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Der Außerirdische ist auch nur ein Mensch

Unerhört wissenschaftliche Erkärungen

buch
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Artikeldetails zu Der Außerirdische ist auch nur ein Mensch

AutorHarald Lesch

Untertitel Unerhört wissenschaftliche Erkärungen

  • ISBN-103-8135-0382-8
  • ISBN-139783813503821
  • Verlag Knaus
  • Einbandartgebunden
  • Seiten224
  • Veröffentlicht30.08.2010
  • Gewicht408g
  • SpracheDeutsch

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Leseprobe aus Der Außerirdische ist auch nur ein Mensch

Haben Sie schon einmal versucht, sich selbst auf den Arm zu nehmen? Nein? Sie meinen, das geht gar nicht? Auch nicht mit ausgefeilter Atemtechnik? Ich sage Ihnen, es geht! Man kann sogar nicht nur sich selbst auf den Arm nehmen, sondern in den Armen auch noch etwas halten. Die Wissenschaft zum Beispiel.
Das einzig Hinderliche sind dabei diejenigen, die ihrerseits auch etwas in ihren Armen tragen. Die Bedenkenträger. Im Sinne von: Darf man über die Wissenschaft lachen? Eigentlich nicht. Das ist normalerweise eine bierernste Sache. Aber manchmal muss man einfach, und sei es nur aus Hilflosigkeit. Da lacht man ja gerne mal, so als Übersprungshandlung. Und als Nichtfachmann oder Nichtfachfrau kann man wissenschaftlichen Erkenntnissen schon mal hilflos gegenüberstehen. Da reicht kein Überspringen mehr, da laufen die meisten gleich weg.
Doch Herrschaften, möchte ich ihnen zurufen, haltet ein! Es gibt ein einfaches Hilfsmittel, sich dem Unanschaulichen, Unerklärlichen selbstbewusst zu stellen - den Humor. Sich intelligent über Wissenschaft lustig zu machen, die komplexen Zusammenhänge moderner Wissenschaft so auf ein menschliches Maß zu bringen, das ist die Methode des liebevollen Humors. Einen Witz über etwas zu machen, hat schließlich auch damit zu tun, dass man etwas liebt. Man ist ja hier nicht als Zyniker unterwegs, sondern con amore.
Humor ist zutiefst human, er ist der menschliche Faktor in einer von Objektivität geprägten Welt wissenschaftlicher Erkenntnisse. Zugleich ist Humor inzwischen sogar selbst zum wissenschaftlichen Gegenstand geworden - und das ist an sich schon ein Grund zum Brüllen. Wenn ich lache, will ich doch nicht wissen, warum! Dann lache ich einfach. Punkt. Aber die Wissenschaft findet natürlich mal wieder keinen Punkt, dafür ist sie ja bekannt, und nahm kürzlich auch das Lachen unter die Lupe, genauer: unterzog es der funktionellen Magnetresonanztomographie. Und siehe da: Humor aktiviert den gleichen Hirnbereich wie Kokain und Geld. Es muss also nicht immer Koks sein, ein guter Comic tut es auch. Das ist nicht nur günstiger, sondern auch weniger schädlich.
Und jetzt kann die Wissenschaft von sich behaupten, die technischen Daten des Humors ganz genau zu kennen. Das eigentliche Geheimnis des Humors liegt im Nucleus accumbens. In einem Versuch legte man 16 Probanden lustige oder neutrale Comics vor und überwachte dabei die Aktivität verschiedener Gehirnareale. Die Gehirnregion mit dem unaussprechlichen Namen hat eindeutig am stärksten auf die witzigen Comics reagiert. Sie wird bei einem herzhaften Lachen mit dem Botenstoff Dopamin überschüttet, der emotionale Reaktionen steuert, sodass sich bei uns nach einem guten Witz ein gewisses Belohnungsgefühl, ja manchmal sogar Euphorie einstellt.
Humor scheint also sehr angenehm für unseren im Kopf angelegten Erkenntnisapparat zu sein. Und mehr noch: Je mehr Humor wir besitzen, desto gelassener reagieren wir und desto weniger schädigt Stress unsere Gesundheit. Schon der Dichter Joachim Ringelnatz brachte die segensreichen Wirkungen von Humor und Lachen auf den Punkt: Nichts verbindet mehr als gemeinsames Lachen. Humor ist sozusagen der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt.
In der Antike wurde der Begriff Humor allerdings noch ganz anders gebraucht als heute. Das lateinische Wort (h)umor bedeutet »Feuchtigkeit« und »Saft« und bezog sich auf das richtige Verhältnis der Körpersäfte im menschlichen Organismus. Zwar verlor das Wort im Laufe der Geschichte seine medizinische Bedeutung, aber es gibt immer noch Sprichwörter, die daran erinnern, dass Lachen mit Körpersäften zusammenhängt. Warum sonst wird ein Mensch, der nicht lacht, sondern sich ärgert, sauer? Vielleicht, weil ihm mit zu viel Ernst die Galle überläuft? Man weiß es nicht so genau. Der Psychologe Freud jedenfalls vermutete, dass der Mensch lache, um innere seelische Spannungen abzubauen. Andere wiederum sind der Meinung, das Lachen habe zumindest als unbewusste Form der menschlichen Kommunikation zu gelten. Je nach Kultur überspielt das Lachen die eigene Scham, vermeidet Konflikte oder überwindet Angst. Aber trotz aller Verschiedenheiten: Überall auf der Welt treten die Leute durch Lachen miteinander in Beziehung und bauen Vertrauen auf.
Wie wirkt das Lachen? Beim Lachen werden Muskeln vom Gesicht bis hinunter zum Bauch betätigt. Atmung und Kreislauf werden aktiv, das Gehirn wird mit mehr Sauerstoff versorgt, Arterien entspannen sich und das Immunsystem wird angeregt. Humor wirkt entspannend, Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Ob einer Humor hat oder nicht, das zeigt sich dann, wenn ihm das Lachen vergangen ist. Der Witzbold verdrängt, der Humorist verarbeitet. Vor allem in schwierigen Lebenssituationen hilft Humor, Abstand zu gewinnen und vor allen Dingen die eigene Person mit Distanz zu sehen. Damit erleichtert Humor schwere Aufgaben und hilft gerade in Krisen. Humor ist quasi das Immunsystem des Geistes. Ihm auch endlich einen gebührenden Platz bei der Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse zu geben, das ist das Ziel dieses Buches. Es soll Sie entspannen, etwas schlauer machen und ein wenig zum Schmunzeln bringen. Wenn Sie mögen, können Sie natürlich auch laut losgackern. Muss aber nicht sein. Ich jedenfalls hatte meinen Spaß dabei ...


Sex mit Außerirdischen
Sollte man Sex mit einem außerirdischen Lebewesen haben?
Das ist eine Frage, die sich vorderhand erst einmal nicht stellt. Weil der Außerirdische entweder bei drei wieder in seinem Raumschiff ist, sich sowieso andauernd verfliegt (siehe Seite 144) und Sie in der Wüste warten können, bis Sie alt und grau sind. Und dann will Sie vielleicht kein Außerirdischer mehr haben. Oder Sie wollen ihn oder sie nicht haben, weil Ihnen die Farbe nicht gefällt. Dieses Blassgrün. Aber da können die eigentlich nichts dafür. Wie würden Sie sich denn fühlen, wenn Sie jahrelang mit einer drehenden Scheibe durchs All gebraust wären? Wir wissen doch vom Kettenkarussell, wie es einem dabei gehen kann.
Wahrscheinlichkeit hin oder her: Da in Science-Fiction-Geschichten diese Sache immer wieder angesprochen wird, muss das an dieser Stelle einmal thematisiert werden. Aber ist das so einfach möglich, dass sich Organismen von einem Planeten mit Organismen eines anderen Planeten paaren? Also irgendwie. Das muss ja nicht so sein, wie wir Menschen das machen, das kann ja irgendwie sein.
Nun, ich würde davor warnen.
Wir reden ja schon auf unserem Planeten von Safer Sex, da kann man sich Sachen holen, die schnell zu einer Katastrophe werden können. Ganz sicher ist aber, dass Sex mit einem Außerirdischen zu einer Ultrakatastrophe führen könnte. Denn dieViren und Bakterien von einem anderen Planeten, die werden sicherlich ganz anders funktionieren als die Viren und Bakterien, die wir kennen und an die wir angepasst sind. Insofern ist die Äußerung einer Wuppertaler Yogalehrerin, sie hätte den besten Sex ihres Lebens mit einem Pegasianer gehabt, mit großer Vorsicht zu genießen. Man sollte zumindest versuchen, sich da zu schützen, sonst kann das schnell in eine Katastrophe münden.
Wir wissen außerdem gar nicht, wie die Libido eines Außerirdischen so ist. Was uns da eigentlich erwartet. Im Zweifel warne ich grundsätzlich davor, mit Außerirdischen zu nah in Kontakt zu kommen. Die sind ja auch meistens schlecht gelaunt. Im Universum ist nichts los, immer sieht man die gleichen Gesichter, das hängt einem irgendwann zum Hals heraus. Wenn die Außerirdischen mit hoher Geschwindigkeit zu uns geflogen sind, dann steht fest: Die haben keine Heimat mehr. Denn zu Hause bei ihnen auf dem Planeten sind vielleicht ein paar tausend Jahre vergangen, da kennt sie keiner mehr. Die haben keine Freunde mehr, sie können also vor niemandem mit ihren Erlebnissen angeben, der sie noch kennt.
Deswegen sollte man vorsichtig sein, Außerirdische nicht ansprechen, freundlich sein. Aber auf keinen Fall irgendetwas von denen annehmen und, unter uns gesagt, auf gar keinen Fall Sex mit ihnen!


Jenseits des normalen Irrsinns
Katastrophe
Ich weiß jetzt leider nicht, wie die Geschichte mit der Wuppertaler Yogalehrerin und dem flotten Pegasianer ausgegangen ist. Muss man einen von ihnen bedauern? Den Pegasianer vielleicht? Der wusste ja auch nicht, auf was er sich da eingelassen hat. Yoga! So was kennt der doch gar nicht. Und wir können uns ja alle bildlich vorstellen, auf welche Verrenkungen der sich da so einstellen musste. Nee, nee, das kann sich für den ganz schnell zu einer Katastrophe ausgewachsen haben, auch wenn er keine Ahnung hat, was wir Menschen damit meinen, wenn wir uns die Haare raufen und rufen: Katastrophe! Der denkt vielleicht, die macht sich gerade die Haare schön, weil man das heute so trägt in Wuppertal. Aber ich schweife ab.
Eine Katastrophe ist gemeinhin etwas, das schlimmer ist als der Normalfall. Also, im Normalfall passiert ja auch schon immer etwas, hier und da so ein kleines
Unglück. Sie wissen schon: Frühstücksei auf der frischen Krawatte, bei unpassender Gelegenheit aufgedonnert, Bananenschale übersehen.
Aber eine Katastrophe, das ist nicht nur ein etwas größeres Unglück, sondern das ist eine Riesen. ja eben: eine Riesenkatastrophe. Also wenn richtig viel kaputtgeht und wenn sehr viele Leute davon betroffen sind, dann spricht man von einer Katastrophe.
So was geht ja weit über Sie und Ihr Problem mit der Bananenschale hinaus; es sein denn, Sie reißen im Fallen gleich noch den Marktstand, an dem Sie sich festhalten wollten, und den Gemüsehändler und mindestens fünf weitere Kunden mit zu Boden. Und die herumkullernden Melonen verursachen auf der Straße eine Massenkarambolage.
Aber eine richtige Katastrophe wäre das wohl immer noch nicht, auch wenn es Ihnen vermutlich so vorkommt, wie Sie da auf dem Rücken liegen und den Himmel nicht mehr sehen können vor lauter Gemüse und Obst und schimpfenden Marktfrauen, die sich den Tag sicher auch anders vorgestellt haben.
Eine richtige Katastrophe - muss ich Ihnen das jetzt wirklich erklären? Wie das ist, wenn irgendwo eine Riesenwelle über einen Strand läuft und es waren ein paar tausend Menschen auf dem Strand, also vor der Welle, und die sind dann weg? Das ist eine Katastrophe.
Oder Umweltkatastrophen. Wenn ein ganzer Industriekomplex plötzlich explodiert und sich Dioxin über hundert Quadratkilometer verbreitet. Oder hier: Tschernobyl. Haben Sie schon vergessen? Oder verdrängt? Das sind echte Katastrophen!
Und das sollten wir uns immer mal wieder vor Augen halten, wenn das arme Tier in uns mit uns durchgeht. Wenn wir einen Tag hinter uns haben, an dem das Frühstücksei danebengegangen ist oder sich eine Banane in selbstmörderischer Absicht vor unsere Füße geworfen hat. Das ist Alltag! Aber wirklich keine Katastrophe. Sondern nur der ganz normale Wahnsinn. Leben eben.


Riiisiiikooo! Uah! Ist es Ihnen in den gefühlten Anfangsjahren des Fernsehens in Ihrem Ohrensessel bei diesem Wort auch immer kalt den Rücken hinuntergelaufen? Ja, das waren noch Zeiten, als es nur drei Programme gab und die halbe Nation dabei zugesehen hat, wie Experten auf dem Gebiet der Bevölkerungsstruktur Pompoloniens oder des Fortpflanzungsverhaltens des Schwarzen Kiefernprachtkäfers (das übrigens dabei helfen kann, Waldbrände frühzeitig zu erkennen: der Käfer als Feuermelder sozusagen) erst Fragen beantworten mussten und später mit eigentümlichen Kopfhörern versehen in
Glaskugeln gesteckt wurden, in denen sie - begleitet von dramatischer Musik und einer unerbittlich tickenden Uhr - mysteriöse Umschläge öffnen mussten.
Das war noch richtiges Lehrfernsehen! Da hat man den Leuten noch direkt am Gesicht ablesen können, was Risiko bedeutet. Da traten dann ganz langsam die Schweißperlen auf die gekräuselte Stirn und über den Köpfen formierten sich riesige Fragezeichen: Was soll ich tun? Was wird werden? Aber diese Fragen kann man sich nur stellen, wenn man Möglichkeiten hat. Oder im Fernsehen ist.
Man könnte sagen, Risiko ist nur dann in der Welt, wenn man verschiedene Optionen des Handelns hat. Wenn es also eine gewisse Wahrscheinlichkeit gibt, dass ein negatives Ereignis eintreten könnte. Oder wenn es eine gewisse Wahrscheinlichkeit gibt, dass ein negatives Ereignis multipliziert mit einer finanziellen Belastung eintritt. So etwas erhöht das Risiko gleich ungemein. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass ein Risiko selten allein kommt. Ist ja auch schöner für so ein Risiko, wenn es nette Begleitung hat.
Wenn Sie jetzt zum Beispiel in der Quizsendung die Risikofrage richtig versemmelt hätten, weil Sie leider nicht wussten, dass Ihr Hauskäfer einen direkten Draht zur Feuerwehr hat, dann wäre das so ein Fall für den Risiko-Escortservice. Sie haben nicht nur die einmalige Gelegenheit ergriffen, sich vor einem Millionenpublikum zu blamieren, sondern auch gleich die Kohle aus den Händen gegeben, die Sie doch schon so fest eingeplant hatten.
Einfach, weil Sie sich verzockt haben! Weil Sie dem allzu menschlichen Drang der Selbstüberschätzung nachgegeben haben. Weil Sie nicht einkalkuliert haben, dass die Sache auch schiefgehen könnte.
Aber letzten Endes ist es doch so: Uns interessiert ein Risiko eigentlich nur dann, wenn es verspricht wirklich teuer zu werden. Das sind sozusagen unsere Lieblingsrisiken. Es gibt Bindungsrisiken, nun ja, soll man sich in eine Beziehung hineinstürzen oder nicht, man weiß ja nie, was dabei herauskommt. Und es gibt existenzielle Risiken. Das sind sozusagen die grundlegenden menschlichen Risikoquellen. Beziehungen und Existenzen. Dazwischen gibt es noch Risikoabschätzungen - was soll ich tun im Handel und in der Wirtschaft (noch ein Bier oder ist dann schon der Lappen weg?), oder was soll ich jetzt in diesem Augenblick in meinem Leben tun? Das sind gewissermaßen »Risikinos«, die ganz kleinen Risiken.
Aber letztlich muss man natürlich sagen: Risiko ist die Voraussetzung für Freiheit. Ohne Freiheit gibt es kein Risiko und es gibt auch keine Freiheit ohne Risiko. Das heißt, Sie haben eigentlich immer die Gelegenheit, auch ganz anders entscheiden zu können. Wenn ich aber feige bin, meine ich, nee, das Risiko nehme ich nicht auf mich. Also mit anderen Worten: Wer wagt, gewinnt. Es sei denn, er verliert.


Das kriegen wir auf einmal nicht hin, das ist mir schon klar, aber ich versuch's trotzdem mal. Also: Entropie ist das Maß für die Anzahl der Möglichkeiten, die es gibt. Und die Entropie nimmt immer zu, weil die Anzahl der Möglichkeiten ständig zunimmt. Aber warum nimmt die Anzahl der Möglichkeiten im Kosmos immerzu zu? Weil das Universum expandiert. Und es gibt überhaupt keine Chance, da wieder herauszukommen.
Der Begriff Entropie wird auch oft verwendet als ein Maß für Unordnung. Aber bevor Sie nun in Erwägung ziehen, den Stoßseufzer »Hach, ist das wieder entropisch!« anzubringen, wenn Sie mal wieder den Lippenstift in Ihrer Handtasche nicht finden: Vorsicht, denn so stimmt das nun eigentlich auch wieder nicht. Denn im Grunde ist Entropie nur eine Aussage darüber, ob ein System mehr Möglichkeiten hätte, sich auch ganz anders zu verhalten, als es das tut. Die Entropie ist sozusagen der Zustand, den ein System zu maximieren versucht. Also gewissermaßen möglichst viele Möglichkeiten realisierbar zu haben. Und das wiederum hat etwas mit Unordnung zu tun.
Die Unordnung ist ein Zustand maximaler Entropie. Je maximaler die Entropie in einem System werden kann, umso mehr versucht ein System, in diese Richtung zu gehen. Das können Sie übrigens gut bei einem Glas Bier beobachten. Frisch gezapft. Ganz frisch. Also ein frisches Pils. Wenn Sie dieses Bier stehenlassen, dann wird aus dem Schaum irgendwann mal Bier. Das bedeutet, nach dem Satz von der zunehmenden Entropie und dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik, dass offenbar der Schaum der geordnetere Zustand ist - relativ gesehen zur Flüssigkeit. Weil, der Schaum verwandelt sich ja in Flüssigkeit. Das merken Sie auch, wenn Sie nur lange genug warten. Der Schaum, das sind Bläschen, und die Teilchen, die sich darin befinden, können sich nur innerhalb der Bläschen wenden und bewegen, während in der Flüssigkeit überall Bewegungsraum für die Teilchen vorhanden ist. Aber denken Sie jetzt nicht weiter darüber nach, trinken Sie lieber Ihr Bier leer. Prost.


Also, damit wir uns jetzt nicht falsch verstehen: Ich meine Trinken, gepflegt Trinken, nicht Saufen. Dass die da oben das nicht dürfen, ist klar. Obwohl ja eigentlich keiner da ist, der das so einfach überprüfen könnte, den Funkverkehr kann man schließlich abstellen. Und nachdem auf bewegten Bildern aus dem All alle irgendwie herumtorkeln, könnten die sich da schon ordentlich einen hinter die Binde gießen.
Aber damit geht's schon los. Da ist nämlich nichts mit Gießen, das fliegt Ihnen schneller um die Ohren und schnurstracks in die nächste Hightechanlage, als Sie schlucken können. Nein, Sie bekommen Ihre Getränke da oben in kleinen Plastikbeutelchen serviert, Strohhalm inklusive. Rotwein auf diese Weise einverleibt, knallt ganz schön, aber ein Genuss ist das nun auch wieder nicht.
Wirklich interessant wird es dann bei der Aufnahme von kohlendioxidhaltigen Getränken. Das ist ja hier auf der Erde nichts Ungewöhnliches. Man öffnet eine Dose oder entploppt eine Flasche und gießt den Inhalt in sich rein. Das läuft dann da hinten richtig runter und kracht vor allen Dingen dann, wenn das Kohlendioxid hinterher wieder rauskommt.
Ja genau. In der Schwerelosigkeit kommt da gar nichts raus. Hier, also auf der Erde, ist es die Schwerkraft, die gewissermaßen das eine vom anderen trennt, deswegen können die Gase nach oben und als ordentliches Gerülpse wieder raus. In der Schwerelosigkeit allerdings bleibt das alles da unten drin. Also wenn man sich da einen ordentlich reingießt, sagen wir mal eine Flasche Sprudelwasser, dann kriegt man eine dicke Wampe. Einen Blähbauch. Deswegen ist die Aufnahme von einem Glas Bier - stellen Sie sich mal vor, Sie wollen sich ein Glas Pils eingießen, sieben Minuten zapfen ist ja nicht möglich, aber Sie haben vielleicht eine Flasche dabei -, tja, das können Sie vergessen.
Das ganze Leben in der Schwerelosigkeit ist irgendwie total glücklos, überhaupt nicht schön. Also überhaupt nicht. Es ist kein Wunder, dass die Leute nach einer Weile wieder froh sind, nach Hause zu kommen. Der Blick durchs Fenster auf die Erde ist ja mal ganz schön, aber 'n richtiges Bier trinken oder was Ordentliches essen, das ist es doch eigentlich! Das ist Balsam für die Seele.


Man muss jetzt natürlich unterscheiden: Befindet man sich gerade in einer Rakete, die mit großer Geschwindigkeit beschleunigt wird und davonfliegt, oder befindet man sich im freien Fall. Also: Entweder fliegt die Rakete hoch, oder die Raumkapsel oder Raumstation bewegt sich im freien Fall um die Erde. Das Erste ist eigentlich relativ langweilig. Wenn die Rakete beschleunigt wird, dann kann man genauso essen wie unten auf der Erde, weil man seine Schwerkraft spürt und alles ist gut.
Interessant wird es eigentlich erst, wenn Sie versuchen, in der Schwerelosigkeit etwas zu sich zu nehmen. Das ist nämlich gar nicht schön. Das ist sogar richtig uäh. Weil, man serviert Ihnen da oben ja gar kein richtiges Essen, sondern so etwas Eingeschweißtes, Gefriergetrocknetes, das anschließend mit warmem Wasser wieder irgendwie weich gemacht wird. Also quasi Pampe. Das muss natürlich auch so sein, denn es dürfen ja schließlich keine Krümel in der Weltgeschichte herumfliegen.
Stellen Sie sich mal vor, Sie beißen in der Schwerelosigkeit in so eine richtig frische, frisch gebackene, knusprige Semmel. Oder in ein Brötchen, ganz wie Sie wollen. Aber frisch muss es sein. Und dann beißen Sie da rein und Hunderttausende von Krümeln machen sich auf ihren Weg quer durch die Raumstation. Das Unangenehme an diesen Krümeln ist ja, dass sie natürlich genau dahin fliegen werden, wo sie irgendeinen technischen Schaden anrichten können.
Sie haben jetzt also fünf Astronauten, die da sonntagmorgens - wobei, das ist schwierig für die, weil die ja immer um die Erde herumkreisen und gar nicht wissen, haben sie Nacht oder Tag - also, die irgendwann am Sonntag so richtig in ihre Semmeln beißen und dann vielleicht noch versuchen, ein frisch gekochtes Ei ... Stellen Sie sich die Sauerei mal vor! Da läuft denen das Eigelb über den Löffel drüber und das Ganze in der Raumstation ... und wer wischt den Dreck wieder auf?
Das wäre mal eine Frage, die die Menschheit wirklich bewegt! Und weil das so irre ist, dieses Thema, muss ich gleich noch einen zweiten Teil dazu machen.

Kurzbeschreibung zu Der Außerirdische ist auch nur ein Mensch

Keiner erklärt die Welt vergnüglicher als Harald Lesch


Harald Lesch, Moderator der ZDF-Sendung "Abenteuer Forschung", erklärt und kommentiert Klassiker, neueste Entdeckungen und Irrtümer der Forschung: Nie sinnfrei, aber immer mit Humor. Vom sockenverschlingenden Bermudadreieck in der eigenen Waschmaschine bis zu neuen Schlaftechniken und raumfahrenden Fischen. Sie stehen vor dem Spiegel und überlegen, ob Sie einen gestreiften Pulli anziehen sollen. In der Tierwelt klappt das ja auch, mit den Streifen und der Tarnung, denken Sie. Kaum auf der Straße stellen Sie fest, dass alle Sie anstarren. Tja, der gemeine Dickmaulrüssler hat der Krone der Schöpfung wohl so einiges voraus ... Und auch das Bier, das Sie gestern getrunken haben, hat mehr mit Ordnung zu tun, als Ihr Schreibtisch, dessen Chaos übrigens mit einem anderen Chaos zusammenhängt, durch das alles, also wirklich alles hier entstanden ist. Das soll kompliziert sein? Wer hat eigentlich gesagt, dass die Welt simpel ist? Voller Geheimnisse ist sie - aber einige (Geht Sex im Weltraum und wenn ja wie oft?) lüftet der aus dem Fernsehen bekannte Physikprofessor Harald Lesch in seinem witzigsten Buch.


Autorenportrait zu Der Außerirdische ist auch nur ein Mensch

Harald Lesch ist Professor für Theoretische Astrophysik am Institut für Astronomie und Astrophysik der Universität München, Fachgutachter für Astrophysik bei der DFG und Mitglied der Astronomischen Gesellschaft. Einer breiteren mffentlichkeit ist er durch die im Bayerischen Fernsehen laufende Sendereihe „alpha-Centauri“ bekannt. Seit September 2008 ist er Nachfolger von Joachim Bublath in der ZDF-Reihe „Abenteuer Forschung“.

Portrait

Harald Lesch:
Harald Lesch wurde am 28. Juli 1960 in Gießen geboren, studierte von 1979 bis 1984 Physik in Gießen und Bonn, promovierte 1987. Von 1988 bis 1992 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Landessternwarte in Heidelberg, am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn und an der University of Toronto. Seit 1995 ist er Professor für theoretische Astrophysik an der Universität München. Seit 1998 moderiert er die Sendung alpha-centauri beim Bayerischen Fernsehen. Mit dem QUOT-Team (das sind 15 Physik-Studentinnen und -Studenten) veröffentlicht er bereits 2003 im Piper Verlag »Physik für die Westentasche«.

Autorenportrait

Harald Lesch ist Professor für Theoretische Astrophysik am Institut für Astronomie und Astrophysik der Universität München, Fachgutachter für Astrophysik bei der DFG und Mitglied der Astronomischen Gesellschaft. Einer breiteren mffentlichkeit ist er durch die im Bayerischen Fernsehen laufende Sendereihe „alpha-Centauri“ bekannt. Seit September 2008 ist er Nachfolger von Joachim Bublath in der ZDF-Reihe „Abenteuer Forschung“.

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50

21.11.2010

„Wissenschaft mal anders”

von einer Kundin oder einem Kunden
Harald Lesch hat sich mit seinem neuen Buch mal wieder selbst übertroffen.Er schafft es, meist trockene und harte Fakten der Wissenschaft derart witzig darzustellen,das man selbst glaubt, man verstünde was von diesen Dingen...


Einfach zu komisch und super lustig!!!

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50

08.09.2010

„Wissenschaft aber wirklich mal ganz anders”

von Michael Lehmann-Pape Top-100 Rezensent Top 100 Rezensent
Dass das Risiko die Voraussetzung für Freiheit ist, ist eine einerseits altbekannte Tatsache, die andererseits sehr gerne immer wieder vergessen wird. Freiheitliches Leben, aber auf jeden Fall, natürlich nur mit rundumsorglos Versicherungen.
Und das Artenvielfalt von Natur aus nicht ohne Kakerlaken, Mücken, Wanzen und ähnlichem Ungeziefer zu haben sein wird, sollten wir uns auch hinter die Ohren schreiben, wenn wir wieder eine lästige Mücke mit von ihrem Futterplatz auf unserem Arm verjagen.
Dass zudem das Frühstücken im Weltall ein tödliches Risiko beinhaltet, sollte man es mit frischen Brötchen versuchen, versteht sich da schon fast von selbst.

Nur drei der unzähligen Hinweise, mit denen Harald Lesch in ganz anderer, streckenweise umwerfend komischer Art und Weise harte wissenschaftliche Fakten vom Blick auf Sex mit Außerirdischen über Entropie bis hin zur Relativitätstheorie, jeweils verpackt in teils äußerst schräge Sinnzusammenhänge, doch in bester Weise erläuternd und erklärend dem Leser nahe bringt. Noch nie zumindest wurde selbst trockenste Wissenschaft in solch anregender Art und Weise komprimiert und verpackt.

Die Relativitätstheorie erläutert auf knapp zwei Seiten und dass ohne jede Formel? Das geht tatsächlich.
Wie auch die Vielfalt der assoziativen Betrachtung naturwissenschaftlicher und philosophischer Phänomene im Kern immer in bester und verständlicher Weise in den Raum treten, umgeben von kleinen Geschichten und Erläuterungen, die das Gehirn dazu auffordern, in ganz spielerischer Art und Weise, um die Ecke denkend, sich dem jeweiligen Punkt der Betrachtung zu nähern.

Mit der ihm eigenen Methode des liebevollen Humors gelingt Harald Lesch so, was er sich selbst als Ziel setzt: Wissenschaft dergestalt auf ein menschliches (und verständliches) Maß zu bringen, dass dem unbefangenen Leser nicht nur theoretisches Wissen erläutert, sondern dies zugleich in den Zusammenhang des Lebens stellt.
Wunderbar, wie er sich dem Stahl über eine stahlblaue Assoziationskette nähert und zugleich die Augen für den komplexen Vorgang der Stahlerzeugung öffnet.

Harald Lesch, Moderator der ZDF Sendung „Abenteuer Forschung“ und Professor für Astrophysik und Philosophie in München, weiß, wovon er redet, ist in der Lage, didaktisch über den Humor sein Wissen prägnant zu vermitteln und besitzt den Vorteil, beide Seiten zu leben, die trockene Naturwissenschaft und die menschlich fragende Philosophie. Kein Wunder, dass er selbst seine Neigungen ebenso weit entfernten Polen Wie Goethe und Star Trek anvertraut.

Ein flüssig und locker zu lesendes Buch mit einem fundierten Kern aus harten Fakten und umfassendem Wissen, dass in bester Weise sich beim Lesen vermittelt.

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