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Am Beispiel eines Lebens

Am Beispiel eines Lebens

Die autobiographischen Texte in einem Band

buch
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Artikeldetails zu Am Beispiel eines Lebens

AutorUwe Timm

Untertitel Die autobiographischen Texte in einem Band

Abbildungsvermerk Neudurchges. und erg. 2010. 19,5 cm

  • ISBN-103-462-04220-3
  • ISBN-139783462042207
  • Verlag Kiepenheuer & Witsch...
  • Einbandartgebunden
  • Seiten568
  • Auflage1. Auflage
  • Veröffentlicht18.03.2010
  • Gewicht581g
  • SpracheDeutsch

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Kurzbeschreibung zu Am Beispiel eines Lebens

Leben in bewegter Zeit. Uwe Timm wird siebzig. Statt einer Autobiographie, die es nach seiner Auskunft nicht geben wird, veröffentlicht KiWi zu diesem Anlass eine Sonderausgabe seiner autobiographischen Schriften: die römischen Aufzeichnungen "Vogel, friss die Feige nicht" und die Erzählungen "Am Beispiel meines Bruders" und "Der Freund und der Fremde". Der Autor hat diese Texte neu durchgesehen und ergänzt. Erzählt wird vom eigenen Leben und damit auch vom Leben anderer Menschen, die für Timm von Bedeutung waren - der in Russland gefallene ältere Bruder, der Freund und Lyriker Benno Ohnesorg, der durch eine Polizei-kugel starb, der Dramatiker Heinar Kipphardt. Mit ihnen kommt die deutsche Kriegs- und Nachkriegszeit in den Blick, das Adenauer-Deutschland der Fünfzigerjahre und die bewegte APO-Zeit. Dem Zusammenhang von Leben, Politik, Kunst wird zudem am Beispiel historischer Gestalten wie Caravaggio und Antonio Gramsci nachgegangen.
Die autobiographischen Texte in einem Band.

Autorenportrait zu Am Beispiel eines Lebens

Uwe Timm, geboren 1940. Freier Schriftsteller seit 1971. Sein literarisches Werk erscheint im Verlag Kiepenheuer & Witsch, zuletzt "Am Beispiel meines Bruders", 2003, mittlerweile in 17 Sprachen übersetzt, "Der Freund und der Fremde", 2005, und "Halbschatten", Roman, 2008. Uwe Timm wurde 2006 mit dem Premio Napoli sowie dem Premio Mondello ausgezeichnet und erhielt 2009 den Heinrich-Böll-Preis.
Weitere Titel bei Kiepenheuer & Witsch: "Der Mann auf dem Hochrad", Legende, 1984 "Morenga", Roman, 1984. "Der Schlangenbaum", Roman, 1986. "Vogel, friß die Feige nicht. Römische Aufzeichnungen", 1989. "Kopfjäger", Roman, 1991. "Erzählen und kein Ende", 1993. "Die Entdeckung der Currywurst", Novelle, 1993. "Johannisnacht", Roman, 1996. "Nicht morgen, nicht gestern", Erzählungen, 1999. "Eine Hand voll Gras", Drehbuch, KiWi 580, 2000. "Rot", Roman, 2001, Sonderausgabe 2005. "Am Beispiel meines Bruders", 2003. "Der schöne Überfluss. Texte zu Leben und Werk von Uwe Timm", hrsg. von Helge Malchow, 2005.

Portrait

Uwe Timm:
Uwe Timm wurde am 30. März 1940 in Hamburg geboren. Nach der Volksschule absolvierte er eine Lehre als Kürschner und besuchte das Braunschweigkolleg. 1963 bestand er sein Abitur. Es folgte ein Studium der Germanistik und Philosophie in München und Paris. 1967/68 politische Tätigkeit im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS). 1970-1972 Studium der Soziologie und Volkswirtschaft in München. Seit 1971 freier Schriftsteller. 1971/72 gründete die "Wortgruppe München" und war Mitherausgeber der Zeitschrift "Literarische Hefte". Von 1972 - 1982 gab er die "Autoren-Edition" heraus. 1981 "Writer in residence" an der Universität Warwick, Großbritannien. 1981-1983 Aufenthalt in Rom. 1991/92 Paderborner Gastdozentur für Schriftsteller. Seit Herbst 1994 ist er ordentliches Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Darmstadt, und des PEN-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland. 2006 erhält er den Jakob-Wassermann-Preis und Premio Napoli.

Autorenportrait

Uwe Timm, geboren 1940. Freier Schriftsteller seit 1971. Sein literarisches Werk erscheint im Verlag Kiepenheuer & Witsch, zuletzt "Am Beispiel meines Bruders", 2003, mittlerweile in 17 Sprachen übersetzt, "Der Freund und der Fremde", 2005, und "Halbschatten", Roman, 2008. Uwe Timm wurde 2006 mit dem Premio Napoli sowie dem Premio Mondello ausgezeichnet und erhielt 2009 den Heinrich-Böll-Preis.
Weitere Titel bei Kiepenheuer & Witsch: "Der Mann auf dem Hochrad", Legende, 1984 "Morenga", Roman, 1984. "Der Schlangenbaum", Roman, 1986. "Vogel, friß die Feige nicht. Römische Aufzeichnungen", 1989. "Kopfjäger", Roman, 1991. "Erzählen und kein Ende", 1993. "Die Entdeckung der Currywurst", Novelle, 1993. "Johannisnacht", Roman, 1996. "Nicht morgen, nicht gestern", Erzählungen, 1999. "Eine Hand voll Gras", Drehbuch, KiWi 580, 2000. "Rot", Roman, 2001, Sonderausgabe 2005. "Am Beispiel meines Bruders", 2003. "Der schöne Überfluss. Texte zu Leben und Werk von Uwe Timm", hrsg. von Helge Malchow, 2005.

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50

31.07.2011

„autobiographische Schriften”

von Fl. Kluge aus Wolfenbüttel Top-100 Rezensent Top 100 Rezensent
Der Verlag KiWI hat zum 70igsten Geburtstag des Autors Uwe Timm seine biographischen Schriften in einem Band vereint. Der Autor sagt:"Es wird keine Autobiografie von mir geben!" Deshalb muß sich der Leser mit diesem Werk zufrieden geben. Die zwei Erzählungen "Am Beispiel meines Bruders", "Der Freund und der Fremde", sowie die römischen Aufzeichnungen "Vogel, friss die Feige nicht" wurden vom Autor für dieses Buch noch einmal durchgesehen, ergänzt und es wurden noch zwei kürzere Texte, die bisher nicht allein erschienen sind "Warentermingeschäfte oder Die wunderbare Wirklichkeit der Alten Welt" und "Das Nahe, das Ferne", sowie ein Nachwort von Matthias Greffrath, hinzugefügt. Dabei wurden die Schriften nicht nach ihrer Erscheinung, sondern chronologisch geordnet. Die Menschen und Ereignisse, die wichtig im Leben von U.T. waren und auch eine Bedeutung für die Zeitgeschichte Deutschlands darstellen, werden in diesem Buch, genannt. Vom älteren Bruder, der im II. Weltkrieg fiel, über den Freund Benno Ohnesorg, der durch eine Polizeikugel 1967 getötet wurde. Aber auch die Menschen, wie sein Vater, Mutter oder die Schwester, werden in diesem Buch beschrieben und psychologisch verarbeitet. Es gibt einige Bezüge seines Lebens, die später in Romane, Erzählungen oder Novellen Eingang gefunden haben. Herr Timm hat in seiner bekannten, klaren, sehr gut lesbaren Ausdrucksweise, die nie langatmig wird, sondern immer interessant ist, ein Deutschlandbild beschrieben, dass einiges erklärt. Ich kann nur hoffen, dass dieses Buch viele Leser finden wird!!!

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50

06.10.2010

„zögernd beharrlich”

von einer Kundin oder einem Kunden
Ein Band, der Erzählungen und Aufzeichnungen von Uwe Timm versammelt – Chronik eines halben Jahrhunderts deutscher Geschichte: Timm schreibt über Heinar Kippardt, Benno Ohnesorg, seinen im zweiten Weltkrieg gefallenen Bruder und befragt immer wieder: sich.
Und „über mich“ meint bei Uwe Timm das „Ich“ des Schreibenden, keine literarische Konstruktion, keine Spiegelung, Brechung, kein Spiel mit Metaebenen, wie das zum Beispiel den sich immer wieder kommentierenden Stil Christa Wolfs ausmacht. Nein, hier stellt ein verwundbarer, ratloser, suchender Autor Fragen – und das ist nicht konstruiert, sondern aus Erleben und Erinnerung (und Erinnerungslücken) erwachsen. Daraus entsteht ein Wandern offenen Auges durch das letzte Jahrhundert, das – ohne Antworten, ohne rahmende Kommentare – den Leser mit Geschichte konfrontiert, sehr konkreter Geschichte, sehr konkreten Fragen. So löst Timm in einer Art „Gesprächsangebot“ an seinen Leser ein, was er in seinem Versuch über Kipphardt dem Freund zuschreibt: „das Wort sollte dem Leser mehr Raum lassen, ihn nicht festlegen, zwingen.“
Dabei zwingt Timm den Leser durchaus: zur Auseinandersetzung. Gerade in dem stärksten Text des Buches, Am Beispiel meines Bruders, entsteht durch die assoziative, fragmentarische Struktur eine Leerstelle, Raum, in dem Leser und Autor gleichermaßen fragend den blinden Flecken, den Widersprüchen und Spannungen gelebter Geschichte ausgesetzt sind. Am Beispiel des Bruders, der als Mitglied der Waffen-SS in Russland gefallen war, fragt Timm – so zögerlich wie beharrlich – nach den Abgründen menschlicher Grausamkeit. Dass es der Bruder und dessen Front-Tagebuch ist, anhand dessen das Unbegreifliche nachvollzogen werden muss, macht dieses Bemühen um Aufklärung nur schmerzhafter – und zwingender.
Diese Offenheit, die sich durch die gesamte Textsammlung zieht, macht Uwe Timms Schreiben greifbar, nah und, ja, wertvoll. Hier ist das Private tatsächlich politisch – denn alles, jeder Mensch, jede Begebenheit, jede Episode, ist dem Erzähler / Autor gleich wichtig. Indem Erinnerungen, Träume, Notizen scheinbar unverbunden nebeneinander stehen, entsteht ein Zusammenhang, der auf allen Ebenen – persönlich, gesellschaftlich, politisch – Geschichte ergibt. Die Familiengeschichte der Timms, der Schwerpunkt in Am Beispiel meines Bruders, die Wirren der Studentenbewegung, die Freundschaft mit Benno Ohnesorg, die Geschichte des Autoren Uwe Timm – all das sind Knotenpunkte eines Geflechts, das man deutsche beziehungsweise europäische Geschichte nennt.
Geschichte als Aufeinanderschichtung. Widersprüche werden verdeckt von Erzählungen. Erzählen gräbt sie wieder aus. Erzählen kann das Verlorene, Vergangene, nicht auslöschen, nicht gut und nicht rückgängig machen, das ist die schmerzhafte Erkenntnis. Nein, ein Erzählen wie das von Uwe Timm kann auch keinen Sinn stiften. Aber es kann das Begehren danach und das Scheitern daran im Dreieck zwischen Politik, Leben und Kunst verständlich machen (grandios: der Essay über Antonio Gramsci in den Römischen Aufzeichnungen) – und weitergeben.

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