Und immer wieder übertreffen Stiller Has sich selber! Himmeltraurig schön ist der waidwunde Blues des neuen Albums «So verdorbe», und nie zuvor wurde der Wortschöpfer, Schausänger und Stimmspieler Endo Anaconda von einer Band so kongenial umgarnt wie von der aktuellen Formation mit Gitarrist Schifer Schafer, Bassistin Salome Buser und Schlagzeuger Markus Fürst. In Songs um Sucht und Sehnen, Lebenslust und Todesahnung halten Stiller Has mit dem ihnen eigenen poetischen Sarkasmus der Schweiz den Spiegel vor.Diesmal ists der Sound, der, obzwar vertraut, ausgefeilter ist denn je. Scheppernd und rumpelnd gibt er sich, dabei ist jeder Ton mit Bedacht gesetzt, jedes nostalgierende Farfisa-Orgelpfeifen, jedes Banjozirpen, jedes Slidesirren ist an seinem Platz, nie ist ein Song überladen, immerzu erdig, karg und doch himmelhoch – ein untröstlicher, aber hoffnungslos schöner Blues. Es ist, als walzerte Nino Rota mit Robert Johnson. Zu verdanken ist das Schifer Schafer, dem Gitarristen und Klangmeister, dem es, wäre die Welt gerecht, nicht mehr länger gelingen dürfte zu verbergen, welch grossartiger Künstler er ist: Keiner im Land verbindet Könnerschaft und Gefühl wie er.Ganz zuletzt drehen Stiller Has das sprichwörtliche Fernweh des Berner Rock, das von «D Rosmarie und i» bis «Bälpmoos», von «Bümpliz, Casablanca» bis «Uf u dervo» zum Topos geronnen ist, ins Gegenteil – Schauplatz Venedig, November, die Liebe erkaltet wie der Fisch auf dem Teller, und er, der Sänger, der Erzähler, will nur noch heim: «Näbel hets o z Gäbelbach.»