TANNÖD (D, 2009) basiert auf dem gleichnamigen Roman von Andrea Maria Schenkel, der sich an den wahren Kriminalfall anlehnt, der 1922 in Oberbayern geschah. In der Nacht vom 31. März auf den 1. April 1922 wurden auf dem abgelegenen Hof Hinterkaifeck sechs Menschen, eine ganze Familie inklusive Kindern und Magd, auf brutalste Weise mit einer Spitzhacke ermordet. Der Mord und die Hintergründe wurden nie aufgeklärt und sorgen bis heute für Interesse an diesem mysteriösen Fall. Bereits Esther Gronenborns Film HINTER KAIFECK beschäftigte sich mit diesem Ereignis. Nun also auch TANNÖD, der die Vorgänge in die 1950er Jahre verlegte.
Die Regisseurin Bettina Oberli und ihre Drehbuchautorin Petra Lüschw bedienten sich dabei recht frei bei der Vorlage und schufen eine eigene Interpretation der Dinge. Einiges wurde vom Buch übernommen, anderes verändert. Doch so oder so, das ist eigentlich egal, denn das Endergebnis ist nicht wirklich überzeugend. Zwar sind die Themen wie Lügen, Inzest, Intrigen, Hass, Schweigen, Verdrängung, Schuld und Neid im Mikrokosmos Dorf nicht ganz uninteressant, aber so wie sie hier präsentiert werden, hat man das alles schon x-fach gesehen. Fromme, erzkatholische, aber heuchlerische und bigotte Hinterwäldler wohin das Auge blickt. Nichts und niemand wird hier wirklich sympathisch gezeichnet. Selten zuvor sah die dörfliche Provinz so hässlich und fremdenfeindlich aus. Man kann sich schlecht mit diesen seltsamen Figuren identifizieren. Man bleibt stets auf Distanz und die Vorgänge sind einem egal. Gerade die wichtige Hauptfigur der Kathrin, gespielt von Julia Jentsch, ist den ganzen Film über passiv. Überhaupt bleibt der Charakter merkwürdig blass. Der Umstand, dass auch sie schicksalhaft mit den Ereignissen verbunden ist, überrascht dabei kaum und wirkt aufgesetzt.
Der Film verfügt über eine düstere Grundstimmung und einige wenige gelungene, atmosphärische Bilder. Die Freigabe FSK 12 erstaunt dabei. Zwar sind die Morde mit der Spitzhacke zurückhaltend inszeniert worden, aber sie haben es trotzdem in sich. Andere Vertreter wurden und werden da wesentlich strenger begutachtet. Auch warum der Film von Filmbewertungsstelle Wiesbaden das Prädikat ?besonders wertvoll? bekam, bleibt ein Rätsel (na ja, immerhin bekam auch RAMBO III seinerzeit das Prädikat ?wertvoll?!).
TANNÖD ist natürlich kein simpler Krimi, denn der Mord ist nur der Aufhänger für einen Blick in den provinziellen Abgrund. Doch so sehr man sich auch bemühte, leider reichte es nur zu einem recht langsamen und somit drögen Stück Film ohne Mehrwert. Man war um Anspruch bemüht und bekam Langeweile.