Mit Sicherheit ist es dieses Buch, das Philip Roth, nicht nur aufgrund der Verfilmung, weltweit und auch besonders in Deutschland, bekannt gemacht hat. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Coleman Silk, ehemaliger Professor am Athena College, der durch haltlose Vorwürfe zum Rücktritt gezwungen wird und sich darauf ins Privatleben zurückzieht. Einzig und allein das Dienstmädchen Faunia Farley, die um den Tod ihrer Kinder trauert und von ihrem Ex-Mann, einem rabiaten Vietnam-Veteranen, verfolgt wird, steht ihm in dieser dunklen Zeit bei. Erzählt wird Silks Lebensgeschichte von seinem Nachbarn Nathan Zuckermann, der ein Buch über die Umstände schreiben soll, welche den Dozenten in den Ruhestand gezwungen haben. Der menschliche Makel schafft es den Leser zum Nachdenken zu bringen, insbesondere auf den ersten fünfzig Seiten, wo auf einer einfachen Ebene Schuldgefühle, Unterstellungen und Probleme der Wahrnehmung behandelt werden. So stellt Silk nicht nur den Archetyp eines in Ungnade gefallenen Menschen dar, sondern gibt gleichzeitig Auskunft über die Lage der USA im Jahre 1998. Roth verdient hier großes Lob, da er einen beinahe schelmischen Blick auf die Sozialpolitik des Landes wirft, das vor dem Hintergrund der Lewinsky-Affäre ihres Präsidenten, vor Vorurteilen, Scham und Heuchlerei nur so strotzt. Im Prinzip steht hier also nicht der Makel mit dem man geboren ist, sondern vielmehr der, den sich die Menschen selbst zufügen, im Vordergrund. Leider wird das Motto, Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein, bis zu einem Punkt ausgereizt, wo die Aufmerksamkeit des Lesers abzuschweifen droht. Zu detailliert, beinahe penibel genau, werden Gedanken und seelische Zustände der Figuren erkundet, wohingegen so spannende Handlungsstränge wie die von Les Farley, nur oberflächlich ausgearbeitet werden. Insgesamt ist Der menschliche Makel sicherlich ein sprachlich anspruchsvolles und äußerst intelligentes Buch, das den Anspruch des Unterhaltungsromans aber aufgrund vieler langatmiger Passagen nur streckenweise erfüllt.
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