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Die Pfeiler des Glaubens

Roman

buch
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Artikeldetails zu Die Pfeiler des Glaubens

AutorIldefonso Falcones

Untertitel Roman

Abbildungsvermerk mit Karte im Vor- und Nachsatz

  • ISBN-103-570-10045-6
  • ISBN-139783570100455
  • Verlag Bertelsmann Verlag
  • ÜbersetzerStefanie Karg
  • Einbandartgebunden
  • Seiten926
  • Veröffentlicht23.09.2010
  • GenreRoman
  • Gewicht1239g
  • SpracheDeutsch
  • OriginaltitelLa mano de Fátima

Leseprobe aus Die Pfeiler des Glaubens

Juviles, Alpujarras, Königreich Granada Sonntag, 12. Dezember 1568
Das morgendliche Läuten der Kirchenglocken durchdrang die eisige Kälte in dem kleinen Dorf am Fuße der Sierra Nevada. Das metallische Echo brach sich in den felsigen Schluchten des Südhanges, erfüllte das fruchtbare Tal mit seinen Flüssen Guadelfo, Adra und Andarax, die sich aus den zahllosen Gebirgsbächen der verschneiten Gipfel speisten, und wurde schließlich von den steilen Hängen der Sierra Contraviesa zurückgeworfen. Jenseits davon erstreckten sich die steilen Täler der Alpujarras bis hin zum Mittelmeer. Etwa zweihundert Männer, Frauen und Kinder schleppten sich in der fahlen Wintersonne zur Kirche und versammelten sich schweigend am Hauptportal.
Vor dem schlichten ockerfarbenen Gotteshaus mit seinem wuchtigen Glockenturm lag ein weitläufiger Vorplatz, von dem aus sich ein Gewirr aus engen Gassen über den Hang ausbreitete. Die vielen kleinen Gebäude waren nur grob verputzt: ein- oder zweistöckige weiß getünchte Wohnhäuser mit winzigen Türen und Fenstern, Flachdächern und runden Kaminen. Auf den Flachdächern lagen Feigen, Paprika und Weintrauben zum Trocknen ausgebreitet. Die Dächer der weiter unten am Hang errichteten Häuser reichten meist gerade so an die Fundamente der weiter oben gelegenen heran, dass es von Weitem so wirkte, als wären sie aufeinandergebaut.
Auf dem verschneiten Kirchplatz standen bereits einige Kinder und
etwa zwanzig Altchristen des Dorfes. Sie beobachteten eine alte Frau mit arabischen Gesichtszügen, die auf der obersten Sprosse einer an die Hauptfassade der Kirche gelehnten Leiter stand und die Winterkälte seit den frühen Morgenstunden ohne Mantel ertragen musste. Sie zitterte am ganzen Leib und klapperte mit den wenigen ihr noch verbliebenen Zähnen. Die eintreffenden Dorfbewohner waren allesamt Morisken, die muslimischen Nachfahren der in Spanien einst so mächtigen Mauren, vom König zur Taufe und zum öffentlichen Bekenntnis zum Christentum gezwungen. Diese Neuchristen gingen langsam auf die Kirche zu, ohne dabei den Blick von der alten Moriskin abzuwenden, die verzweifelt versuchte, das Gleichgewicht zu halten. Das Gelächter der Altchristen brach das Schweigen.
»Hexe!«
Mehrere Steine trafen die alte Frau, und die unterste Sprosse war bald mit Spucke bedeckt.
Das Läuten der Glocken verebbte, und die letzten Dorfbewohner eilten in die Kirche. Im unbeheizten Inneren kniete nur wenige Schritte vom Altar entfernt ein imposanter dunkelhaariger Mann mit sonnengegerbtem Gesicht auf dem eisigen Steinboden. Er hatte einen Strick um den Hals und die Arme wie ein Gekreuzigter von sich gestreckt. In jeder Hand hielt er eine brennende Kerze.
Vor einigen Tagen hatte dieser Mann der alten Frau auf der Leiter das Hemd seiner kranken Ehefrau gegeben, damit sie es in einer Quelle wusch, deren Wasser als heilkräftig galt. In dieser zwischen den schroffen Felsen und der üppigen Vegetation der Sierra Nevada versteckten Quelle wurde normalerweise keine Wäsche gewaschen. Als der Dorfpfarrer Don Martín die alte Frau dabei überraschte, wie sie das Hemd ins Wasser tauchte, war er sofort davon überzeugt, dass dies Hexenwerk sei - die Strafe ließ nicht lange auf sich warten: Sie musste den Sonntagmorgen auf der Leiter zubringen, dem öffentlichen Spott ausgesetzt. Doch auch der Moriske, der sie zur Hexerei angestiftet hatte, musste büßen und dem Gottesdienst kniend beiwohnen.
Kaum hatten die Dorfbewohner die Kirche betreten, trennten sich die Männer von den Frauen, die sich mit ihren Töchtern in die vorderen Bankreihen setzten. Der kniende Büßer starrte ihnen mit leerem Blick entgegen. Alle Anwesenden kannten ihn: Er war ein rechtschaffener Mann, der friedlich sein Land bestellte und sein Vieh versorgte. Er hatte doch nur seiner kranken Frau helfen wollen! Sobald alle Platz genommen hatten, begaben sich der Pfarrer Don Martín, der Pfründenbesitzer Don Salvador und der junge Sakristan Andrés zum Altar. Don Martín, ein stolzer Mann mit blassem Gesicht und rosigen Wangen, trug ein goldbesticktes Priestergewand aus Seide und machte es sich mit Blick zu den Gläubigen in einem thronartigen Sessel bequem, flankiert vom Pfründenbesitzer und dem jungen Sakristan. Die Kirchentür wurde geschlossen, und die Flammen der Kerzen hörten auf zu flackern. Die bunte Mudéjar-Holzkassettendecke der Kirche strahlte über dem so nüchternen wie tragischen Altarbild und den düsteren Gemälden der Seitenwände.
Der hagere, dunkelhäutige Sakristan schlug ein Buch auf und hüstelte.
»Francisco Alguacil«, las er laut vor.
»Hier.«
Andrés überprüfte, woher die Antwort kam, und trug etwas in das Buch ein.
»José Almer.«
»Hier.«
»Milagros Garvía. María Ambroz Je weiter Andrés in der Liste kam, desto knarrender wurde seine Stimme.
»Marcos Núñez.«
»Hier.«
»Du hast letzten Sonntag gefehlt«, stellte der Sakristan fest.
»Ich war…«, setzte der Mann zu einer Erklärung an, fand aber nicht die richtigen Worte und beendete den Satz auf Arabisch, während er aufgeregt ein Dokument hervorholte.
»Komm her«, befahl Andrés.
»Ich war in Ugíjar«, stieß er endlich hervor und brachte dem Sakristan das Dokument.
Andrés überflog das Schreiben und reichte es dem Pfarrer, der den
Inhalt sorgfältig prüfte und kurz nickte. Der Prior der Stiftskirche von Ugíjar bestätigte, dass der Neuchrist Marcos Núñez aus Juviles am Sonntag, dem 5. Dezember, beim Hauptamt in jener Stadt gewesen war.
Über das Gesicht des Sakristans huschte ein sanftes Lächeln. Jeden Sonntag und an allen hohen Feiertagen musste er die Anwesenheit der Neuchristen überprüfen. Einige Aufrufe blieben unbeantwortet, was sorgfältig vermerkt wurde. Im Gegensatz zu Marcos Núñez konnten zwei Frauen ihr Fortbleiben am vorigen Sonntag nicht rechtfertigen und begannen hastig sich zu entschuldigen. Andrés blickte zum Pfarrer. Eine der Frauen gab ihren Versuch abrupt auf, als Don Martín ihr mit einer herrischen Geste bedeutete zu schweigen, die andere Frau behauptete, sie sei am letzten Sonntag krank gewesen.
»So fragt doch meinen Mann!«, rief sie und sah sich verzweifelt nach ihrem Ehemann um, der in einer der hinteren Reihen saß. »Er wird euch
»Sei still, du Teufelsanbeterin!« Don Martíns Brüllen brachte die Moriskin zum Schweigen, und der junge Sakristan notierte die Namen der beiden Frauen und die zu entrichtende Strafe: Sie sollten jeweils einen halben Real bezahlen.
Nachdem Andrés die Anwesenden gezählt hatte, begann Don Martín mit der Messe - nicht jedoch ohne den Sakristan vorher darauf hinzuweisen, dass der Büßer die Kerzen höher halten solle.
»Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes
Nur wenige verstanden die Worte aus der Heiligen Schrift, und die meisten konnten der Zeremonie und den zahlreichen Wutausbrüchen des Priesters während der Predigt kaum folgen.
»Glaubt ihr etwa, das Wasser irgendeiner Quelle könne euch von einer Krankheit heilen?« Don Martín deutete auf den knienden Mann. Er drohte ihm mit dem Zeigefinger, und sein Gesicht war angespannt. »Kehrt um und tut Buße. Christus allein kann euch von Sorge und Leid erlösen, mit denen der Herr eure Zügellosigkeit, eure Blasphemie und eure Ketzerei bestraft!«
Viele Morisken verstanden kein Spanisch und verständigten sich mit den Christen durch eine Mischung aus Arabisch und Spanisch. Aber alle mussten das Vaterunser, das Ave-Maria, das Glaubensbekenntnis, das Salve-Regina und die Zehn Gebote aufsagen können, sonst wurden sie bestraft oder durften nicht heiraten. Die Männer und Frauen mussten deshalb den Katechismusunterricht besuchen. Erst wenn sie die Gebete auswendig aufsagen konnten, wurden sie vom Unterricht befreit.
Beim Gottesdienst sprachen alle die Gebete mit. Die Kinder schrien dabei so laut, dass die Eltern den Priester täuschen und heimlich »Allahu akbar«, »Allah ist groß«, dazwischenrufen konnten.
»O Erhabener! Führe mich mit deiner Macht rief ein junger Moriske im Tumult des Vaterunser-Geschreis der Kinder.
Der Pfründenbesitzer Don Salvador drehte sich wütend zu ihnen und lauschte angestrengt.
Ein anderer Moriske nutzte die Gelegenheit und flehte: »O Stifter des Friedens .«
Don Salvador wurde rot vor Zorn.
Erst am Ende des Gebetes konnte man wieder die schroffe Stimme des Priesters heraushören.
»Lob sei Gott!«, wagte jetzt noch jemand in einer der hinteren Reihen zu rufen.
Die meisten Morisken erstarrten, einige richteten den Blick auf Don Salvador. Wer hatte es gewagt, Allah so offen zu preisen? Der Pfründenbesitzer drängte sich durch die Reihen und stieß dabei einige Männer zur Seite, konnte den Gotteslästerer aber nicht ausmachen.
Als die erste Hälfte des Gottesdienstes vorbei war, nahmen der Sakristan und der Pfründenbesitzer unter dem wachsamen Auge des Priesters die Gaben der Gemeinde entgegen: Münzen, Brot, Eier, Leinenstoff . Nur die Armen waren von der milden Gabe ausgenommen. Wenn hingegen die reichsten Gemeindemitglieder an drei Sonntagen hintereinander nichts abgaben, wurden sie bestraft. Andrés notierte sorgfältig, wer etwas und was jemand gab.
Als die »Todesglocke« erklang, wie die Morisken das helle Glöckchen nannten, das bei der Wandlung geläutet wurde, knieten sie missmutig zwischen den frommen Altchristen nieder. Das Glöckchen klingelte in dem Moment, in dem der Priester mit dem Rücken zur Gemeinde die Hostie hochhielt. Es ertönte wieder, als er den Kelch anhob. Don Martín wollte gerade die Einsetzungsworte sprechen, als er sich wegen der allgemeinen Unruhe in der Kirche plötzlich wutentbrannt umdrehte.
»Hunde!«, schrie er. »Haltet den Mund, ihr Häretiker! Kniet euch so hin, wie es sich gehört, um Christus, den einzig wahren Gott, zu empfangen! Du da!« Er deutete mit dem dünnen Zeigefinger auf einen alten Mann in der dritten Reihe. »Du wirst hier nicht deinem falschen Gott huldigen. Und ihr sollt euren Blick heben, wenn ihr das heilige Sakrament empfangt!«
Sein vernichtender Blick bohrte sich in zwei Morisken, ehe er mit dem Gottesdienst fortfuhr. Dann gingen die Männer und Frauen schweigend zu ihm. Die Altchristen empfingen den Segen mit Ehrfurcht, die meisten Neuchristen scherzten hingegen heimlich über diesen heiligen »Kuchen« und bekreuzigten sich verkehrt herum. Nach dem Friedenssegen verließ die Gemeinde die Kirche. Die Morisken eilten nach Haus, um den »Kuchen« wieder auszuspeien.
Die wenigen Altchristen des Dorfes standen noch immer vor der Kirchentür, um miteinander zu schwatzen. Sie achteten nicht darauf, dass ihre Kinder die alte Frau beschimpften, die inzwischen völlig entkräftet von der Leiter gefallen war und nun reglos und schwer atmend am Boden lag. In der Kirche warfen der Priester und seine beiden Gefährten dem Büßer unaufhörlich sein Vergehen vor, während sie die liturgischen Gegenstände vom Altar einsammelten und in die Sakristei brachten.


2
Die Morisken haben die Revolte begonnen, das ist wahr, doch es sind die Altchristen mit ihrer Arroganz, ihren Plünderungen und ihrer Rohheit, mit der sie die Frauen nehmen, die sie zur Verzweiflung treiben. Selbst die Geistlichen verhalten sich schändlich. Eine ganze Moriskengemeinde beschwerte sich unlängst beim Erzbischof über ihren Pfarrer. Er solle versetzt werden, bat die Gemeinde ^ Oder man solle ihn zumindest verheiraten, denn »alle unsere Kinder kommen mit seinen blauen Augen zur Welt«.
FRANCÉS DE ÁLAVA, Spaniens Gesandter in Frankreich an Philipp II., 1568
Suviles war das größte von etwa zwei Dutzend Dörfern, die über die südlichen Ausläufer der Sierra Nevada verstreut lagen. Nur ein Viertel des felsigen Gebietes wurde bewässert und mit Weizen und Gerste bebaut. Der größere Teil war mit Weinstöcken, Olivenhainen, Feigen-, Esskastanien-, Walnuss- und vor allem unzähligen Maulbeerbäumen für die Seidenraupenzucht bepflanzt. Auch wenn die Seide aus Juviles nicht ganz so geschätzt wurde wie die aus anderen Gegenden der Alpujarras, war sie doch die wichtigste Einnahmequelle der Region.
Die Morisken bewirtschafteten auch noch das steilste Stück Land bis zu den hohen Gipfeln. Jeder fruchtbare Winkel wurde durch eines der unzähligen Terrassenfelder nutzbar gemacht.
Eines Tages, als die Sonne schon im Zenit stand, kehrte Hernando Ruiz von einem dieser Felder nach Juviles zurück. Der Junge war etwas über vierzehn Jahre alt, schlank und sehr flink. Er hatte dunkelbraunes Haar, und unter seinen buschigen Augenbrauen leuchteten große, auffallend blaue Augen.
Es war kalt, aber die Mittagssonne milderte die eisige Winterluft aus der Sierra Nevada. Hernando hatte gerade die letzten Früchte eines alten, knorrigen Olivenbaums geerntet, die beim Schütteln nicht herabgefallen waren. Er war zwischen den krumm gewachsenen Ästen hinaufgeklettert und hatte die noch unreifen Oliven von Hand gepflückt. Am liebsten wäre er dort geblieben, hätte Unkraut gejätet und wäre anschließend zu einem anderen Terrassenfeld gegangen, wo der alte Hamid vermutlich gerade seinen bescheidenen Landbesitz bearbeitete. Nur wenn die beiden allein waren, auf dem Feld arbeiteten oder in den Bergen Heilkräuter suchten, nannte Hernando ihn »Hamid« und nicht »Francisco« - denn das war sein christlicher Name, auf den er getauft worden war. Fast alle Morisken hatten zwei Namen: einen christlichen und einen muslimischen. Nur Hernando war einfach »Hernando« - im Dorf machte man sich deshalb oft über ihn lustig und verspottete ihn als den »Nazarener«.
Beim Gedanken daran verlangsamte der Junge seinen Schritt. Er war kein Nazarener! Er fegte mit dem Fuß einige Steine vom Weg und ging dann weiter in Richtung seines Zuhauses, das außerhalb des eigentlichen Dorfes lag. Dort hatte seine Familie genügend Platz gefunden, um eine zusätzliche Hütte zu bauen, die als Stall für die sechs Maultiere diente, mit denen sein Stiefvater durch die Alpujarras zog - sowie für das siebte, Hernandos Lieblingstier: die gute Alte.
Vor etwa einem Jahr hatte seine Mutter ihm den Grund für den verhassten Spitznamen erklärt. Er hatte seinem Stiefvater Ibrahim - »José« für die Christen - eines Morgens bei Sonnenaufgang geholfen, die Maultiere aufzuzäumen. Nach getaner Arbeit, als er sich mit einem sanften Klaps von der Alten verabschiedet hatte, warf ihn plötzlich eine heftige Ohrfeige zu Boden.
»Du Christenhund!«, schrie Ibrahim zornig. Der Junge schüttelte sich, um wieder zu sich zu kommen. Er glaubte hinter dem Stiefvater seine Mutter zu erkennen, wie sie mit gesenktem Haupt im Haus verschwand. »Du hast dem Tier den Sattelgurt falsch angelegt!«, brüllte Ibrahim. »Soll es sich unterwegs etwa wund reiben und dann nicht mehr arbeiten können? Du bist wirklich ein nutzloser Nazarener.« Ibrahim spuckte auf den Boden. »Du bist und bleibst ein Christenbastard.«
Hernando floh vor seinem Stiefvater und versteckte sich in einer Ecke des Stalls. Sobald das Hufklappern der Lasttierkolonne Ibrahims Aufbruch verkündete, erschien seine Mutter Aischa in der Hütte und brachte ihm einen Becher mit Limonade.
»Tut's noch weh?«, fragte sie, kniete vor ihm nieder und fuhr ihm zärtlich durchs Haar.
»Warum sagen alle>Nazarener »Einverstanden, du bist jetzt alt genug.« Aischa nickte kurz, setzte sich neben ihn auf den Boden und holte tief Luft. »Weißt du, vor etwas mehr als vierzehn Jahren hat sich der Pfarrer meines Heimatdorfes in Almería an mir vergangen.« Hernando sprang auf und starrte sie entsetzt an. »Ja, mein Junge. Ich schrie und wehrte mich, so wie es unsere Gesetze vorschreiben. Aber der Priester war so kräftig. Er hat mich weit außerhalb des Dorfes angesprochen, mitten auf dem Feld, am späten Vormittag. Es war ein sonniger Tag erinnerte sie sich. »Dann ihre Miene verfinsterte sich. »Ich war doch vollkommen hilflos!«, brach es aus ihr heraus. »Er hat meine Kleider mit einer einzigen Handbewegung zerrissen. Dann hat er mich auf den Boden gedrückt und…«
Aischa kehrte schwer atmend in die Gegenwart zurück und begegnete dem Blick ihres Sohnes.
»Du bist das Ergebnis dieser Schändung«, flüsterte sie. »Sie nennen dich den Nazarener, weil dein Vater ein christlicher Prediger ist. Es ist alles meine Schuld.«
Hernando brach erneut in Tränen aus. Auch Aischa kämpfte gegen den Strom der eigenen Tränen. Der Becher mit Limonade glitt ihr aus der Hand, als sie ihrem Sohn in die Arme fiel.
Die junge Aischa hatte mit den Hilfeschreien damals zwar ihre Ehre gerettet, aber als ihre Schwangerschaft offensichtlich wurde, suchte ihr Vater, ein einfacher Maultiertreiber, nach einem Weg, die Schande nicht fortwährend ansehen zu müssen. Die Lösung fand er in Ibrahim, einem jungen, gut aussehenden Maultiertreiber aus Juviles, dem er unterwegs des Öfteren begegnet war. Er bot ihm die Hand seiner Tochter und zwei Mulis als Mitgift an: ein Tier für das Mädchen und das andere für das ungeborene Kind. Ibrahim zögerte, aber er war jung, arm und konnte die Tiere gut brauchen. Außerdem, wer sagte denn, dass dieses Wesen jemals das Licht der Welt erblicken würde? Oder vielleicht würde es nicht einmal die ersten Monate überstehen _ In dieser Gegend starben viele Kinder kurz nach der Geburt.
Ibrahim widerte die Vorstellung zwar an, dass ein Priester Aischa geschändet hatte, aber er ließ sich auf den Handel ein und nahm sie mit zu sich nach Juviles.
Doch Hernando kam als kräftiger Säugling zur Welt, noch dazu mit den blauen Augen des Priesters. Die Umstände seiner Zeugung kamen schnell ans Licht, und die Dorfbewohner hatten zwar Mitleid mit der jungen Frau, nicht aber mit dem Kind. Ihre Verachtung wurde noch größer, als sie merkten, wie sehr sich Don Martín und Andrés um den Jungen bemühten - so als wollten sie den Bastard des Priesters vor Mohammeds Anhängern retten.
Als Hernando seiner Mutter später die frisch geernteten Oliven gab, konnte sein Lächeln Aischa nicht täuschen. Sie fuhr ihm zärtlich durchs Haar, wie immer, wenn sie ihn traurig erlebte, und er ließ es trotz der anwesenden vier Stiefgeschwister zu. Seine Mutter konnte ihm nur äußerst selten ihre Liebe zeigen - nur dann, wenn sein Stiefvater nicht da war. Ibrahims Hass gegen den Nazarener mit den blauen Augen, den Lieblingsschüler der christlichen Geistlichen, war mit der
Geburt seiner eigenen vier Kinder nur noch größer geworden. Mit neun Jahren wurde Hernando in den Stall verbannt und durfte nur noch dann im Wohnhaus essen, wenn sein Stiefvater unterwegs war. An diesem Tag stand das Essen bereits auf dem Tisch, und Hernandos vier Stiefgeschwister warteten auf ihn. Selbst der Jüngste, der vierjährige Musa, zog in seiner Anwesenheit ein mürrisches Gesicht.
»Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes«, sagte Hernando, ehe er sich auf den Boden setzte.
Der kleine Musa und sein siebenjähriger Bruder Aquil taten es ihm gleich und griffen mit den Fingern nach dem Essen: Lamm und Artischocken, mit Minze, Koriander und Safran in Essig und Öl gekocht. Raissa und Zahara, seine beiden Stiefschwestern, warteten darauf, dass die männlichen Familienmitglieder mit dem Essen fertig waren, damit sie selbst beginnen konnten.
Nach dem Lammgericht brachte die elfjährige Zahara noch ein Tablett mit Rosinen, aber Hernando blieb keine Zeit: Er hörte ein dumpfes Klappern in der Ferne und hob den Kopf. Seine Stiefbrüder bemerkten seine Unruhe und hörten auf zu essen. Keiner konnte die Ankunft der Maultiere so früh hören wie Hernando.
»Die Alte kommt!«, rief der kleine Musa.
Ibrahim kehrte nach Hause zurück.
»Lob sei Gott«, beendete Hernando die Mahlzeit und stand schnell auf.
Draußen wartete die ausgezehrte Alte geduldig auf ihn, sie trug kein Zaumzeug und war mit Sattelwunden übersät.
»Komm, Alte«, sagte Hernando und führte sie in den Stall.
Das ungleichmäßige Klappern der Hufe begleitete sie. Im Stall legte er ihr etwas Stroh hin und strich ihr über den Hals.
»Wie war die Reise?«, flüsterte er und untersuchte eine Wunde, die sie vorher noch nicht gehabt hatte.
Er sah ihr kurz beim Fressen zu, dann lief er schnell los - den Berghang hinauf. Sein Stiefvater erwartete ihn bestimmt schon im Versteck etwas abseits des Weges nach Ugíjar. Hernando lief einige Zeit querfeldein und achtete darauf, keinem Altchristen zu begegnen. Er umging die eingesäten Terrassenfelder und alle anderen Stellen, an denen zu dieser Tageszeit womöglich noch gearbeitet wurde. Ein wenig außer Atem gelangte er an eine nur schwer zugängliche Stelle, von der aus man auf die steile Felswand blicken konnte, wo Ibrahim bereits auf einem Vorsprung auf ihn wartete. Hinter dem Morisken standen die sechs schwer beladenen Maultiere, und im Fels konnte man viele Öffnungen erkennen, die in kleine Höhlen führten.
Ibrahim war ein großer, kräftiger Mann mit Vollbart. Er trug einen grünen Hut mit breiter Krempe und einen halblangen blauen Umhang, unter dem ein kurzer plissierter Rock hervorragte, der die Oberschenkel vor der Kälte schützte. Die Unterschenkel waren nackt, und an den Füßen trug er Lederschuhe mit Riemen. Zum Jahreswechsel würden die neuen Gesetze in Kraft treten. Dann musste Ibrahim wie alle Morisken im Königreich Granada seine Volkstracht gegen die übliche Kleidung der Christen eintauschen. Im Gürtel glänzte - obwohl dies schon jetzt verboten war - ein Krummdolch.
Als er seinen Stiefvater in der Ferne erblickte, verlangsamte Hernando seinen Schritt. Die Furcht, die ihn in dessen Nähe immer überkam, bedrückte ihn. Wie würde er ihn diesmal empfangen? Beim letzten Mal hatte er ihm eine Ohrfeige verpasst, weil er sich angeblich verspätet hatte, dabei war er ohne Umwege zu ihrem Treffpunkt gerannt. Auf den letzten Schritten zu Ibrahim beeilte er sich wieder.
»Warum kommst du so spät?«, fuhr ihn sein Stiefvater an.
Als Hernando sich an seinem Stiefvater vorbeizwängte, ging er in Deckung. Dennoch traf ihn ein heftiger Schlag am Kopf. Er stolperte auf das erste Maultier zu und schlüpfte dann geschickt an den übrigen Tieren vorbei in eine der Felshöhlen hinein. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, begann er die Waren, die sein Stiefvater von den Tieren ablud, in das sichere Versteck zu bringen.
»Das Öl hier ist für Juan«, sagte Ibrahim und reichte ihm einen bauchigen Tonkrug. Angesichts des fragenden Blicks seines Stiefsohns fügte er noch den muslimischen Namen hinzu: »Ich meine Aisar. Und der hier ist für Faris.« Hernando verstaute die Waren in der Höhle und versuchte sich die Namen der jeweiligen Besitzer zu merken.
Als die Maultiere von der Hälfte ihrer Last befreit waren, brach Ibrahim nach Juviles auf. Hernando blieb am Höhleneingang zurück und ließ seinen Blick über die weite Landschaft bis zur Sierra Contraviesa schweifen. Aber er hielt sich nicht lange damit auf, da er diesen Ausblick in- und auswendig kannte. Er ging in die Höhle und betrachtete neugierig die Gegenstände, die sie soeben abgeladen hatten, und die vielen anderen, die dort bereits seit Längerem lagerten. Hunderte ähnliche Höhlen dienten den Morisken in den Alpujarras inzwischen als Versteck für ihren Besitz. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit würden die Männer kommen und die Dinge mitnehmen, die sie brauchten. Jeder Transport lief gleich ab. Von wo auch immer der Stiefvater aufgebrochen war, bevor er Juviles erreichte, band er die Alte los und schickte sie nach Hause. »Sie kennt die Alpujarras besser als jeder von uns. Ich habe mein ganzes Leben auf diesen Wegen verbracht, und trotzdem hat mir das Maultier schon einige Male das Leben gerettet«, erzählte der Treiber immer wieder. Wenn Ibrahim sie losließ, trottete die Alte allein nach Hause, und Hernando lief sofort zu den Höhlen, um seinen Stiefvater zu treffen. Dort luden sie die Hälfte der Handelswaren ab, um so die hohen Steuern zu halbieren, die sein Stiefvater zu entrichten hatte. Die vielen Pachtherren, die den Zehnt oder die Erstlingsabgabe erhielten, und die zahllosen Büttel, die die Geldstrafen einzogen, hatten es sich angewöhnt, in die Häuser der Moris- ken einzudringen und alles mitzunehmen oder zu pfänden, was ihnen in die Hände fiel, selbst wenn der Wert der Gegenstände die eigentlichen Schulden überstieg. Später notierten sie nicht einmal den Erlös aus der Versteigerung, und die Morisken verloren auf diese Weise langsam, aber sicher ihren Besitz. Sie hatten bereits viele Klagen beim Richter von Ugíjar, beim Bischof und sogar beim Corregidor von Granada, dem Vertreter der Krone, vorgebracht, aber sie stießen nur auf taube Ohren, und die christlichen Steuereintreiber beuteten sie weiterhin ungestraft aus. Deshalb taten es alle Ibrahim gleich.
Hernando lehnte an der kalten Höhlenwand. Nun lag zwar eine lange Wartezeit vor ihm, aber er verstand die Notwendigkeit dieses Betruges. Anderenfalls würden die Christen sie noch ruinieren.

Rezensionen der Redaktion zu Die Pfeiler des Glaubens

Alex Dengler, Deutschlands führender Buchkritiker, denglers-buchkritik.de, 25.10.10
Ein historischer Schmöker der Güteklasse A. Ildefonso Falcones ist der spanische Ken Follett. Die Pfeiler des Glaubens ist spannend, vielfältig, detailliert und voller lebendiger Historie. Das Thema aktueller denn je. Der Glaube als Werkzeug um Menschen zu unterdrücken und um Krieg zu führen. Die Christen und die Muslime wüten hier menschenunwürdig gegeneinander. Eine Mahnung, es nie wieder soweit kommen zu lassen, einen Glaubenskrieg zu führen. Wenn doch nur alle auf der Welt dieses Buch lesen, es verstehen und ihre Schlüsse daraus ziehen könnten. Nur ein gesundes Miteinander bedeutet Frieden und Wohlstand für alle. Was Mitchells Vom Winde verweht für Amerika, Pasternaks Doktor Schiwago für Russland ist nun Falcones Die Pfeiler der Macht für Spanien. Falcones gehört mit diesem Buch endgültig zu den größten Erzählern Europas.

Kurzbeschreibung zu Die Pfeiler des Glaubens

Andalusien, 1568. Nach Jahren der Unterdrückung erheben sich die spanischen Muslime gegen ihre christlichen Peiniger. Unter den Aufständischen ist auch der junge Maure Hernando, der sein Volk und seine Kultur vor dem Untergang retten will. Doch die Revolte wird bald zum blutigen Glaubenskrieg, und angesichts der von beiden Seiten begangenen Grausamkeiten wächst in Hernando das Bedürfnis nach Frieden und Aussöhnung der Religionen - ein Ziel, dem er fortan sein Leben widmet.


In seinem neuen Weltbestseller über Glaube und Versöhnung erzählt Falcones die ergreifende Geschichte vom Aufstand der Muslime bis zu ihrer endgültigen Vertreibung, und entführt uns in ein faszinierendes al-Andalus am Wendepunkt der europäischen Geschichte.


Autorenportrait zu Die Pfeiler des Glaubens

Ildefonso Falcones de Sierra, verheiratet und Vater von vier Kindern, arbeitet als Anwalt in Barcelona. Sein Debütroman „Die Kathedrale des Meeres“ war ein überwältigender internationaler Erfolg. Mit weltweit mehr als fünf Millionen verkauften Büchern hat sich Falcones als der bestverkaufte spanische Autor historischer Romane verewigt.

Portrait

Ildefonso Falcones:
Der überraschende Erfolg seines Debütromans "Die Kathedrale des Meeres" machte den Autor Ildefonso Falcones de Sierra innerhalb kürzester Zeit weltweit bekannt. Sein historischer Roman über die Rechtsgeschichte des mittelalterlichen Kataloniens, zählt zu den erfolgreichsten spanischen Büchern in Spanien. Obwohl Ildefonso Falcones nach Fertigstellung seines Romans, der mit allen Recherchen und Schreiben fünf Jahre dauerte, von vielen Verlagen zunächst abgelehnt wurde, gelang im Gegensatz dazu der Verkauf nach der Veröffentlichung weltweit grandios. Das Buch ist mittlerweile in über 30 Ländern erschienen. Ildefonso Falcones widmete sein Erstlingswerk dem Volk von Barcelona, wo er zusammen mit seiner Frau und seinen vier Kindern lebt. Barcelona ist zudem auch die Geburtsstadt von Ildefonso Falcones, in der er 1959 zur Welt kam. Seine Vorliebe für Rechtsgeschichte besaß der spätere Autor schon früh, so ist es wie erwartend zu einem Jurastudium gekommen. In seiner Heimatstadt leitet Ildefonso Falcones seine eigene Kanzlei und arbeitet dort als Anwalt für Zivilrecht.

Meinung der Redaktion
Falcones ist ein Schmöker gelungen -ein historischer Roman, der offen mit seinen Quellen und Erfindungen umgeht, den Bewohnern Barcelonas damit ein Denkmal setzt und Lust macht auf einen Trip zur Kirche Santa Maria del Mar.

Autorenportrait

Ildefonso Falcones de Sierra, verheiratet und Vater von vier Kindern, arbeitet als Anwalt in Barcelona. Sein Debütroman „Die Kathedrale des Meeres“ war ein überwältigender internationaler Erfolg. Mit weltweit mehr als fünf Millionen verkauften Büchern hat sich Falcones als der bestverkaufte spanische Autor historischer Romane verewigt.

Bewertung unserer Kunden zu Die Pfeiler des Glaubens

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30

21.01.2012

„etwas enttäuschend”

von einer Kundin oder einem Kunden aus Schnaittach
"Die Kathedrale des Meeres", der Vorgängerroman von "Die Pfeiler des Glaubens" war mein aller erster historischer Roman, den ich verschlungen habe und ich mit dem Protagonisten gelacht und geweint habe. Aus diesem Grund, weil ich von der Schreibweise von Ildefonso Falcones so begeistert war, musste ich unbedingt "Die Pfeiler des Glaubens" haben. Aber es zog sich wie Kaugummi. Für mich war zu viel über die Differenzen von Muslime und Spanier geschrieben, die ziemlich von der Geschichte ablenkte.
In diesem Fall hat Falcones das Gleichgewicht zwischen Historie und Roman nicht geschafft. Falcones ist, meiner Ansicht nach, zu sehr in seine Recherchen aufgegangen und hat zu wenig die eigentliche Geschichte spannend herübergebracht.
Für mich zu langatmig, zu flau, zu Historien-Detailversessen. 903 Seiten, die für die eigentliche Geschichte zu viel sind.
Schade, dass der zweite Roman nicht an den ersten anschließen konnte.

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Diese Artikel haben mir auch gefallen: Sabine Weigand Ken Follet Jussi Adler Olson Kerstin Gier Anne Hertz Die Päpstin Die Pestheilerin

20

18.06.2011

„Überschätzt”

von einer Kundin oder einem Kunden aus Bonn
Gerne lese ich historische Romane. Leider ist dies ein weiteres Buch, welches zwar erfolgreich ist, aber nicht ansatzweise einen Spannungsbogen herzustellen vermag.

Das Thema ist dabei aus meiner Sicht durchaus vielversprechend. Im Verlaufe des Romans schafft es der Autor jedoch an keiner Stelle, den Leser länger als wenige Seiten zu fesseln. Seine Handlungsabschnitte sind vorhersehbar und wechseln recht schnell. Er neigt dazu, Personen in die Handlung einzuführen, die dann hundert Seiten später, plötzlich und "völlig unerwartet" wieder die Wege des Protagonisten kreuzen. Beim ersten Mal mag das noch förderlich sein; nach dem x-ten "Wiedersehen" ist es aber nur noch langweilig. Auch sind mir die Gefühle der handelnden Personen zu eindimensional. So gibt es einfach zu viele Charaktere, die den Protagonisten hassen. Dies mag zwar teilweise erklärbar sein, ist aber irgendwann auch langweilig, da sich immer nur jeder an ihm rächen will.

Aus historischer Sicht genügt es letztlich, die Anmerkungen des Autors zu lesen, um alle Fakten zu erfahren.

Wer spannende und gut recherchierte historische Romane lesen möchte, dem empfehle ich Der Atzteke und Marco Polo von Gary Jennings. Der Autor hat in seinem Leben nur sehr wenige Romane geschrieben, da er sich offensichtlich sehr lange in jedes seiner Bücher eingearbeitet hat. Aber auch der Meister des siebten Siegels überzeugte durch einen Spannungsbogen, den Falcones nicht erzeugen kann.

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40

28.01.2011

„Vertreibung der Muslime aus Spanien”

von einer Kundin oder einem Kunden
Völlig neu für mich war, daß die Muslime erst Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts aus Spanien vertieben wurden.
Dieser historische Roman ist hart und brutal; trotzdem lesenswert.

War diese Bewertung hilfreich? Ja, Nein

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40

29.11.2010

„Mächtiges Mittelalter”

von einer Kundin oder einem Kunden
Die geballte Kraft des Glaubens - Liebe und Hass, Gewalt und Verzweiflung, aber auch die Suche nach Annäherung widerspiegelt der im 16. Jahrhundert angelegte Roman. Christentum und Islam - der Bezug zur Gegenwart wird mir als Leser zuweilen schmerzlich bewusst. Warum sind Menschen so tief verwurzelt in ihrem Glauben, dass sie für ihre Überzeugungen auch grausige Taten vollbringen?
Mit diesem Roman hat Ildefonso Falcones mich das etwas mehr verstehen lassen, die Geschichte von Hernando lässt mir aber auch die Hoffnung auf das Gute im Menschen.

War diese Bewertung hilfreich? Ja, Nein

50

24.11.2010

„Wunderbare Geschichte”

von einer Kundin oder einem Kunden Top-100 Rezensent Top 100 Rezensent
Ildefonso Falcones ist längst kein Geheimtipp mehr. Schon sein erster Roman war ein großer Erfolg. In diesem neuen Buch nimmt er uns nach Andalusien im späten 16. Jahrhunderts mit. Die Spanier haben die Herrschaft der Morisken gebrochen und unterdrücken die verbliebenen Anhänger des islamischen Glaubens grauenvoll. Es ist Hernandos sehnlichster Wunsch, dass Anhänger beider Glauben in Frieden nebeneinander leben können. Nach außen Christ, setzt er sich im Geheimen für den Islam ein.

Ein Roman voller Schicksal und Leidenschaft, alle 900 Seiten überzeugend. Man merkt auf jeder Seite, dass Falcones ausführlich recherchiert hat, bevor er diese Geschichte aufgeschrieben hat. Beeindruckend, mitreißend, ein Abenteuer!

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50

10.10.2010

„Absolut lesenswert!”

von einer Kundin oder einem Kunden
Das erste Buch von Ildefonso Falcones, "Die Kathedrale des Meeres", habe ich verschlungen. Beim Zweiten, "Die Pfeiler des Glaubens", erging es mir nicht besser. Man merkt, das sich der Autor sehr mit der Geschichte seines Landes beschäftigt hat. Der neue Roman ist wieder fließend und spannend geschrieben, so dass er trotz seiner Länge nicht langatmig wird. Man erfährt viel über Land und Leute zu der damaligen Zeit und fühlt förmlich mit den Personen mit.
Ein historischer Roman, wie er sein muss!

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40

10.10.2010

„Ambitioniert - allerdings mit Schwächen”

von L. Piechaczek
Ildefonso Falcones Buch „Die Pfeiler des Glaubens“ ist ein sehr ambitioniertes Werk. Versucht es doch, als historischer Roman, etwas was seit Jahrhunderten geschieht und heute besonders aktuell ist, zu erklären, nämlich den Konflikt zwischen dem muslimischen Glauben und dem Christentum. Südspanien, Al-Andalus Mitte des 16. Jahrhunderts bis Anfang des 17. Jahrhunderts, ist Schauplatz der Geschichte. Gleichzeitig ist es auch die Geschichte des Morisken Hernando, alias Ibn Hamid. Morisken sind zwangsgetaufte Mauren, die in den Landstrichen Südspaniens lebten. Hernandos Leben kann der Leser verfolgen von dem Aufstand von Alpujarras, der zu einer Deportation der Morisken von Granada in andere Königreiche Spaniens führte, bis hin zu seinem Leben am Ende eines anstrengenden, verwickelten Weges. Hernando ist davon beseelt, eine Verständigung zwischen Moslems und Christen zu bewirken. Sein ganzes Leben ist darauf ausgerichtet. Immer lebt er im Zwiespalt der Religionen und auch der Tatsache, das die Religionen einen gemeinsamen Ursprung haben. Und immer wieder scheitert er aber auch an den Gegebenheiten. Der Machtstrukturen der Zeit, den Grausamkeiten der Herrschenden, denen es eigentlich auch nur um die Erhaltung der Macht geht.
Dazwischen baut Falcones auch viele persönliche Dinge ein. Freundschaften, die Hernando eingeht, Liebesbeziehungen zu Frauen. Dabei schwebt aber immer auch der Konflikt der Religionen über diesen Beziehungen. Manchmal wünscht der Leser diesem Mann eigentlich nur Ruhe, Ruhe in seinem Glauben, der ihm aber wiederum auch immer die Kraft gibt, sein Leben an Bruchstellen neu zu beginnen. Nur der Glaube kann wahrscheinlich einem Menschen soviel Kraft und Zuversicht geben. So scheint die Geschichte in sich stimmig und passend zu sein.
Dennoch überzeugt das Buch nicht komplett. Falcones hat sich etwas zu viel vorgenommen. Einmal die Schilderung der Glaubensauseinandersetzungen, die ihre historische Entsprechungen haben, und, damit verbunden, die Lebensgeschichte des Hernando über einen Zeitraum von 44 Jahren. Häufig trägt die Geschichte nicht. Sie schweift ab und verästelt sich. Ab und an kann der Leser den Eindruck gewinnen, Falcones kommt in ein nicht begrenztes Erzählen. Nun, daß kann er, er hat schon die erzählerische Kapazität, ist aber der Geschichte nicht immer förderlich. Viele Dinge wiederholen sich, so z.B. das Bild, daß Hernando immer wieder ganz unten anfangen muß und doch, ich kann es nicht anders formulieren, irgendwie wieder gerettet wird. Immer wieder hat er Glück und auch Erfolg. Damit entwickelt natürlich Falcones die Geschichte fort, es wirkt dennoch manchmal aufgesetzt.
Historisch muß man jedoch sagen, ist die Geschichte hoch interessant und auch aktuell. Der Leser erfährt, auch dank eines guten Nachwortes viel über die Zeit des Al-Andalus. Al-Andalus war nicht das Paradebeispiel des Zusammenlebens der Religionen. Auseinandersetzungen gab es schon damals.
Der Leser mag sich ein Bild von dieser Zeit und den Auseinandersetzungen machen. Die Pfeiler der Macht ist ein Buch, daß dabei aus der Sicht eines Romans sicherlich erste Eindrücke vermittelt. Was es aber auf jeden Fall dem Leser bringt, ist eine interessante Lebensgeschichte eines Menschen in einer zerrissenen Zeit.

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50

23.09.2010

„die Geschichte Andalusiens - spannend zu lesen”

von einer Kundin oder einem Kunden
Endlich, der neue Ildefonso Falcones. Nach der "Kathedrale des Meeres" wieder ein Buch, dass sich mit einer Epoche der spanischen Geschichte befasst.

Hernando, der sein Leben lang zwischen christlichem Glauben und Islam hin und hergerissen wird und dadurch in sehr unterschiedliche Situationen kommt, zieht sich als Hauptperson durch diesen Schmöker.

Heute kennen wir die Kunstwerke und Bauten der Mauren. Wie war es in Al-Andalus zu deren Zeit?

Lassen sie sich einladen zu einer Zeitreise ins Jahr 1570 in ein längst vergangenes Spanien, dessen Kulturschätze wir heute noch bewundern können.

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Diese Artikel haben mir auch gefallen: Die Kathedrale des Meeres (9783596175116)

50

23.09.2010

„Ein moriskisches Epos”

von Michael Lehmann-Pape Top-100 Rezensent Top 100 Rezensent
Nicht von ungefähr erinnern Titel und Umfang des neuen Buches von Ildefonso Falcones an die, ebenfalls episch angelegten, Bücher „Die Säulen der Erde“ und „Die Tore der Welt“ von Ken Follet.

Anhand der Lebensgeschichte des, zu Beginn fast noch in Kinderjahren steckenden, Eseltreibers Hernando vollzieht Ildefonso Falcones die wechselhafte und sich durch fast ganz Spanien ziehende Geschichte dieser letzten Mauren auf spanischem Boden nach. Ein Volk mit arabisch-muslimischen Wurzeln, Erbe der weitreichenden Kulturgüter, Moscheen und Bibliotheken des Landes, zurückgeblieben auf meist eigenem Grund, nachdem die letzte Maurenarmee ihre bittere Niederlage eingestehen musste.

Hernando, Folge der Vergewaltigung seiner Mutter durch einen christlichen Priester, durchaus bereits christlich geprägt, im Geheimen aber ebenso muslimisch erzogen, seine Mutter und sein ihn hassender Stiefvater, bilden das Grundgerüst der Familiensaga, anhand derer die Geschichte der Morisken, beginnend in den Jahren um 1570, entfaltet wird.

Feldzüge und Aufstände, eigene Könige und bitter Niederlagen, Deportation, Trennung, Sklaverei. Intrigen und Verbündete durchziehen die Irrwege der Morisken und der Protagonisten des Buches von Juviles über Granada bis hin nach Cordoba und über das Meer hinweg in arabisches Hoheitsgebiet. Hierbei gelangt Hernando durch harte Zeiten und glückliche Zufälle in geachtete Postionen sowohl seines Volkes als auch des spanischen Adels, gewinnt vieles, wird aber auch immer wieder hart zurückgeworfen bis zum Ende des Buches hin.

Diese angelegte Breite der Geschichte in Zeit und Raum und die hohe Detaildichte im Blick auf das ausgehende, muslimische Leben im Spanien des 16. Jahrhunderts sind es, die Falcones deutlich abheben von anderen episch-geschichtlichen Betrachtungen in Romanform. Jeder Seite des Buches ist ab zu spüren, dass Falcones tief und mit eigener, innerer Beteiligung in die historischen Erkenntnisse über das moriskische Drama eingedrungen ist.

Es verwundert daher nicht, dass er es, in sprachlich bester Form, versteht, die Schönheit muslimisch Bauweise und Kultur, gerade auch im Blick auf die menschlich wertschätzende und von Achtung geprägte Form des Islam, feinfühlig darzustellen und damit einen wichtigen Baustein in die Diskussion über den Islam auch unserer Tage mit ein zu bringen. Ohne dabei die Schattenseiten der damaligen muslimischen und christlichen Welt zu verschweigen.

Ein mit besten Zutaten aus fundiertem Faktenwissen, geschichtlichen Ereignissen und einer wechselvollen und spannenden persönlichen Geschichte gewürztes Buch, sprachlich flüssig und hervorragend geschrieben, das ein langanhaltendes und mitreißendes Lesevergnügen in den Raum stellt.

3 von 4 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

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