Was darf Quentin Tarantino eigentlich nicht? Er darf einen japanischen Klassiker beinahe 1:1 übernehmen und das als sein Debüt bezeichnen, für das ihn die Kritiker lieben. Er darf die einst so coolen Gangster der Filmgeschichte als sorglose Klatschtanten zeigen. Er darf plötzlich einen auffallend ruhigen Krimi drehen. Er darf eine Rachesaga drehen, die sowohl Eastern wie auch Western zitiert und dabei mehrere hundert Liter Kunstblut vergießen. Er darf das Trashkino der 80er wiederbeleben und nun darf er sogar die Geschichte verändern. Tarantino erliegt in seinem neuesten Meisterwerk der geradezu grotesk romantischen Vorstellung, dass sein über alles geliebtes Kino über das ultimative Böse, in diesem Fall die Nazis, obsiegt. Um diesen Plan zu verwirklichen schickt der Meister eine Gruppe jüdisch-amerikanischer Soldaten ins von Nazis besetzte Frankreich um dort den gesamten Führerstab der NSDAP, inklusive Hitler himself, zu vernichten und das natürlich in einem Kino. Genau den selben Plan verfolgt auch die junge Soshana, eine Überlebende eines Naziangriffs auf ihre Familie, und wie es der Zufall so will, soll die Premiere des neusten Films aus dem Hause Goebbels in ihrem Kino statt finden. So viel zur Geschichte und es sei gesagt, dass das Ende tatsächlich, selbst für Tarantinoverhältnisse, mutig und gewagt ist. Was hätte der gute Quentin nach all seinen grandiosen Filmen noch bringen können? Wie hätte er noch besser werden können? Doch Tarantino stellt sich diese Frage gar nicht, sondern macht einfach etwas komplett neues, das man eventuell als Weltkrieggroteske bezeichnen könnte. Aber nur davon kann ein Film nicht leben, aber gerade das tut "Inglorious Basterds". Der Streifen atmet regelrecht. Die grandiose Inszenierung tut schon einmal ihr übriges, die sich von Genre zu Genre hangelt, angefangen bei Spaghetti Western, über Screwball Comedy, bis hin zum knallharten Thriller. Aber es sind vor allem die Performances, die den Film zu dem machen was er will und ganz an der Spitze steht ein österreichischer Landsmann und zwar Christoph Waltz. Was der Mann hier vorführt, ist gigantisch. Seine Hans Landa ist das ultimative Highlight von "Inglorious Basterds" und stellt nach Heath Ledgers Joker in "The Dark Knight" den nächsten grandiosen Bösewicht der jüngeren Filmgeschichte. Aber selbst einige Akteure, die mich in anderen Filmen genervt hätten, wie Till Schweiger, schaffen es hier fast zu glänzen, mit Ausnahme von Diane Kruger, die einfach so schrecklich ist, wie eh und je. Und wenn man als Zuseher, nach diesem beinahe 3stündigen Epos, das gesehene noch einmal Revue passieren lässt, dann kann man sich sicher sein "Tarantino ist zurück und das besser als jemals bisher".
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