Fragen an Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer
Professor Grönemeyer, Sie sind als Arzt und Leiter des Instituts für Mikrotherapie in Bochum, als Hochschullehrer und Stifter ein mehr als vielbeschäftigter Mann. Wie finden Sie die Ruhe und die Zeit, Bücher zu schreiben?
Zeit ist ja auch eine Form der Haltung. In mir steckt eine große Leidenschaft für das, was ich tue. Zum einen gelingt es mir häufig, mich auf den Moment zu konzentrieren und präsent zu sein, so dass ich alles andere vergesse. Zum anderen lebe ich natürlich für eine Sache, die mich wirklich bewegt. Ich möchte helfen, die Wahrnehmung für Medizin zu verändern, weil sie ein wesentliches gesellschaftliches Thema, ein Kulturgut ist.
Was ist Ihre Lieblingsbeschäftigung?
So oft wie möglich mit Menschen zusammen zu sein, mit denen ich mich freundschaftlich verbunden fühle, zu sprechen, gemeinsam zu kochen, zu essen, zu feiern. Ich schaffe mir aber auch immer wieder Augenblicke der Ruhe, vor allem aber genieße ich jeden Augenblick.
Haben Sie eine Lieblingstugend?
Die Tugenden aus der Bergpredigt, insbesondere Barmherzigkeit und Sanftheit.
Viele Menschen fürchten eine gesunde Lebensweise, weil sie sie mit Verzicht und Selbstkasteiung gleichsetzen. Kann man auch gesund leben und trotzdem genießen?
Man muss nicht unbedingt ein "Gesundheitsfanatiker" sein - ich selbst bin auch keiner. Die Balance sollte einfach stimmen. Jeder kann mal Plätzchen und Braten essen, wenn er auf der anderen Seite auch für nähr- und ballaststoffreiche Kost und ausreichend Bewegung sorgt.
Was lesen Sie gerne? Haben Sie ein Lieblingsbuch?
Eines meiner Lieblingsbücher ist "Der Name der Rose" von Umberto Eco. Ein faszinierender Roman, der mich mit seiner Mischung aus historischen und philosophischen Elementen und seiner ungeheueren Komplexität immer wieder von neuem fesselt. Auch religionsgeschichtlich ein Genuss und eine Anregung zu weiteren Nachforschungen.
Zum Schluss: Was sind Ihre drei wichtigsten Tipps, um gesund zu bleiben?
Sich viel bewegen, Sport treiben - "turne bis zur Urne" -, viel lesen, singen, tanzen und soziale Kontakte pflegen, das hält körperlich und geistig jung.