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Nach Bush

Nach Bush

Das Ende der Neokonservativen und die Stunde der Demokraten

buch
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Artikeldetails zu Nach Bush

AutorPaul Krugman

Untertitel Das Ende der Neokonservativen und die Stunde der Demokraten

Abbildungsvermerk 22,5 cm

  • ISBN-103-593-38565-1
  • ISBN-139783593385655
  • Verlag Campus Verlag GmbH
  • ÜbersetzerFriedrich Griese
  • Einbandartgebunden
  • Seiten320
  • Auflage2. Auflage
  • VeröffentlichtJanuar 2008
  • Gewicht550g
  • SpracheDeutsch
  • OriginaltitelThe Conscience of a Liberal

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Leseprobe aus Nach Bush

Kapitel 1
Wie es früher war





Ich bin 1953 geboren. Wie meine Generationsgenossen habe ich das Amerika, in dem ich aufgewachsen bin, für eine Selbstverständlichkeit gehalten - genauer gesagt, ich habe wie viele meiner Generation mit den ganz realen Ungerechtigkeiten unserer Gesellschaft gehadert, gegen die Bombardierung Kambodschas demonstriert und für liberale Kandidaten Werbung an der Haustür gemacht. Erst im Rückblick erscheint die politische und wirtschaftliche Umwelt meiner Jugend als ein verlorenes Paradies, als ein aussergewöhnlicher Abschnitt in der Geschichte unseres Landes.
Das Amerika der Nachkriegszeit war vor allem eine Mittelschichtgesellschaft. Der starke Lohnanstieg, der mit dem Zweiten Weltkrieg einsetzte, hatte Millionen von Amerikanern, darunter auch meine Eltern, aus städtischen Elendsvierteln und ländlicher Armut befreit und ihnen ein Leben mit Hausbesitz und beispiellosem Komfort ermöglicht. Die Reichen hatten dagegen an Boden verloren: Sie waren wenige und, gemessen an der wohlhabenden Mitte, nicht gar so reich. Die Armen waren zahlreicher als die Reichen, aber sie waren immer noch eine relativ kleine Minderheit. Die Folge war ein bemerkenswerter Eindruck von wirtschaftlicher Gemeinsamkeit: Die meisten Menschen in Amerika lebten in erkennbar ähnlichen und sehr anständigen materiellen Verhältnissen.
Der Ausgeglichenheit unserer wirtschaftlichen Bedingungen entsprach Mässigung in der Politik. Während eines Grossteils meiner Jugendzeit bestand zwischen Demokraten und Republikanern ein breiter Konsens in der Aussenpolitik und in vielen innenpolitischen Fragen. Die Republikaner versuchten nicht mehr, die Errungenschaften des New Deal rückgängig zu machen; nicht wenige unterstützten sogar Medicare, die öffentliche Krankenversicherung für Senioren. Und die Zusammenarbeit beider Parteien war kein leeres Gerede. Trotz des Aufruhrs wegen Vietnam und der Rassenfrage, trotz der finsteren Machenschaften Nixons und seiner Handlanger war der politische Prozess überwiegend von einer Zwei-Parteien-Koalition von Menschen bestimmt, die in ihren grundlegenden Wertvorstellungen übereinstimmten.
Wer sich in der Geschichte auskannte, wusste, dass Amerika nicht immer so gewesen war, dass unser Land früher von ungeheurer wirtschaftlicher Ungleichheit geprägt und von erbittertem politischen Streit zerrissen war. Doch aus der Sicht der Nachkriegsjahre erschienen die extreme Ungleichheit und die schroffe politische Zerrissenheit wie eine vorübergehende, unreife Phase, die zu den rauen Bedingungen eines Landes in den Anfängen der Industrialisierung dazugehörte. Jetzt, da Amerika erwachsen geworden war, eine relativ gleiche Gesellschaft mit einer starken Mittelschicht und einer ausgeglichenen politischen Szene, hielten wir das für seinen Normalzustand.
Doch in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde nach und nach deutlich, dass die Entwicklung Amerikas zu einer politisch gemässigten Mittelschichtgesellschaft nicht das Ende der Geschichte war. Ökonomen wiesen nach, dass die Ungleichheit rasch zunahm: Eine kleine Minderheit setzte sich weit von den anderen ab, während die Mehrheit der Amerikaner nur geringe oder gar keine wirtschaftlichen Fortschritte machte. Politikwissenschaftler belegten eine wachsende politische Polarisierung: Politiker neigten zu den Extremen des Links-Rechts-Spektrums, und es sprach immer mehr dafür, "Demokrat" und "Republikaner" mit "liberal" und "konservativ" gleichzusetzen. Diese Entwicklung ist bis heute ungebrochen: Die Ungleichheit der Einkommen ist so hoch wie in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts,1 und die politische Polarisierung ist so scharf wie noch nie.
Die sich verschärfende politische Polarisierung bedeutet nicht, dass beide Parteien sich den Extremen genähert hätten. Man wird schwerlich behaupten können, dass die Demokraten nennenswert nach links gerückt seien: Was Wirtschaftsfragen betrifft - ob es nun um Sozialhilfe oder um Steuern geht -, kann man durchaus sagen, dass Bill Clinton nicht nur rechts von Jimmy Carter, sondern auch rechts von Richard Nixon regiert hat. Andererseits liegt es auf der Hand, dass die Republikaner nach rechts gerückt sind: Man braucht nur den kompromisslosen Konservatismus eines George W. Bush mit der massvollen Haltung eines Gerald Ford zu vergleichen. Manches von dem, was Bush betreibt, zum Beispiel die Abschaffung der Erbschaftsteuer, würde Amerika nicht nur in die Zeit vor dem New Deal, sondern in die Zeit vor der Progressiven Ära [1890?-?1913 - Anm. d. Ü.] zurückversetzen.
Wenn wir weiter zurückblicken, sind sowohl der Anfang als auch das Ende der Ära der Zusammenarbeit von grundlegenden Veränderungen in der Republikanischen Partei geprägt. Die Ära begann, als Republikaner, die den New Deal erbittert bekämpft hatten, entweder aus dem Amt schieden oder das Handtuch warfen. Nach dem Überraschungssieg Harry Trumans im Jahr 1948 fand die Führung der Grand Old Party sich mit der Vorstellung ab, dass der New Deal sich als eine bleibende Idee durchgesetzt hatte, und gab um ihrer politischen Selbsterhaltung willen die Bemühungen auf, die Uhr auf die zwanziger Jahre zurückzustellen. Das Ende der Ära der Zusammenarbeit und der Beginn einer neuen Ära des erbitterten Parteienkampfes trat ein, als in der Republikanischen Partei eine radikale neue Kraft der amerikanischen Politik zu Einfluss gelangte, die Konservative Bewegung, die in diesem Buch eine grosse Rolle spielen wird. Die einseitige politische Ausrichtung erreichte ihren Höhepunkt nach der Wahl von 2004, als ein triumphierender Bush versuchte, die Sozialversicherung, das Kronjuwel der Institutionen des New Deal, zu demontieren.
In der modernen amerikanischen Geschichte gab es also zwei grosse Bögen - einen wirtschaftlichen Bogen von grosser Ungleichheit zu relativer Gleichheit und zurück und einen politischen Bogen von extremer Polarisierung zur Zusammenarbeit beider Parteien und wieder zurück. Diese beiden Bögen verlaufen parallel: Das Goldene Zeitalter der wirtschaftlichen Gleichheit entsprach grob dem Goldenen Zeitalter der politischen Zusammenarbeit. Wie die Politikwissenschaftler Nolan McCarty, Keith Poole und Howard Rosenthal darlegen, kann man in der Geschichte so etwas wie einen "Tanz" beobachten, bei dem wirtschaftliche Ungleichheit und politische Polarisierung sich im Einklang bewegen.2 Sie haben mit einem ausgefeilten statistischen Verfahren die politischen Positionen von Kongressmitgliedern ermittelt. Danach sind die Republikaner nach links gerückt, näher zu den Demokraten, als die Ungleichheit der Einkommen zurückging, und so kam es zur Zwei-Parteien-Koalition der fünfziger und sechziger Jahre. Als dann die Ungleichheit der Einkommen zunahm, rückten die Republikaner nach rechts, woraus der erbitterte Parteienkampf von heute erwuchs. Woran liegt es aber, dass die Tanzpartner zusammenbleiben?

Kurzbeschreibung zu Nach Bush

Wenn George W. Bush 2008 seine Präsidentschaft beendet und aller Voraussicht nach von einem demokratischen Politiker beerbt wird, dann geht mehr zu Ende als bloss eine achtjährige Präsidentschaft. Es ist das Ende einer geschichtlichen Epoche, das Ende der neokonservativen Bewegung, welche die US-Gesellschaft über Jahrzehnte hinweg in eine Zerreissprobe getrieben hat. Das zeigt Paul Krugman mit seinem grossen, so spannenden wie fundierten Überblick über die amerikanische Geschichte der letzten 100 Jahre. Und er gibt klare Hinweise, was die Politik nun tun muss, damit die amerikanische Gesellschaft ihre Mitte wiederfinden kann.

Inhaltsverzeichnis zu Nach Bush

Inhalt





1Wie es früher war
2Das Lange Goldene Zeitalter
3Die Grosse Kompression
4Die Politik des Wohlfahrtsstaates
5Die sechziger Jahre: Ein Wohlstand mit Haken
6Die Konservative Bewegung
7Die grosse Kluft
8Die Politik der Ungleichheit
9Massenzerstreuungswaffen
10Die neue Politik der Gleichheit
11Die Notwendigkeit einer Gesundheitsreform
12Kampf gegen die Ungleichheit
13Das Gewissen eines Liberalen

Anmerkungen
Dank
Register

Autorenportrait zu Nach Bush

Paul R. Krugman, geboren 1953, ist einer der bedeutendsten und bekanntesten Ökonomen der Welt. Nach Stationen an der Yale University, am Massachusetts Institute of Technology und an der Stanford University lehrt er derzeit an der Princeton University. Für seine wissenschaftlichen Arbeiten wurde er vielfach ausgezeichnet, u.a. verlieh ihm 1998 die Freie Universität Berlin die Ehrendoktorwürde, und zwei Jahre später wurde ihm in Nürnberg der Horst-Recktenwald-Preis für Nationalökonomie zuerkannt. Nebenbei arbeitete er 1984 für ein Jahr als Wirtschaftsberater in der Regierung von Ronald Reagan. Während des Präsidentschaftswahlkampfes 1992 berief Bill Clinton ihn zu einem seiner wirtschaftspolitischen Berater. 2008 erhielt er den Wirtschaftsnobelpreis.
Heute ist er bekannt als einer der schärfsten Kritiker der Politik von Präsident George W. Bush. Neben seinen viel beachteten wöchentlichen Kolumnen in der New York Times, seinen wissenschaftlichen Publikationen und seinen regelmässigen Artikeln für Zeitschriften wie Fortune, Foreign Affairs und Slate schrieb Paul Krugman mehrere Sachbücher. Bei Campus erschienen bisher "Der Mythos vom globalen Wirtschaftskrieg" (1999), "Die grosse Rezession" (1999), "Schmalspur-Ökonomie" (2000), "Der grosse Ausverkauf" (2004) und im Januar 2008 "Nach Bush. Das Ende der Neokonservativen und die Stunde der Demokraten".

Portrait

Paul Krugman:
Paul Krugman, geboren 1953 in New York, ist ein brillanter amerikanischer Ökonom der jungen Generation. Seine Arbeit wurde u.a. 1991 durch die Verleihung der John-Bates-Clark-Medaille für den besten Nachwuchswissenschaftler gewürdigt. 1998 erhielt Krugman die Ehrendoktorwürde der Freien Universität Berlin, und im Jahr 2000 wurde ihm in Nürnberg der Horst-Recktenwald-Preis für Nationalökonomie verliehen. Bereits mit 24 Jahren schloss er seine Promotion am renommierten Massachusetts Institute of Technologie (MIT) mit einer Arbeit über flexible Wechselkurse ab. Im selben Jahr trat er seine erste Professur an der Yale University an. Neben seinen Lehr- und Forschungstätigkeiten arbeitet Krugman als Berater, u.a. 1992 in der Wahlkampapagne für Bill Clinton. Derzeit lehrt er am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge. Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit schreibt Krugman für zahlreiche Zeitungen und hat schon einige erfolgreiche Bücher publiziert.
Friedrich Griese:
Friedrich Griese, geboren 1940, ist einer der renommiertesten Sachbuchübersetzer. Er übertrug u.a. Richard Fortey, Daniel Goleman, Alan Lightman und Caroline Alexander ins Deutsche. Friedrich Griese lebt in Michelstadt im Odenwald.

Autorenportrait

Paul R. Krugman, geboren 1953, ist einer der bedeutendsten und bekanntesten Ökonomen der Welt. Nach Stationen an der Yale University, am Massachusetts Institute of Technology und an der Stanford University lehrt er derzeit an der Princeton University. Für seine wissenschaftlichen Arbeiten wurde er vielfach ausgezeichnet, u.a. verlieh ihm 1998 die Freie Universität Berlin die Ehrendoktorwürde, und zwei Jahre später wurde ihm in Nürnberg der Horst-Recktenwald-Preis für Nationalökonomie zuerkannt. Nebenbei arbeitete er 1984 für ein Jahr als Wirtschaftsberater in der Regierung von Ronald Reagan. Während des Präsidentschaftswahlkampfes 1992 berief Bill Clinton ihn zu einem seiner wirtschaftspolitischen Berater. 2008 erhielt er den Wirtschaftsnobelpreis.
Heute ist er bekannt als einer der schärfsten Kritiker der Politik von Präsident George W. Bush. Neben seinen viel beachteten wöchentlichen Kolumnen in der New York Times, seinen wissenschaftlichen Publikationen und seinen regelmässigen Artikeln für Zeitschriften wie Fortune, Foreign Affairs und Slate schrieb Paul Krugman mehrere Sachbücher. Bei Campus erschienen bisher "Der Mythos vom globalen Wirtschaftskrieg" (1999), "Die grosse Rezession" (1999), "Schmalspur-Ökonomie" (2000), "Der grosse Ausverkauf" (2004) und im Januar 2008 "Nach Bush. Das Ende der Neokonservativen und die Stunde der Demokraten".

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