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Der Bonbonpalast

Der Bonbonpalast

Roman

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Artikeldetails zu Der Bonbonpalast

AutorElif Shafak

Untertitel Roman

Abbildungsvermerk 22 cm

  • ISBN-103-8218-5806-0
  • ISBN-139783821858067
  • Verlag Eichborn Verlag
  • ÜbersetzerEric Czotscher
  • Einbandartgebunden
  • Seiten470
  • Auflage1. Auflage
  • VeröffentlichtSeptember 2008
  • GenreRoman
  • Gewicht759g
  • SpracheDeutsch

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Leseprobe aus Der Bonbonpalast

"DAVOR GAB ES HIER ZWEI ALTE FRIEDHÖFE: der eine klein, rechteckig und gepflegt, der andere gross, halbkreisförmig und verwahrlost, beide brechend voll und trotzdem verlassen. Sie bedeckten eine ziemlich grosse Fläche, teilten dieselbe verfallene Mauer und waren von einem efeubewachsenen Zaun und steilen, schattigen Hängen umgeben. Der grosse gehörte den Muslimen, der kleine den orthodoxen Armeniern. Damit niemand hinüberkletterte, hatte man auf der etwa eineinhalb Meter hohen Mauer zwischen den Friedhöfen verrostete Nägel, Glasscherben und sogar Spiegelstücke gesteckt, ohne sich um den Aberglauben zu kümmern. Die riesigen zweiflügeligen Eisentore zu den beiden Grabfeldern befanden sich am jeweils entgegengesetzten Ende, eines schaute nach Norden, eines nach Süden.Wenn nun einem Besucher eingefallen wäre, den anderen Friedhof zu besuchen, hätte er den"seinen"verlassen, die Mauer entlanggehen und, je nachdem von welchem Friedhof er kam, hinunter oder hinauf steigen müssen, um schliesslich das gegenüberliegende Tor zu erreichen. Doch diese Strapazen musste niemand auf sich nehmen, da kein Besucher mit Angehörigen auf einem Friedhof jemals auf die Idee kam, den anderen Friedhof zu besuchen.Trotzdem gab es Wesen, die Tag und Nacht hinüberwechselten. Der Wind, Diebe, Eidechsen und Katzen kannten alle möglichen Wege, um das Hindernis obenherum, untenherum oder mittendurch zu überwinden. Das blieb nicht lange so.Wegen des ständigen Zuzugs vom Land füllten sich alle Lücken in der Stadt mit Häusern, die von weitem aussahen wie eine Armee Betonsoldaten. Die beiden Friedhöfe wirkten bald wie zwei umbrandete einsame Inseln. Fortwährend wurden neue Wohnhäuser gebaut und ganze Häuserblocks hochgezogen, zwischen denen winzige, verwinkelte Gassen entstanden, die von oben wie Gehirnwindung en aussahen - die Häuser blockierten Strassen, und die Strassen wanden sich zwischen den Häusern hindurch. So wuchs die Stadt und schwoll an wie ein Fisch, der nicht merkt, dass er schon lange satt ist.Kurz bevor der Fisch platzte,musste der geblähte Bauch mit einem scharfen Messer aufgeritzt werden, damit er und die Menschen drinnen wieder atmen konnten. Dieser Schnitt bedeutete, dass bald eine neue Strasse nötig war. Durch das wilde Wachstum wurden die Strassen und Gassen bald zu eng, und der Verkehr staute sich wie Abwasser, das an den Ecken und Rändern nicht mehr abfliessen kann. Nun musste rasch eine grosse Strasse her, die wie ein Kanal alle Wege miteinander verband und den Verkehr wiederzum Fliessen brachte. Als sich die Verantwortlichen jedoch an die Planung der Strasse machten und die Gegend aus der Vogelperspektive betrachteten, erkannten sie schnell, dass sie in einer Zwickmühle steckten. Überall dort, wo die Hauptstrasse hätte entlangführen können, standen, als hätte sie jemand mit Absicht dorthin gestellt, ein Regierungsgebäude, eine Prominentenvilla oder aber die dicht an dicht gedrängten Häuser einkommensschwacher Familien, die zwar jedes für sich genommen leicht zu beseitigen gewesen wären, insgesamt aber einen aufwändigen Massenabriss erforderlich gemacht hätten. Um die Strasse zu bauen, musste ihr also erst einmal ein Weg gebahnt werden.

Rezensionen der Redaktion zu Der Bonbonpalast

'Betörend wie die Geschichten aus 1001 Nacht. Ein Buch, das Spaß macht - und neugierig auf Istanbul.“ (Für Sie, 14. Oktober 2008) ' ... eine erfrischende Liebeserklärung an Istanbul.“ (Cosmopolitan, November 2008) 'Für alle, die sic

Kurzbeschreibung zu Der Bonbonpalast

Dieser Roman ist eine Liebeserklärung an Istanbul Ein Haus als Metapher für eine ganze Stadt: 'Der Bonbonpalast" verwebt kunstvoll die Geschichten der zahlreichen Hausbewohner mit der Geschichte und Gegenwart Istanbuls, einer Stadt zwischen Mystik, Religion und der Kraft der Moderne. Ein ehemals prachtvolles Haus im Zentrum von Istanbul, gebaut von einem russischen Adeligen für seine Frau, ist der Schauplatz dieses Romans. Inzwischen ist der Â"BonbonpalastÂ" allerdings ziemlich verwittert - und Heimstatt nicht nur für eine, sondern gleich für zehn sehr unterschiedliche Familien. In der Erzählung ihrer Schicksale, Tragödien und Komödien folgt Der Bonbonpalast der Struktur von Tausendundeiner Nacht. In loser Folge und doch aufeinander bezogen werden die Schicksale und Erlebnisse eines zutiefst frommen Mannes, zweier ungleicher Zwillinge, die einen Friseursalon betreiben, eines namenlosen Ich-Erzählers, einer rätselhaften alten Frau, einer charmanten Schönheit und eines Marihuana rauchenden Studenten mit Hund erzählt - und damit die des Gebäudes und der Stadt. Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft, alles fließt in diesem Roman zusammen, der vor Geschichten nur so sprudelt, Geschichten, die so unglaublich sind und so real wie der Geruch des Hauses, dessen Quelle ganz am Ende an unerwarteter Stelle gefunden wird.

Portrait

Elif Shafak:
Elif Shafak lebt in der Türkei. Ihre Romane wurden in mehr als 25 Sprachen übersetzt. Für ihr Werk "Der Bastard von Istanbul" stand die Autorin wegen "Beleidigung und Verunglimpfung des Türkentums" unter Anklage, doch der Prozess wurde zu ihren Gunsten entschieden. Elif Shafak ist Universitätsdozentin, schreibt für Magazine und Zeitschriften und textet Songs für türkische Rockbands. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Istanbul.
Eric Czotscher:
Eric Czotscher praktiziert Hatha-Yoga seit 1978 und hat in den vergangenen Jahren auch Meditation und Aufmerksamkeitstraining als wirksame Tools für sich entdeckt. Yoga ist für ihn ein zuverlässiger Begleiter in allen Höhen und Tiefen des Berufslebens und Alltags, ob als Auslandskorrespondent in Dubai und Istanbul oder als Redaktionsleiter.

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40

29.11.2008

„Eine der Tausend Geschichten aus der Stadt am Bosperus”

von Silke Schröder, hallo-buch.de aus Hannover (silke.schroeder@hallo-buch.de)
Elif Shafak erzählt mit dem „Bonbonpalast“ eine der Tausend Geschichten
aus der pulsierenden Stadt am Bosperus. So vielfältig ihre Einwohner, so unterschiedlich sind auch die Schicksale der Hausbewohner im Bobonpalast. Nahtlos
fügen sich ihre Erzählungen ineinander, Alltägliches und Skurriles, Spannendes und
Anrührendes. Mit vielen Andeutungen und Verweisen auf die Geschichte und die
gegenwärtige Situation in der Türkei gelingt es der Autorin, uns in das Leben der
Riesenmetropole Istanbul einzuführen. Wer ebenso komische wie tragische Alltagsgeschichten mit orientalischem Flair mag, kommt hier voll auf seine Kosten.

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