kein Fahrlehrer neben ihr säße. Mehr gab es in ihrem Leben nicht. Keine Liebe, keine Aufregung. Es gab nichts, weswegen man sich Sorgen machen müsste. Jetzt würde Elsie nichts mehr passieren, da sie, Tag für Tag, nur sie selber sein musste. / Sie konnte die Frage nicht vergessen, die Gladys ihr beim Kartengeben gestellt hatte, nachdem es ihr nicht gelungen war, für Mavis mit dem seligen Arthur in Verbindung zu treten. Arthur war der langweiligste Mann gewesen, den sie je gekannt hatte. Gladys erreichte ihn dreimal, und jedes Mal wollte er Mavis nur sagen, sie solle nicht vergessen, die Geranien zu gießen. Genau so ein Langweiler war Arthur gewesen. Mavis musste zum x-ten Mal erzählen, dass Arthur der Vergessliche gewesen war und sie in ihrem ganzen Leben noch kein einziges Mal vergessen hatte, eine Blume zu gießen. / Sie ging in die Küche, um ein Teetablett herzurichten. Sie wollte, dass Elsie sich hier immer zu Hause fühlte. Die Frage, die Gladys gestellt hatte, lautete, ob sie Elsie während der Schwangerschaft hätte töten lassen, wenn sie gewusst hätte, was aus ihr werden würde. Das war nicht fair. Es war schwer, Gladys gegenüber fair zu sein. Im Grunde galt das für alle Frauen in diesem Kreis. Was Gladys tatsächlich gesagt hatte, äußerst beiläufig beim Kartengeben, war: "Man muss sich doch fragen, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn gewisse Leute nie geboren worden wären." Zugegeben, sie hatten davor über die Jugendbanden gesprochen, die eine benachbarte Wohnsiedlung terrorisierten.