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Du sollst nicht lügen!

Von einem, der auszog, ehrlich zu sein

buch
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Artikeldetails zu Du sollst nicht lügen!

AutorJürgen Schmieder

Untertitel Von einem, der auszog, ehrlich zu sein

Abbildungsvermerk 2010. 20,5 cm

  • ISBN-103-570-10044-8
  • ISBN-139783570100448
  • Verlag Bertelsmann Verlag
  • Einbandartgebunden
  • Seiten334
  • Veröffentlicht08.03.2010
  • Gewicht403g
  • SpracheDeutsch

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Leseprobe aus Du sollst nicht lügen!

Soll ich sie eine beschissene Schlampe nennen? Oder eine verdammte Schnepfe? Oder reicht blöde Kuh? Ich weiß es nicht.
Es ist mein erstes Mal - und ich will beim ersten Mal keinen Fehler machen. Niemand will beim ersten Mal einen Fehler machen, obwohl jedes erste Mal im Nachhinein betrachtet eines der unwichtigsten Ereignisse im Leben eines Menschen ist, aber das weiß man ja vorher nicht, weshalb ein erstes Mal mindestens so geplant sein muss wie der Start einer Rakete oder das Weihnachtsessen bei meinen Eltern.
Sie müssen überlegt sein, diese Worte, die ich gleich aussprechen werde, sie müssen ins Schwarze treffen, einen Fehlschuss darf ich mir nicht erlauben - und diese drei erwähnten Beleidigungen kommen mir als Erstes in den Sinn. Meine Kinderstube taugt zwar nicht als Vorbild für ein Kinderbenimmbuch, verbietet mir aber dennoch den übermäßigen Gebrauch von Schimpfwörtern und Beleidigungen. Meine Eltern haben mir in den wenigen Momenten, in denen ich ihnen erlaubt habe, mich tatsächlich zu erziehen, beigebracht, von den etwa 300 Schimpfwörtern, die mir täglich durch den Kopf gehen, höchstens 15 auszusprechen, und davon höchstens fünf für andere Menschen hörbar.
Meine Erziehung ist mir jetzt allerdings egal, denn es geht um höhere Ziele.

Es ist Aschermittwoch. In der Empfangshalle des Münchner Bahnhofs riecht es nach verschüttetem Alkohol, halb und rückwärts verdauten Cheeseburgern. Der Boden ist klebrig, jeder Schritt hört sich an, als würde man einen Klettverschluss öffnen. Ich muss daran denken, wann der Boden wohl das letzte Mal gewischt wurde und wie viele Keime bei jedem Schritt am Schuh kleben bleiben und so in meine Wohnung gelangen und dort eine lustige Kommune starten, weil ich zu faul bin, die Zimmer zu putzen. Überall liegen Luftschlangen und Bierflaschen und Cheeseburger-Papier. Hin und wieder rülpst einer. Ich frage mich immer, warum Menschen in Großstädten einfach alles auf den Boden werfen. Sie schnippen Zigaretten auf die Straße, sie lassen benutzte Papiertüten einfach fallen, und aus ihren CO2-reduzierten Autos werfen sie so ziemlich alles, was durch das halb geöffnete Fenster passt - was ziemlich viel sein kann, wenn man gut genug knüllen kann. Vielleicht glauben die Menschen in Metropolen, dass es schon irgendjemand wegräumen wird, wenn schon so viele Leute da sind. Da, wo ich herkomme, in einem kleinen Städtchen zwei Stunden nördlich von München, liegt jedenfalls nicht so viel Müll auf der Straße. Vielleicht haben die Menschen dort nicht so viele Sachen zum Auf-die-Straße-Werfen, oder es gibt einen anderen Grund dafür.
Ich bin an diesem Morgen in der U-Bahn neun verkleideten Personen begegnet, von denen mindestens sieben stolz auf einen Fahr- und Gehuntüchtigkeit bewirkenden Promillegehalt sein konnten. Drei hielten sich aneinander fest und veranstalteten ein menschliches Extrem-Jenga. Bei jedem Halt stieß es einen der drei auf, als würde man einem Säugling auf den Rücken klopfen. Die anderen beiden fanden das lustig und applaudierten. Zwei der Betrunkenen knutschten wild miteinander. Ich habe grundsätzlich nichts gegen betrunkene Menschen, die sich einander festhalten und miteinander knutschen, aber an diesem Morgen muss ich meinem Gehirn doch 30 Sekunden Zeit geben, um wieder mit den Augen auf einer Wellenlänge zu sein. Ich meine, auf so etwas ist der verheiratete Endzwanziger nicht vorbereitet an einem Aschermittwoch.
Nun stehe ich in der Schlange vor dem Ticketschalter, für dessen Dienste die Deutsche Bahn tatsächlich einmal 2,50 Euro Schalter-Service-Gebühr verlangen wollte, um die Kunden dazu zu zwingen, beim Fahrkartenkauf lieber mit einer Maschine als mit einem anderen Menschen zu kommunizieren - und dann sämtliche Schalterangestellte entlassen zu können, weil so ein Automat natürlich weniger kostet als ein Mensch. Meiner Meinung nach diente diese Aktion eher dazu, Kulturpessimisten und jenen, die behaupten, dass früher sogar die Zukunft besser war, weitere Argumente für ihre Haltung zu liefern. Erst als die Bürger heftig protestierten und Angela Merkel höchstselbst beim damaligen Bahnchef Hartmut Mehdorn anrief, nahm die Bahn den unsinnigsten Aufpreis seit dem Topzuschlag für ein Spiel gegen Schalke 04 zurück.
Ich stehe in der Schlange, weil zwei Automaten defekt sind und an den anderen noch mehr Menschen anstehen als an den Schaltern - außerdem tippen die noch verwirrt auf dem Touchscreen herum, weil die Bahn zur Umsatzsteigerung durch die geplante Schalter-Service-Gebühr die Automaten bedienerunfreundlich programmiert hat. Und natürlich tue ich das auch deshalb, um die erwähnten Pessimisten, die jeden Computer und das Internet als Vorstufe zur Hölle betrachten, in ihrer Auffassung zu bestätigen.
Ich bin im Hauptbahnhof, weil mich mein Arbeitgeber nach Stuttgart schickt und bei Reisen auf öffentliche Verkehrsmittel setzt, was weniger mit Umweltschutz zu tun hat als vielmehr mit den Einsparmöglichkeiten durch das Bahn-Dauer-Spezial. Die Angestellten bekommen keine Bahncard, weil eine Bahncard ja zum Reisen animiert - und eigentlich soll ja nur im Notfall gereist werden. Also bin ich gezwungen, bereits um diese Uhrzeit am Bahnhof zu stehen, auch wenn ich nicht vor 18 Uhr in Stuttgart sein müsste. Ich möchte das Dauer-Spezial für 19 oder 29 Euro. Ohne Bahncard.
Es ist sechs Uhr morgens, was meine physischen und psychischen Fähigkeiten deutlich einschränkt, weil ich zum Leistungssternzeichen Hamster gehöre und meine besten und hellsten Momente nachts habe. Ich stehe am Anfang der Schlange und verlange das Dauer-Spezial nach Stuttgart. »Warten Sie einen Moment«, sagt die Frau am Schalter. Ich warte einen Moment. Sie hämmert auf die Tastatur ein, wie sonst nur das Bodenpersonal der Lufthansa auf Tastaturen einhämmert. Ich denke kurz daran, wie rasch eine Umschulung von Bahn auf Bodenpersonal möglich wäre, da antwortet sie: »Dauer-Spezial ist ausgebucht.« Ich kann nicht behaupten, dass ich sauer wäre. Vielmehr bin ich ernüchtert - als würde einem jemand erzählen, dass es auf der Geburtstagsparty regnen würde.
»Was kann ich sonst machen?« - »Warten Sie einen Moment.« Ich warte einen Moment. Sie hämmert auf die Tastatur ein. Ich bewundere kurz ihre Turmfrisur, bei der die Haare dreimal um den Kopf geschlungen und schließlich mit einer goldenen, tellergroßen Schmetterlingsspange festgezurrt sind. Ich bewundere die Frisur, weil ich mir zum einen kaum erklären kann, wie man einem Friseur beschreibt, was man gerne haben möchte.

Rezensionen der Redaktion zu Du sollst nicht lügen!

Alex Dengler, Deutschlands führender Buchkritiker, denglers-buchkritik.de, 16.08.10
Jürgen Schmieder hatte eines Tages die Idee, ein Buch zu schreiben. Er schrieb so vor sich hin und wusste lange nicht, welchen Sinn sein Buch überhaupt macht, dann ist ihm doch ein Titel eingefallen: Du sollst nicht lügen! ? Von einem der auszog, ehrlich zu sein. Ah, jetzt weiß ich, von was ich mein Buch handeln lassen kann, dacht er. Dann schreib ich mal ein bisschen davon, wie ich im Alltag nicht gelogen habe. Mehr als ein bisschen füllen die 335 Seiten des Buches davon dann auch nicht aus. Somit ist der Titel des Buches bereits die erste Lüge und macht das Buch hinfällig. Was es soundso ist, da Herr Schmieder so viel belanglosen Stuss seines Lebens zusammengefasst hat, der weder witzig, interessant, nachdenklich noch spannend ist. Das eigentliche Thema ist in den zweiundzwanzig Kapiteln eher ein Randprodukt, und wenn er darüber schreibt, dann wird Herr Schmieder gerne ausfallend zu seinen Mitmenschen. Ehrlich zu sein bedeutet nicht auf die tiefste Ebene der Beleidigung abzusinken. Herr Schmieder badet sich aber darin. Thema verfehlt. Setzen. Sechs.

Kurzbeschreibung zu Du sollst nicht lügen!

Origineller Erfahrungsbericht über einen einzigartigen Selbstversuch, 40 Tage lang die Wahrheit zu sagen


Lügen haben kurze Beine. Wenn dieser Kindheitsspruch stimmen würde, liefen wir auf Stummelbeinen durch die Welt. Denn wir lügen, sagt die Wissenschaft, bis zu 200-mal - am Tag. Aus Höflichkeit, aus Diplomatie oder weil es einfacher ist. Jürgen Schmieder sagt in einem Selbstversuch vierzig Tage lang nichts als die Wahrheit. Das Ergebnis: blaue Flecken, Nächte auf der Couch, diverse Beleidigungen, ein verlorener Freund. Manchmal fühlt er sich befreit und mutig, manchmal deprimiert und verunsichert. Privat (»Findest du meinen Hintern fett?«) und beruflich (»Mach doch deinen Scheiß alleine!«) gerät er in ungemütliche, aber auch witzig-erhellende Situationen.


Ein amüsant-nachdenkliches Buch über das - kein bisschen eindeutige - Verhältnis von Wahrheit und Lüge.






Portrait

Jürgen Schmieder:
Jürgen Schmieder, Jahrgang 1979, ist Redakteur für sueddeutsche.de sowie Reporter und Autor für die Süddeutsche Zeitung. Er schreibt regelmäßig über Sport.

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50

17.08.2011

„faszinierend”

von Blacky (blacky-book@live.de) Top-10 Rezensent Top 10 Rezensent
Kurzbeschreibung:

Ehrlich währt am längsten - von wegen! Laut Wissenschaft lügt ein Mensch täglich bis zu 200-mal. Mit Ausnahme von Jürgen Schmieder. Im Selbstversuch hat er seinen Mitmenschen vierzig Tage lang konsequent die Wahrheit gesagt. Mit durchschlagendem Erfolg: blaue Flecken, Nächte auf der Couch, diverse Beleidigungen, ein verlorener Freund. Manchmal fühlt er sich befreit und mutig, manchmal deprimiert und verunsichert. Privat ("Findest du meinen Hintern fett?") und beruflich ("Mach doch deinen Scheiß alleine!") gerät er in ungemütliche, aber auch witzige und überaus erhellende Situationen.

Ich habe Jürgen Schmieder in einer Talkshow gesehen (ist schon etwas länger her), wo er über dieses Projekt gesprochen hat und fand es sehr interressant.Nun habe ich endlich das Buch erworben und gelesen. Es ist faszinierend.
Es ist in 22 Kapitel unterteilt und manchmal brauchte ich nach einem Kapitel eine Pause, um darüber nachzudenken.
Allein die Frage was ist eine Lüge lässt sich nur subjektiv beantworten. Das Buch regt auf jeden Fall dazu an, darüber nachzudenken wie oft man nicht ehrlich ist. (Angefangen mit dem Gruß "Guten Morgne" gegenüber einem Menschen, dem man ehlricherweise eher einen "schrecklichen Morgen" wünschen möchte) Es ist stellenweise sehr witzig geschrieben, lässt sich super lesen und ich persönlich, werde sicherlich noch manchmal das eine oder andere nachschlagen.

War diese Bewertung hilfreich? Ja, Nein

30

23.03.2011

„Erfrischend komisch”

von einer Kundin oder einem Kunden
Jürgen Schmieder wagt den Selbstversuch und wird 40 Tage versuchen, nicht zu lügen. Dabei stellt er zunächst fest, dass es verschiedene Arten der Lüge gibt. Dies erfährt er schmerzhaft und gerät dabei auch in den ein oder anderen Gewissenskonflikt. Streit mit der Familie, seiner Clique und auch mit dem Finanzamt ist dabei vorprogrammiert.

Dennoch hält er 40 Tage durch und zieht für sich selbst den Schluss, dass manche Lügen moralisch durchaus vertretbar sind. Die Wahrheit zu sagen, kann allerdings auch etwas sehr schönes sein.

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30

17.03.2011

„40 Tage lügenfrei”

von einer Kundin oder einem Kunden
Du sollst nicht lügen, eh klar, oder? Doch was zählt eigentlich alles als Lüge? Wie schwer ist es, wie der Autor 40 Tage immer nur die Wahrheit zu sagen? Ein gewagtes Experiment! Ich habe das Buch in einem Zug durchlesen müssen.

War diese Bewertung hilfreich? Ja, Nein

50

13.07.2010

„Wieviel Wahrheit verträgt die Welt?”

von Dr. Exitus Top-100 Rezensent Top 100 Rezensent
Ein wirklich geniales,witziges und unterhaltsames Buch mit nachdenklichem Unterton.Der Autor schildert seine Erlebnisse beim Selbstversuch 40 Tage lang nicht zu lügen. Er begibt sich auf die Spuren von Brad Blanton, dem Begründer der "Radical Honesty" Bewegung, welche radikale Ehrlichkeit in jeder Situation propagiert.Dabei merkt er schnell wie schmal der Grad zwischen Wahrheit sagen und den anderen beleidigen ist.Und ab wann beginnt eigentlich eine Lüge?
Die Kapitel sind sehr humorvoll geschrieben und die herangezogenen Vergleiche und Beschreibungen des Autors treiben einem die Tränen vor lachen in die Augen.Dennoch runden auch tiefsinnige Gedanken und Einsichten die einzelnen Kapitel ab und regen zum Nachdenken an.FAZIT:Ein sehr humorvolles, witziges Buch über ein verrücktes Selbstexperiment mit nachdenklichem Unterton.

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50

30.04.2010

„UNGELOGEN!”

von einer Kundin oder einem Kunden
Ein Mensch lügt im Durchschnitt 200 Mal am Tag, in kleineren und größeren Varianten. In unserer Gesellschaft, die das Lügen nicht nur toleriert, sondern in den meisten Fällen auch noch belohnt, erhebt der Journalist Jürgen Schmieder in 40 Tagen die Ehrlichkeit zu einer Kunst.
Er möchte ( hochgerechnet ) insgesamt 8000 Mal die Lüge Lüge sein lassen und seinen Mitmenschen ( ob nun Familie, Freunde, Bekannte oder Fremde ) eine Ehrlichkeit zuteil werden lassen, die sonst unter schnöden, nicht ernst gemeinten Komplimenten untergeht.

Wie man konsequent ehrlich gegenüber seiner eigenen Frau, bei der Steuererklärung oder sogar beim Pokern mit den besten Freunden sein kann und daraus auch noch einen Nutzen zieht, verrät Ihnen dieses Buch.

Es brachte mich sehr oft zum Nachdenken und noch viel öfter zum Lachen.
Lesen Sie dieses Buch, Sie werden nicht enttäuscht sein.
UNGELOGEN!

1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

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50

15.03.2010

„Wieviel Ehrlichkeit kann man vertragen?”

von einer Kundin oder einem Kunden
Das wollte der Autor des Buches herausfinden und nimmt sich während der Fastenzeit vor: "Ich bin ehrlich, 40 Tage lang."
Ich bin auf Seite 93 und jetzt schon total begeistert! Ich habe gelacht, die erlittenen (körperlichen) Schmerzen des Autors bemitleidet und wurde auch schon zum Nachdenken angeregt. Ich kann nur jedem empfehlen, dieses Buch zu lesen, es fördert auf jeden Fall die Selbstreflexion und ist tolle Unterhaltung!

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