Angefangen hat alles mit den Ratten. Sie kamen auf das Schiff, versteckten sich in der feuchten Wärme des morschen Holzes, verkrochen sich in der Kombüse und nährten sich am Inhalt der Leinensäcke. Doch das Schiff lief auf Grund die Passagiere retteten sich allesamt auf die Insel Anacapa, ohne zu wissen, wen sie noch mit geschleppt hatten.
Über 150 Jahre später haben sich die Ratten auf der Insel zu einer Plage ausgebreitet und drohen mit beharrlicher Konsequenz das natürliche Habitat einer dort angesiedelten, bedrohten Vogelart zu zerstören. Die Biologin Alma Boyd Takesue will deswegen das natürliche Gleichgewicht auf den Santa Barbara Inseln wieder herstellen und plant diesbezüglich die systematische Tötung der Ratten durch ein Gift. Dies kann der jähzornige und überzeugte Umweltaktivist Dave LaJoy jedoch nicht mit ansehen und setzt alles daran, um Almas Vorhaben zu verhindern.
Doch es steckt noch viel mehr dahinter; es sind nicht nur die Ratten, es sind nicht die Vögel oder die Wildschweine, es ist nicht die moralische Frage, ob der Mensch seine eigenen Fehler rückgängig machen soll, das sogenannte Gleichgewicht wieder herstellen soll nein, die Rivalitäten zwischen der Biologin und dem Aktivisten sind durchzogen von persönlichen Motiven, nichts soll Alma misslingen und Dave hat schon seit längerem die Nase gestrichen voll, von einer Gesellschaft, die seiner nicht wertschätzt und die es zugleich nicht zu wertschätzen gilt. Und dass die beiden Rivalen eine gemeinsame Vergangenheit haben mag auch eine größere Rolle in der Geschichte spielen...
Das faszinierende an Boyles Erzählungen und Romanen ist neben seiner akribisch und detailgetreuen Recherche des oft historischen Hintergrundes, seine konzentrierte und ausufernde Sprache: oft blumig, aber niemals kitschig erläutert der Autor seine Szenerien, die aus der Distanz betrachtet oft als schlicht gehandhabt werden könnten, doch durch die Liebe zum Detail von Boyle in eine greifbare und berührende Nähe gerückt werden. Schiffsbrüche wechseln Grillpartys ab, eine profane Charakterstudie gibt einer spannenden Konfrontation der Hauptpersonen die Hand und jede Szene trägt seine eigene Atmosphäre, seine eigene Spannung und jedes Kapitel bildet in sich eine geschlossene Erzählung mit einer pointierten, oft in der Schwebe hängenden Entwicklung seien es jetzt die der Ereignisse oder die der Charaktere. Was Wenn das Schlachten vorbei ist im Gegensatz zu Boyles früheren Werken jedoch etwas blass wirken lässt, ist eben genau die soeben genannte Leichtigkeit; zu sehr baut sich der Roman auf, ohne dann seine Schicksale erfolgreich zusammenstürzen zu lassen, wie man es normalerweise von Boyles Geschichten gewohnt ist. Dies mag im direkten Vergleich zwar trüben, weißt jedoch nicht davon weg, dass es sich bei Boyle immer noch um einen der besten und wichtigsten amerikanischen Gegenwartsliteraten handelt.
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