Wissenschaft und Lebenssinn
Wenn wir unsere Leser mitnehmen auf eine Reise in die Welt der Gesundheitslehren, die sich uns in den letzten Jahrzehnten als wichtig und zielführend erwiesen haben, werden wir dabei einige Dinge streifen, die nicht wissenschaftlich bewiesen sind, sich aber in der Praxis bewährt haben. Dass sie von den Universitäten nicht bestätigt werden, ist bei Kenntnis der Lage nicht erstaunlich, sondern selbstverständlich. Würden die Universitäten wirklich anfangen, sich mit den Bereichen jenseits ihres jetzigen Horizonts zu beschäftigen, würden sie sich ihres wichtigsten Arguments bei der Sicherung des Status quo berauben. In vielen Fällen ist nämlich die Tatsache, dass etwas wissenschaftlich nicht belegt ist, das einzige schlagende Argument der etablierten Medizin gegen immer stärker werdende Konkurrenzmethoden.
Das aber wird so lang so bleiben, wie eine Mehrheit der Bevölkerung eine dermassen irreführende Argumentation akzeptiert und bereit ist, sie auch noch zu finanzieren. Dass die ehemals gegen die beharrenden Kräfte der Kirche fortschrittliche Wissenschaft Medizin inzwischen selbst zum gefährlichen Hemmschuh des Fortschritts in Gesundheitsangelegenheiten geworden ist, hat sie ausreichend bewiesen und belegt sie leider ständig weiter. Die grössten medizinischen Fortschritte der letzten Jahrhunderte, etwa William Harveys Entdeckung des Blutkreislaufs, hat die Medizin jahrzehntelang mit haarsträubenden Argumenten bekämpft. Kaum eine der bahnbrechenden Leistungen der Medizin konnte in einer der führenden Fachzeitschriften veröffentlicht werden. Die meisten wurden zunächst einmal vom schulmedizinischen Establishment abgelehnt.
Es ist beim derzeitigen Stand also naiv, darauf zu warten, dass die Wissenschaft sich darum bemüht, etwa die Wirkung der Homöopathie, der Bach-Blütentherapie oder anderer Informationstherapien zu belegen. Denn nur durch die entsprechende Verweigerung kann sie in aller Ruhe weiter behaupten, dass etwas nicht wirken könne, weil es ja nicht wissenschaftlich sei. Leider ist die naturwissenschaftliche Medizin an unseren Universitäten auch so weitgehend in Abhängigkeit von ihren Geldgebern und hier vor allem von der Pharmaindustrie geraten, dass sie fast nur noch erforscht, was etwas bringen könnte. So kommt es, dass kaum Pflanzen aus dem enormen Schatz der archaischen Medizin auf ihre Wirksamkeit untersucht werden, wohingegen ständig versucht wird, neue synthetische Stoffe auf den Markt zu bringen. Der Grund ist, dass man Naturstoffe nicht patentieren lassen kann, und so sind sie geschäftlich lang nicht so viel versprechend wie neue Erfindungen. Für die Gesundheit der Menschen wären sie dagegen sehr interessant.
Wo immer solche Versuche dann doch einmal gemacht werden, bestätigen sie vielfach auch die Aussagen der archaischen Heiler. Ein Beispiel etwa ist die Silberdistel, deren Alkaloid heute als Legalon auf dem Markt ist und wissenschaftlich erprobt zwar nicht so positive Wirkungen zeigt wie das alte homöopathische Mittel Carduus marianus, das die energetische Botschaft der ganzen Pflanze enthält, aber immerhin doch so ziemlich das einzige Mittel ist, welches schulmedizinisch überhaupt bei Leberproblemen in Frage kommt. Mit ihrer analytischen (zerlegenden) Methode ist die Universitätsmedizin noch weit davon entfernt, zu begreifen, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile und jedenfalls als einige wenige Einzelteile.
Das Ganze wäre nicht so bedenklich, wenn nicht inzwischen die Wissenschaft zur grössten Glaubenskongregation in den Industrienationen aufgestiegen wäre, und die Schulmedizin sich nicht anmassen würde, für Gesundheit allein zuständig zu sein. Für unser Anliegen, das sich um Gesundheit in einem umfassenden Sinn bemüht, ist die Schulmedizin sowieso recht wenig kompetent, da sie praktisch keine wirksame Vorbeugung kennt, ja diese nicht einmal akzeptabel definieren kann.
Denn so lange die Medizin den folgenschweren Fehler begeht und Prävention, Gesundheitsvorbeugung also, mit Früherkennung von Krankheit verwechselt, bleibt sie bestenfalls kompetent, was Krankheit betrifft. Zu echter Vorbeugung kann sie nichts beitragen. So bedauerlich das ist, nimmt es der Schulmedizin doch nichts in jenen Bereichen, wo sie Grossartiges leistet, etwa im Reparaturbereich der operativen Fächer oder in der Notfallmedizin. Dem für uns so wichtigen Bereich der Vorsorge beziehungsweise Vorbeugung werden wir uns noch gesondert zu widmen haben.
Die Mehrheit der Menschen, vor allem der westlichen Zivilisationsmenschen, hat keine wissenschaftliche Ausbildung, glaubt aber trotzdem an die Wissenschaft. So etwas nennt man ein Glaubenssystem, das lediglich andere Glaubensinhalte lehrt als die herkömmlichen Religionen. Nur für die wenigen wirklich forschenden Wissenschaftler selbst gilt diese Aussage nicht, wobei auch sie noch die Ergebnisse in allen anderen Bereichen der Wissenschaft glauben müssen, da sie ausserstande sind, alle Experimente nachzuprüfen. Im Krankenhaus kann man diesen »wissenschaftlichen« Wunderglauben bereits seit langem am Werk sehen: Immer weniger Menschen erwarten ein Heilungswunder von Gott, dafür immer mehr von ihrem erwählten »Halbgott in Weiss«. Viele wollen in Verkennung der konkreten Situationen in Kliniken vom Professor selbst operiert werden, weil er die Spitze der wissenschaftlichen Hierarchie verkörpert und deshalb am meisten hergibt für den Glauben an ein Heilungswunder. Wer Krankenhäuser von innen kennt, müsste eigentlich in vielen Fällen die Operation durch einen engagierten Oberarzt vorziehen. Dass so viele Menschen in die Gemeinde der Wissenschaftsgläubigen gewechselt sind, hat sicherlich zum einen damit zu tun, dass die meisten keine Ahnung von der wissenschaftlichen Wirklichkeit haben, und zum zweiten damit, dass die anderen Glaubensrichtungen rapide an Vertrauen verlieren. Der Verfall der grossen Kirchen wird ja immer unübersehbarer, und dass im Bereich der Naturwissenschaft nicht alles Gold ist, was da zum Glänzen gebracht wird, zeigen nicht nur die therapeutischen Erfahrungen, sondern auch herbe Ergebnisse der Überprüfung wissenschaftlicher Forschung. Nach einer diesbezüglichen intensiven Recherche verkündete ein Fernsehredakteur des deutschen Fernsehens zur besten Sendezeit, dass davon auszugehen sei, dass zehn Prozent der Forschungsergebnisse schlicht auf Betrug beruhen, um an Forschungsgelder heranzukommen.
Die Gefährlichkeit eines solide etablierten Glaubenssystems auch innerhalb der Wissenschaft wird besonders deutlich an den immer wieder auftauchenden schwer wiegenden Fehlern, die sich oft über lange Zeiten eben wegen der Stabilität solcher Glaubenssysteme erhalten. Als Semmelweis behauptete, die Ärzte selbst seien (mit ihren schmutzigen Fingern) die Quelle des Kindbettfiebers, wurde er nicht widerlegt, sondern verlacht und diskriminiert. Seine Behauptungen waren natürlich wissenschaftlich völlig unbelegt. Als Frauen nach Gebärmutterentfernungen klagten, sie hätten ähnliche Beschwerden wie in den Wechseljahren, war das wissenschaftlich gar nicht möglich, weil die Eierstöcke nicht entfernt worden waren. 20 Jahre später fand dann die Wissenschaft heraus, dass durch die Uterusentnahme nach altbewährter Technik die Durchblutung der Eierstöcke um bis zu 70 Prozent abnahm, was einer Teilkastration gleichkommt. Die Frauen hatten also Recht gehabt, nur waren ihre Behauptungen wissenschaftlich gänzlich unbelegt.
In eine ähnliche Richtung ging das zwei Jahrzehnte lang von der Gynäkologie verkündete Stillverbot aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse oder die ebenfalls zwei Jahrzehnte andauernde und inzwischen zum Glück überwundene Kampagne für die radikale Entfernung der Gebärmutter nach den Wechseljahren.
Auch aus eigener Erfahrung mussten wir feststellen, wie wir herzhaft ausgelacht und lächerlich gemacht wurden, als wir aufgrund einfacher medizinischer Überlegungen in den 70er Jahren zu dem Schluss kamen, dass es gefährlich sei, hohe Cholesterinwerte chemisch zu senken. Das war wissenschaftlich nicht belegt, und bis es endlich belegt wurde, mussten Patienten sich noch jahrelang mit erheblichem Aufwand zusammen mit den Cholesterinwerten auch ihre Lebenserwartung senken lassen, und leider geschieht es sogar heute noch - jetzt allerdings sogar gegen die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien. Solches geschieht wohl niemals böswillig, dafür aber wissenschaftlich begründet, nur leider auf der Basis eines an sich leicht zu durchschauenden Denkfehlers und fest etablierter Glaubenssysteme.
All diese Beispiele sind hier angeführt, um Mut zu machen, sich über die engen Grenzen und Denkbeschränkungen einer gut etablierten und stark verkrusteten Schulmedizin und Universitätspsychologie hinauszuwagen. Nichts und niemand kann einem eigenes kritisches Mitdenken und vor allem den Mut zu persönlichen Erfahrungen ersparen, wenn man wirklich an einem gesunden Körperhaus für eine entwicklungsfreudige Seele arbeiten will.
Vorbeugung
Dieses Wort hat heute wieder einen guten Klang, seit wir langsam begreifen, dass wir mit Reparieren im gesundheitlichen Bereich nicht mehr nachkommen, und vor allem, dass wir es uns wirtschaftlich auf die Dauer gar nicht leisten können, nur hinterherzuarbeiten. Besser als zu reparieren ist es selbstverständlich, Schäden frühzeitig zu verhindern. In der Medizin gibt es die Idee der Vorbeugung seit ältesten Zeiten, nur ist leider das tiefere Verständnis für deren Hintergrund verloren gegangen. Wir haben mit der Zeit vergessen, wie man gezielt vorbeugt, beziehungsweise die enormen Hoffnungen, die die Schulmedizin geweckt hat, haben dieses Wissen in den Hintergrund treten lassen. Bis heute hat sich allerdings noch das Bewusstsein gehalten, dass ein gesundes Leben im Einklang mit der Natur Krankheiten schon im Vorfeld verhindern kann. Warum das allerdings so ist, wissen selbst die Anhänger solchen Denkens kaum noch.
Dass uns die Basis der Vorbeugung verloren gegangen ist, hat mit dem Verlust des Urprinzipien- oder Archetypenverständnisses zu tun. Will man sich beugen, bevor einen das Schicksal zwingt und mit seinen Methoden beugt, müsste man das Wesen von Problemen, Krankheitsbildern, Unfällen und Schicksalsschlägen im Allgemeinen verstehen, um ihnen zuvorkommen zu können. Das aber ist wiederum nur möglich, wenn man die Prinzipien durchschaut, die der Wirklichkeit zugrunde liegen. Dabei handelt es sich sozusagen um Urbausteine, ähnlich den Elementen des Periodensystems, aus denen alles Materielle in dieser Schöpfung besteht. Bei den Urprinzipien sind allerdings auch seelische und geistige Aspekte mit eingeschlossen.
In Ansätzen ist jedem bewusst, dass es im menschlichen Leben eine tiefere Ebene gibt, deren Macht weit über die des oberflächlichen Bewusstseins hinausgeht. Raucher oder Übergewichtige wissen heute sehr wohl, dass sie auf dem Holzweg sind, und würden ihr Verhalten auch gern korrigieren, allein in den Tiefen ihrer Seele wirken Prinzipien, die das nicht so einfach zulassen. Vielen Rauchern ist sogar bewusst, dass sie dazu neigen, von einem Problem zum nächsten zu wechseln, denn kaum hören sie auf zu rauchen, fangen sie an, vermehrt zu essen und tauschen so ein Risiko gegen ein anderes, allerdings geringeres, ein. An diesem Punkt lässt sich schon ein Urprinzip in der Tiefe ahnen, das hier relativ unbeeinflusst vom Willen der Betroffenen sein Recht fordert. Es geht offenbar um ein orales Problem, das sich auf die eine oder andere Art Beachtung verschafft. Der Raucher kann wohl aufhören zu rauchen, aber er muss dem zugrunde liegenden Urprinzip weiterhin treu bleiben. Genau das aber geschieht über vermehrtes Essen. Auch Daumenlutschen oder Küssen könnte das entsprechende Prinzip befriedigen. Ersteres ist dem Raucher aber zu ehrlich, letzteres bedarf der guten Gelegenheit. Nur wenn die betreffenden Raucher sinnvolle alternative Einlösungen für ihr orales beziehungsweise venusisches Problem finden, können sie dem Thema wirklich vorbeugen.
Leider ist das Ganze aber noch komplizierter, denn es muss gar kein orales oder Venusproblem sein, das dem Rauchen zugrunde liegt, es könnte sich z. B. auch um ein Aggressions- beziehungsweise Marsproblem handeln. Wer über die Zigarette Dampf ablässt, braucht dann ein anderes Ventil für seine Aggressionen, ansonsten wird er im Alltag aggressiver, fängt vielleicht an zu schreien oder gar zu schlagen. Eine erlöste Variante ist hier, ein mutigeres Leben zu wagen und die heissen Eisen offen(siv) in Angriff zu nehmen.
Es wäre optimal, wenn jeder ein so grundsätzliches Urprinzipienverständnis hätte, dass er seine jeweiligen Probleme bis in die Tiefe durchschauen und ihnen so in allen möglichen Lebenssituationen vorbeugen könnte. Hier läge die Chance wirklicher Allgemeinbildung, denn allgemeiner und tiefer als Urprinzipien, können wir - wie der Name schon sagt - kaum kommen. Zumindest aber für Therapeuten, Lehrer und Trainer ist es eigentlich zwingend, das Wirken der Archetypen und Urprinzipien hinter den Problemen zu durchschauen. Denn ansonsten bleibt nur Symptomkosmetik, wie sie in beeindruckender Weise von der herrschenden Schulmedizin vorgeführt wird, die nur die Oberfläche im Auge hat. Das sieht oft auf den ersten Blick sehr bedeutsam aus, ändert aber auf lange Sicht leider wenig. Im Gegenteil, die Verschiebung der Symptome von Organ zu Organ und die der Patienten von Spezialist zu Spezialist führt genau zu jenem Vertrauensschwund, den die etablierte Medizin gerade erlebt und beklagt. Über 50 Prozent der schulmedizinischen Mittel werden nach der Lektüre der Beipackzettel gar nicht mehr geschluckt, und die Abwanderungsbewegung zu Heilpraktikern und anderen Alternativen hat ein enormes Ausmass erreicht.
Urprinzipienverständnis und damit auch Vorbeugung sind natürlich keine medizinischen Spezialthemen, sondern zielen gerade auf ein allgemeines Lebensverständnis, denn mit ihrer Hilfe lassen sich alle Ebenen des Lebens miteinander verbinden. Urprinzipien machen selbstverständlich nicht vor Ressortgrenzen halt, sonst wären sie ja keine Urprinzipien. Sie bringen im Gegenteil Körperprobleme in einen Zusammenhang zur Seele, zum familiären Hintergrund, zur sozialen Situation oder auch zur Umwelt. Tatsächlich gibt es zwischen allen Ebenen unserer Existenz Zusammenhänge, und die Einrichtung des Hauses steht in viel engerer Beziehung zu den Partner- oder Berufsproblemen, als wir zu glauben gewohnt sind.
Im chinesischen Denken spielt bis heute die Lehre des Feng Shui mit diesen Themen, aber auch in unseren Breiten wusste man früher viel mehr über solche Zusammenhänge. Die Geomantie kann uns noch einen letzten Schimmer davon vermitteln. Paracelsus war das Wissen um diese Zusammenhänge von grösster Wichtigkeit für die Medizin und weit darüber hinaus. Er ging noch selbstverständlich davon aus, dass ein Arzt aus der Umgebung des Patienten dessen Krankheitsbild erschliessen können müsse, und umgekehrt auch vom Krankheitsbild her die entsprechende Umwelt. Deshalb sprach er auch jemandem, der keine Ahnung von Urprinzipien hatte, rundheraus die Befähigung zum Arztberuf ab. Nun ist hier nicht der Raum für ein Urprinzipien-Lehrprogramm, aber es ist doch der Ort, um zu zeigen, wie weit Einzeldisziplinen, wie etwa Ernährungs- und Bewegungslehre oder Umweltmedizin, in ihrer Tiefe zusammenhängen und in einem ganzheitlichen Konzept zusammenfliessen.
Die in diesem Buch gemachten Vorschläge beruhen immer auch auf Urprinzipienverständnis und haben deshalb - entsprechende Motivation vorausgesetzt - die Chance, in der Praxis zu funktionieren. Darin unterscheiden sie sich von der Flut der guten Vorsätze, die im Gesundheitsbereich herumgeistern, und mit denen wir zum Beispiel eigentlich an jedem Jahreswechsel uns selbst und die Menschheit aus allen Problemen retten könnten. Das Problem ist nur, dass diese Vorsätze zwar gut gemeint sind, aber in der Mehrzahl gar nicht funktionieren können, einfach weil sie urprinzipiell nicht stimmen. Man kann Schlamperei eben (ur)prinzipiell nicht gegen Ordnungsliebe austauschen, dafür aber oft gegen Kreativität.