Irgendwie scheint man sie zu brauchen, diese Jugendphänomene. Und da mit Harry Potter das wohl Größte seit langem zu Ende ging, war Tür und Tor offen für den Nachfolger. Einige versuchten sich daran, aber wirklich geschafft hat es erst Stephenie Meyer. Ihre Bücher über den Vampir Edward, der das normale Mädchen Bella liebt verkauften sich millionenfach weltweit. Bei einem derartigen Erfolg ist eine Verfilmung natürlich nur eine Frage der Zeit, wobei die Geschichte aber genau nicht mehr auf der Höhe eben dieser ist.
Bella zieht in den Regen, genauer gesagt nach Forks, dem Ort mit dem meisten Niederschlag pro Jahr Amerikas. Dort lebt ihr Vater Charlie, seines Zeichens Sheriff, und außerdem die Familie Cullen. Mit dieser kommt Bella das erste Mal in der Schule in Berührung, wobei ihr besonders der jüngste Spross Edward auffällt, und auch sie scheint ihm aufzufallen, selbst wenn er sich ihr gegenüber reichlich seltsam gibt. Als er sie vor einem außer Kontrolle geratenen Auto rettet, und das auf nicht ganz menschliche Art und Weise, schöpft Bella Verdacht, dass mit Edward irgendetwas faul ist.
Vampire sind eigentlich ein alter Hut in der Literatur. Als unangefochtene Größe gilt nach wie vor Bram Stokers Dracula, und diesen Platz wird ihm auch die Twilight Saga nicht streitig machen. Denn nicht nur Vampire sind ein alter Hut, sondern auch die Prinzipien der Geschichte. Ein weiblicher Charakter gibt sich einem männlichen Charakter vollkommen hin, dieser aber kann nicht darauf eingehen, da es zu gefährlich/gesellschaftlich nicht möglich/aus irgendeinem anderen tragischen Grund einfach nicht machbar ist. Damit punkteten schon Liebesgeschichten in den 50igern und auch Twilight packt diese Tugenden aus. Edward muss sich aufopfern um mit Bella zusammen zu sein, ständig von dem Wunsch erfüllt sie zu beißen, denn sie ist im Speziellen sehr schmackhaft für ihn und seinesgleichen. Ergo muss er sie natürlich auch vor anderen Vertretern seiner Rasse beschützen, wie es auch später in der Geschichte kommt. Diese altbackenen Prinzipien wären ja noch vertretbar, wären denn die Figuren wenigstens interessant, aber das sind sie nicht. Wieso genau Bella von Edward so angezogen ist, bleibt im Dunkeln. Sein formidabler Humor kann es nicht sein, denn ein Lächeln kommt dem Blutsauger nie über die Lippen. Was ihm über die Lippen kommt ist leidender Dialog darüber, dass sie nicht zusammen sein können, worauf Bella wahlweise antwortet, dass sie ohne ihn nicht könne. Wo ist der Esprit, wo der Witz? Diese Teenager sind einfach langweilig. Welcher 17jährige spricht als wäre er direkt aus einem Liebesschundroman der späten 40iger gefallen? Diese jungen Menschen brauchen dringend Rhetoriknachhilfe von Juno. Auf der Plusseite stehen die schönen Bilder, die Regisseurin Catherine Hardwicke zeigt und der indielastige Soundtrack, der unter anderem Unterstützung von Muse erhält. Auf schauspielerischer Seite können leider weder Robert Pattinson, noch Kristen Stewart überzeugen, was aber wohl auch daran liegt, dass man diesem Dialoggut einfach nicht überzeugen kann. Am Ende bleibt Twilight ein Film, der über Mittelmaß nur in einer Szene hinaus kommt, die vollkommen aus dem Konzept fällt, und zwar wenn die Cullens Baseball spielen.
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