WELCOME ON BOARD!
Nur Fliegen ist schöner - hieß es früher. Heutzutage ist ein einfacher Flug von A nach B, ob Urlaubs- oder Berufsflug, jedoch eher ein Hindernislauf als ein luxuriöses Dahintreibenlassen. Der Aufforderung der Stewardess, "Sit back and relax!", ist schwierig nachzukommen, denn wenn man zum Beispiel versucht, den Sitz zurückzuklappen, und zwar die ganzen 0,5 Zentimeter, die überhaupt möglich sind, entspannt das erstens gar nicht und führt zweitens auch oft dazu, dass dem Hintermann der Tomatensaft von seinem Klapptisch über die Hose kippt und hinter einem wütendes und unentspannendes Geschrei ausbricht. Und damit sind wir beim größten Mysterium der Lüfte: dem Tomatensaft! Warum trinken so viele Menschen im Flugzeug-Tomatensaft, die sonst nie Tomatensaft trinken? Warum nicht Apfel- oder Orangensaft? Was bedeutet das? Es gibt so viele Fragen in der wilden Welt über den Wolken: Warum legen zum Beispiel alle Reisenden ihr schweres Handgepäck genau in dem Moment in die Fächer über dem Sitz, in dem die Stewardess das Gegenteil verlangt? Und warum denken diese Menschen, dass die Stewardess das nicht bemerkt, wenn sie sie in diesem Moment nicht anschauen? Warum steht man so lange in einem Bus auf dem Boden herum, wenn man doch eigentlich fliegen will? Warum steckt ein gutbetuchter Business-Class-Flieger oft schnell und hektisch viele Umsonst-Erfrischungstücher ein und freut sich darüber? Und warum steht an jeder Flugzeugeingangstür auf Englisch, dass die Türen bei Start und Landung geschlossen sein müssen? Wissen die Flugbegleiter das etwa nicht? Müssen sie wirklich durch einen kleinen Aufkleber jedes Mal daran erinnert werden? Sollten sie dann überhaupt Tomatensaft ausschenken dürfen?
Dieses Buch eines Vielfliegers möchte das Reisen mit dem Flugzeug erleichtern und vergnüglicher machen. Für alle Seiten. Denn auch die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter sind oft sehr müde, wenn sie zum 300 000. Mal die Security Show vorführen müssen. Und kaum einer hinguckt. Es ist ein Buch für gegenseitiges Verständnis im Flieger, für den Spaß an der Reise und für das Kichern zwischendurch. Mein persönliches Smiles & More-Programm. Now sit back - and really relax!
BERLIN - HAWAII: NEUNZEHN EURO
(Die Buchung)
Es kann ja gar nicht sein. Es ist völlig unmöglich. Es gibt ja auch kein Cartier Diamantenkollier für 5 Euro 50. Oder eine Yacht für 120 Euro. Und trotzdem jubilieren uns seit einigen Jahren plötzlich in ganz Deutschland Plakate Preise für Flüge zu, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. Früher gab es überhaupt keine Plakate mit Flugpreisen drauf. Wenn eine Airline mit Plakat warb, dann mit einer freundlich lächelnden Stewardess oder breiten Sitzen, aber nicht mit Preisen. Flüge hatten einen Preis und das war es. Aber nun leben wir ja im Zeitalter der sogenannten Billigflieger, der Schnäppchen-Shuttles, den auf Englisch so nett benannten "No Frills Airlines"-Luftlinien ohne Extras. Und das kann man wörtlich nehmen. Aber dazu später mehr.
Zunächst einmal hat sich aber durch das neue Preisbewusstsein der Anfang jeder Reise, der Buchungsvorgang eines Fluges, grundlegend verändert. Verändert von dem Anruf bei oder dem Besuch in einem Reisebüro hin zum mehrtägigen Internet-Marathon mit erheblichen Gefahren für Gesundheit, Partnerschaft und Haustiere. Da wir nun selber auf jeden Fall den günstigsten Preis für einen Flug "schnappen" wollen, müssen wir jetzt auch selber arbeiten. Und deshalb gibt uns heute schon der Erwerb eines Flugtickets den Vorgeschmack auf die grundsätzliche Umschiftung von unserer alten Position des "Kunden" zur neuen Position des "Mitarbeiters". Oder um es anders zu sagen: Wenn ich mein Ticket selber finde, buche und ausdrucke, die Koffer beim Einchecken selber beklebe und aufs Band setze, mir mein Essen und Trinken für das Flugzeug selber mitbringe und dann selber meine Musik in meine Ohren stöpsele, damit ich nicht zum 1000. Mal "I believe I can fly" von R. Kelly hören muss - darf ich dann vielleicht auch irgendwann alleine das Flugzeug fliegen? Oder muss ich das dann sogar? Sollte ich deshalb eventuell jetzt schon einen Pilotenschein machen?
Die Ticketsuche im Internet: Zuerst ist ja alles ganz schick und modern. Ich sitze zu Hause, voll Vorfreude auf meine Reise und vor mir die vielen bunten Seiten mit Angeboten. Ich atme durch - und fange an zu arbeiten. Denn jetzt kommt das erste Problem: Es gibt zu viele Seiten. Mit zu vielen verschiedenen Anbietern von verschiedenen Tickets von verschiedenen Airlines. Und auch übergeordnete Serviceseiten mit mehreren Airlines im Programm haben nicht ALLE Airlines im Programm. Und dann bald die erschreckende Wahrheit: Keine Seite hat ALLE Airlines im Programm. Das heißt für eine beliebte Strecke wie Frankfurt -York gibt es schon grundsätzlich zehn Multi Airlines-Seiten plus natürlich die ganzen einzelnen Seiten der einzelnen Fluglinien. Und was, wenn Pakistan Air auf dieser Strecke in Frankfurt einen Zwischenstopp macht und einzelne Gäste noch für die Strecke Dehli - NewYork dazulädt? Wo finde ich das denn?
Mein Tipp schon an dieser Stelle: Wenn Sie nicht Millionär oder arbeitslos sind, also grundsätzlich über viel Zeit verfügen, oder wenn Sie das Internet nicht per se lieben und gerne viel Zeit darin verbringen, weil Ihnen die reale Welt heute sowieso schon zu kalt und bedrohlich ist, oder wenn Sie grundsätzlich noch eine Art von Privatleben besitzen - SCHALTEN SIE AN DIESER STELLE DEN COMPUTER AUS! JETZT! Rufen Sie ein Reisebüro Ihrer Wahl an, am besten das kleine niedliche um die Ecke, wo freundliche Menschen den ganzen Tag unter Postern von Angkor Wat oder den Seychellen sitzen müssen, ohne je da gewesen zu sein. Und dann sagen Sie: "Einmal Frankfurt - NewYork bitte, die billigste Möglichkeit!" Und legen auf. Und gehen dann mit dem Hund raus, kochen Lasagne oder rufen Ihre Mutter mal wieder an. Leben Sie!
Versuchen Sie NICHT UND UNTER KEINEN UMSTÄNDEN selbst das günstigste Angebot herauszufinden! Versuchen Sie NICHT, den Unterschied zwischen den NewYorker Flughäfen JFK, La Guardia und Newark zu begreifen inklusive Fahrtzeiten nach Manhattan! Versuchen Sie NICHT sich vorzustellen, Sie würden die zehn Stunden Flug auch mit einem Mindestabstand zwischen Sitz und Vordersitz überstehen und Ihr Essen selbst mitbringen, und drücken Sie UNTER KEINEN UMSTÄNDEN auf diesen blinkenden Button "Jetzt Upgrade zur First???"!