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Sommer des Lebens

Sommer des Lebens

Roman

Buch
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Artikeldetails zu Sommer des Lebens

Untertitel Roman

Abbildungsvermerk 2010. 21 cm

Kurzbeschreibung zu Sommer des Lebens

»Einer der besten Schriftsteller der Welt« Sunday Times Mit >Im Sommer< gewährt uns J. M. Coetzee überraschend Einblick in seine entscheidenden Lehrjahre als Schriftsteller. Aus Amerika zurückgekehrt, tuscheln die Verwandten hinter seinem Rücken: warum lebt er nur wieder hier in Südafrika bei seinem Vater und betoniert den Hof? Den Kopf voll Büchern und wilden Plänen, eine akademische Karriere, die nicht ins Laufen kommt, eine verheiratete Frau, die von dem rätselhaften Langhaarigen fasziniert ist, eine brasilianische Tänzerin, deren Tochter Nachhilfe braucht, schließlich die Cousine Margot und ein missglückter Ausflug ins Veld, der großen offenen Steppe, in der die Coetzee schon immer ihr Vieh hüteten. Voller Ironie und Witz dreht Coetzee die Erzählperspektive um: nicht er schildert die Geschichte, sondern ein junger Autor, der ihn nie kennengelernt hat, aber nun an seiner Biographie schreibt. Um Stoff zu gewinnen, interviewt er die Frauen dieses Sommers. Auf seinem Tonband sammeln sich ungeschminkte Porträts eines Künstlers als junger Mann, der über sein eigenes Begehren stolpert, aber schließlich die Stimme findet, deren Unbestechlichkeit wir so bewundern.

Portrait

J. M. Coetzee:
J.M. Coetzee, geboren 1940 in Kapstadt, stammt aus einer Afrikaaner-Familie, wurde jedoch englischsprachig erzogen. 1962 verließ er erstmals Südafrika, um bei IBM in Großbritannien als Programmierer zu arbeiten. 1965 zog er in die USA, wo er 1969 über Beckett promovierte. Er kehrte 1972 als Literaturprofessor nach Südafrika zurück. Der internationale Durchbruch gelang ihm 1980 mit "Waiting for the Barbarians". Er wurde für seine Romane mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. zweimal mit dem Booker Prize. 2003 erhielt Coetzee den Nobelpreis für Literatur.

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40

„Eine ungewöhnliche Form der Biographie”

von Monika Thoma aus Hamburg (MonikaThoma@gmx.de) Top-10 Rezensent (26.02.2010)
Jetzt ist der dritte und voraussichtliche letzte Teil von J. M. Coetzees Biographie erschienen. Er hat sich dafür eine sehr ungewöhnliche Form gesucht, denn er schreibt als fremder Biograph über einen bereits verstorbenen Dichter aus Südafrika namens John Coetzee. Die beiden vorherigen Bände sind die Romane „Der Junge“ und „Die jungen Jahre“, ebenfalls beide im Fischer Verlag erschienen. Dieser dritte Band lässt sich gut lesen, ohne dass man die beiden vorherigen Bücher kennen muss. Allerdings bleibt dem Leser vieles wichtige aus den früheren Jahren des Autors verborgen, denn der fiktive Biograph interessiert sich nur für die Jahre 1972 bis 1977. Alles, was davor passiert ist und John Coetzee mit Sicherheit geprägt hat, bleibt verborgen. Der Autor lässt uns Ausschnitte aus den Notizbüchern von John Coetzee lesen und Interviews, die er mit drei Frauen und einem Freund und Weggefährten geführt hat. Daraus erhalten wir ein Bild von John Coetzee, in welchem er nicht gerade sympathisch rüberkommt. Er scheint ein sehr stiller und in sich gekehrter Mensch zu sein, der eine ganz eigene Lebensphilosophie hat, diese aber nicht wirklich leben kann. Durch diese Romanbiographie bin ich jetzt sehr neugierig auf die beiden vorherigen Bände seines Lebens geworden. Wie ist er zu dem Menschen geworden, den er im dritten Band beschreibt und was ist damals im Ausland passiert, so dass er nach Südafrika zurückkehren musste, wo er offensichtlich nicht glücklich war? Lassen Sie sich überraschen, was für ein Mensch hinter dem Nobelpreisträger von 2003 steht.

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50

„Tabula Rasa”

von Roland Freisitzer aus Wien Top-10 Rezensent (18.02.2010)
J. M. Coetzees neuestes Buch "Sommer des Lebens" ist der (möglicherweise) letzte Teil seiner autobiographischen Romane, nach "Der Junge" (Boyhood) und "Die jungen Jahre" (Youth).

Ein Journalist schreibt ein Buch über den (wie man erst später erfahren wird) soeben, oder vor einigen Jahren verstorbenen Nobelpreisträgers John Coetzee. Er orientiert sich an den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts, an den Jahren, in denen der Autor seine Stimme fand und die ersten Erfolge einfuhr.

Zu Beginn dieses Buches liest man scheinbar beliebig ausgewählte Tagebucheinträge des verstorbenen Autors.

Danach kommen in Interviews verschiedene, auf ganz unterschiedliche Art und Weise für den Autor wichtige Menschen zu Wort. Die ehemalige Geliebte, die Lieblingscousine, die Mutter einer Schülerin des Autors, ein Kollege und eine Kollegin.

Coetzee zeichnet ein Selbstportrait, bzw. ein Portrait seines literarischen Alter Egos, das ihn als kalten, eigenwilligen, kleinen Mann und unbefriedigenden Liebhaber bezeichnet. Ein Bild, dass ihn die Mutter einer Schülerin in ihren Augen aus Leidenschaft verfolgen lässt. Ein Bild, das ihm jegliche Fähigkeit, einen anderen Menschen zu lieben eigentlich abspricht. Ein Mann, dessen Literatur von seiner Kollegin (und kurzzeitigen Geliebten) sogar mit den Attributen unterkühlt, kraftlos und uninspiriert versehen wird.

"Sommer des Lebens" als literarisch inszeniertes, Lob suchendes "Ich-Bashing"?
Eindeutig nein.

Als Pendant zu den Tagebuchauszügen vom Anfang veröffentlicht der britische Journalist am Ende unvollendete Prosafragmente des Autors, die er vermutlich knapp vor seinem Tod geschrieben hat. Fragmente, die sich in erster Linie um den Vater des Autors, der Beziehung zum Vater und um eine sehr weibliche Mitarbeiterin des Vaters drehen.

Mit all diesen Zutaten ergibt sich ein höchst kunstvolles Selbstportrait des Autors, das möglicherweise weit vom wirklichen Autor entfernt ist, möglicherweise aber auch nicht.

"Sommer des Lebens" ist ein literarischer Geniestreich, ein Meisterwerk. "Sommer des Lebens" ist ein Höhepunkt im an Höhepunkten reichen Schaffen J. Coetzees. Seine formelle Anlage, die Stimmenführung und das polyphone Gesamterlebnis sind ein Erlebnis, meine Bewunderung gilt diesem Roman nicht nur in literarischer Hinsicht, sondern auch als Kunstwerk per se. Seine Entscheidung, diese Zeit seines Lebens aus der Perspektive Dritter durch Interviews "posthum" erzählen zu lassen, gibt ihm die Möglichkeit, jegliche Ich-Befindlichkeit zu vermeiden, die er ja schon in den ersten beiden Romanen dieses Zyklus vehement vermieden hat.

Knapp vor dem Ende des letzten Interviews bemängelt die französische Ex-Kollegin und Geliebte, dass John Coetzee ein Autor gewesen wäre, der nie versucht hätte, die literarischen Welten einzureißen um aus dem Schutt der Tradition eine neue Literatur, eine neuartige Stimme zu entwickeln.
Möglicherweise hat Coetzee mit den Worten seiner Protagonistin recht.
J. M. Coetzee musste nur nie irgendwelche Traditionen einstürzen lassen, um seine Werke zu schaffen, seine Stimme zu finden, seinen persönlichen Stil.
Sein Oeuvre ist an Eigenständigkeit, Ernsthaftigkeit und Präzision, an literarischer Leidenschaft, die wohlgemerkt zum Großteil eine Art geschlechtslose, der Kunst dienende Leidenschaft ist, an Wichtigkeit und künstlerischer Innovation im Rahmen der Tradition kaum zu überbieten. Und wahre, zeitlose Kunst kann sich nur auf Basis der Tradition entwickeln.

Bleibt nur noch zu hoffen, dass J. M. Coetzee noch weitere literarische Glanztaten folgen lässt.

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