"Acht Wochen verrückt" ist Eva Lohmanns erster Roman. Das Thema, das die 30jährige gewählt hat, liegt "schwer im Magen" und doch trifft es den Nerv der Zeit. In einer modernen Gesellschaft, in der es darum geht ständig produktiv zu sein, in sozialen Kontexten nicht negativ aufzufallen, im Berufsleben wie privat "zu funktionieren", keine Schwäche zu zeigen, kollabiert die Seele vieler Menschen - manchmal früher, manchmal später. So auch die von Mila, einer jungen Frau, die unsere Kollegin, unsere Freundin, unsere Schwester sein könnte. Authentisch, eindringlich, zugleich humorvoll und ironisch wird aus der Ich-Perspektive ihr 8-wöchiger Aufenthalt in der "Klapse" geschildert. Sie erlebt seltsame Therapiesitzungen, trifft auf eßgestörte junge Frauen, einen transexuellen Familienvater, eine multiple Persönlichkeit und depressive Manager, auf einen durchstrukturierten Klinikalltag und zu guter Letzt auf sich selbst. Im Fokus steht nicht die Ursachenforschung und auch mit Lebensweisheiten wird sich zurückgehalten. Milas Eindrücke, Gedanken und Gefühle sind es, die den Leser/die Leserin fesseln, denn sie erinnern zum Teil an einen selbst - ohne dass man jemals die Diagnose "Depression" erhielt, Psychopharmaka geschluckt, in Therapie war oder gar in eine Klinik eingewiesen wurde.
Mila erscheint deutlich weniger "verrückt" als ihre Mitpatienten, aber ist mehr Opfer unserer modernen Leistungsgesellschaft als einer traumatischen Kindheit. Durch ihre übersteigerten Erwartungen und in dem sie dem Druck, den ihre ständig unzufriedenen Vorgesetzten im Job ausüben nachgibt, nimmt sie sich jegliche "Luft zum Atmen". Das Buch ist in keiner Sekunde langweilig. Lediglich das Ende erscheint mir doch etwas zu simpel, zu konstruiert und bietet keine Möglichkeit sich zu identizieren. Um psychisch und physisch zu gesunden, genügt es nicht an einer einzigen Stellschraube zu drehen, denn die Entstehung von Burn-Out, Depressionen und allen weiteren psychischen Erkrankungen ist immer auf mehrere Faktoren zurück zu führen, die in einer bestimmten Art und Weise zusammen wirken. Spontan seinen Job kündigen, weil er nicht den eigenen Vorlieben entspricht und zu sehr stresst, das kann sich wohl in wirtschaftlich unsicheren Zeiten wie diesen keiner "erlauben" - erst recht nicht, wenn man Familie hat. Wer von Hartz IV lebt, tut dies in der Regel weder freiwillig noch gern. Mehr möchte ich nicht verraten. Macht Euch selbst ein Bild. Bis auf diese kleine Schwäche zum Ende des Buches, kann ich "Acht Wochen verrückt" empfehlen
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