Regisseurin Hermine Huntgeburth (BIBI BLOCKSBERG, DIE WEISSE MASSAI) legt mit EFFI BRIEST (D; 2009) ein ambitioniertes und ehrgeiziges Werk vor, das sich als moderne Adaption des Theodor Fontane Klassikers versteht. Es gibt aber bereits vier Verfilmungen, an denen man sich messen lassen muss. So kommt man zwangsläufig zum Urteil, dass die Neuauflage nicht wirklich gut da steht. Zwar wurde der Film namhaft bis in kleinste Rollen besetzt, mit z.B. Julia Jentsch (selbst über 30, soll aber eine 17-jährige spielen!), Sebastian Koch, Misel Maticevic, Barbara Auer, Juliane Köhler oder Andrè Hennicke, und auch die Ausstattung ist prächtig, ebenso wie der Film selbst schön fotografiert wurde, aber all das mag nicht überzeugen. Das gesellschaftliche Umfeld, im Roman von hoher Wichtigkeit, wird hier vernachlässigt. Die Figuren wurden gegenüber dem Roman simplifiziert, die Konflikte bleiben oberflächlich. Die Charaktere sondern Dialoge ab, die sich bedeutungsschwer geben. Die kühle Vorlage wurde eingetauscht gegen große Emotionen am Rande des Kitsches. Teile des Romans wurden sogar verändert, besonders das eigentlich traurige Ende wurde hier emanzipatorisch verklärt und mit einem Quasi-Happy-End ruiniert. Die moderne Moral kommt mit dem Holzhammer, während das Buch stets subtil blieb. Nein, EFFI BRIEST ist statt intensivem Gesellschaftsdrama und Sittengemälde nur noch ein banaler Kostümschinken in schöner Landschaft. Der Stoff ist zu einer Schmonzette verkommen, die sich gut im pilcherisierten Fernsehen machen würde, aber nichts im Kino verloren hat. Auf diese Neuverfilmung hat niemand gewartet. Sie ist überflüssig in jeder Hinsicht. Die notorisch schwindsüchtige deutsche Filmlandschaft, die man nur mit Magenschmerzen als funktionierende Filmindustrie bezeichnen kann, wird nur durch Millionen an Steuergelder am (künstlichen) Leben gehalten. Auch dieses Werk erblickte nur mit der Hilfe der Förderanstalten das Licht der Leinwand. Das Budget stieg so auf die beträchtliche Summe von 6,5 Millionen Euro. Da haben sich also einige wenige wieder mal wunderbar gesund gestoßen. Auf der Leinwand ist es jedenfalls nicht gelandet.