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Tamara hat immer nur im Hier und Jetzt gelebt - und nie einen Gedanken an morgen verschwendet. Bis sie ein rätselhaftes Tagebuch findet, das die Zukunft zu kennen scheint... Es gab eigentlich nur einen Ort, an dem ich Ruhe hatte und mit dem Tagebuchschreiben beginnen konnte. Kurz entschlossen machte ich mich auf den Weg. Als die Bäume sich vor dem Schloss teilten wie ein Theatervorhang, lächelte ich unwillkürlich.
"Hallo, hier bin ich wieder", begrüßte ich das Schloss.
Es erhob sich vor mir, ohne seine Narben zu verstecken, verwundet und blutig vom Kampf. Natürlich hatte es schon bessere Tage gesehen, aber trotzdem war es immer noch ein Schloss und keine "Ruine", wie Rosaleen es genannt hatte. Ich spürte wieder die Verbindung zu dem alten Gemäuer - auch ich war nur ein Schatten meines früheren Selbst, und auch meine Narben waren deutlich sichtbar.
Ehrfürchtig wanderte ich durch die Räume. Ich konnte nicht glauben, dass ein Feuer für diese ganze Zerstörung verantwortlich war. Es gab keinerlei Hinweis darauf, dass in den letzten hundert Jahren überhaupt jemand hier gelebt hatte. An den Wänden waren keine Kamine, keine Fliesen, keine Tapeten. Es gab nur Steine, Unkraut und eine Treppe, die in ein Obergeschoss führte, das nicht mehr existierte, in den Himmel hinein, fast so, als könnte man mit einem großen Sprung auf einer Wolke landen. Eine Himmelsleiter.
Ich setzte mich auf eine der untersten Stufen und nahm das Tagebuch auf den Schoß. Dann drehte ich den schweren Stift, den ich von Arthurs Schreibtisch genommen hatte, eine Weile in der Hand herum, starrte auf das geschlossene Buch und versuchte, mir etwas zum Schreiben einfallen zu lassen. Mir lag daran, dass die ersten Worte etwas zu bedeuten hatten, ich wollte keinen Fehler machen. Schließlich fiel mir ein Anfang ein, und ich schlug das Buch auf."