Sechs (S. 128-129)
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»Das ist nicht dieselbe Waffe, das kann ich Ihnen versichern.« Ihr Name war Fiona McFadzean, und sie war, wie Mills es in ihrer SMS formuliert hatte, »die Frau fürs Ballistische«, stationiert im Präsidium in Glenrothes. Fox hatte eine Weile gebraucht, um es zu finden; zu viele Kreisverkehre und zu wenige Hinweisschilder. McFadzean arbeitete nicht im Hauptgebäude. Fox war zu einem gedrungenen Backsteinbau hinter den Zapfsäulen geschickt worden. Ein uniformierter Beamter betankte gerade seinen Streifenwagen. »Ja, das ist Fionas Höhle«, bestätigte er auf Fox’ Frage hin. McFadzean musste kommen und ihm die Tür aufschließen. Sie trug keinen weißen Kittel und schien sich in ihrem fensterlosen Reich recht wohlzufühlen.
An einer Wand standen alle möglichen Baumaterialien, von Backsteinen bis Holz, zersiebt von Kugeleinschlägen. In einer Kabine hinter einer Glasscheibe befand sich ein rosa gesprenkelter weißer Wandabschnitt. McFadzean hatte Fox erklärt, dass so untersucht wurde, wie das Blut bei einem Schuss spritzte. »Und worauf genau schießen Sie?«, fragte Fox. »Auf alles, von Wassermelonen bis Schweineköpfe. Mein Onkel ist Metzger, das ist ganz praktisch.«
Die junge, sehr lebendige Frau führte ihn kurz durch ihren Bereich. Ein Assistent saß an einem Computer. Sie stellte ihn als Paul vor, und er grüßte mit einem kurzen Winken, ohne den Blick vom Bildschirm abzuwenden. »Gibt es viele Verbrechen mit Schusswaffen in Fife?«, fragte Fox. »Eigentlich nicht. Wir wurden als eine Art Experiment eingerichtet. Laufen ständig Gefahr, dass man uns den Geldhahn abdreht – wird ja überall gekürzt.« McFadzean hatte eigenlich gar keinen Schreibtisch. Sie schien zufrieden damit, auf einem Hocker an einer schmalen Arbeitsfläche, die sich an einer Wand entlangzog, zu sitzen.
Dort stand eine Kanne Kaffee, und sie schenkte ihnen beiden jeweils einen ein, während Fox versuchte, es sich auf dem noch freien Hocker bequem zu machen, dann aber doch lieber stehen blieb. »Danke, dass Sie sich Zeit für mich nehmen«, sagte er. Sie nickte einmal kurz und führte den Becher, den sie mit beiden Händen umfasste, an die Lippen. »Wie können Sie so sicher sein, was die Waffen angeht?«, fragte Fox. Der Kaffee war zu bitter, aber er nahm trotzdem noch einen weiteren Schluck, um nicht unhöflich zu sein. »Erst mal wegen der Seriennummern«, sagte sie.
»Paul hatte im letzten Jahr einiges an freier Zeit, deshalb hat er die ganzen alten Berichte digitalisiert.« Sie zeigte Fox den Ausdruck. »Das ist die Waffe, die Francis Vernal benutzt hat. Der Lauf war eher zehn als fünfzehn Zentimeter lang. Dasselbe Kaliber, aber mit sechs Kammern, nicht mit fünf.« Fox wurde ein zweiter Ausdruck gereicht. »Der Revolver, mit dem Mr Carter getötet wurde.« Fox studierte die Details genau. »Das ist eine andere Waffe«, pflichtete er ihr bei.
»Hier steht, die Waffe, durch die Vernal starb, sei vernichtet worden.« Sie nickte. »Das passiert mit allen Waffen, die wir konfiszieren.« Sie reichte ihm ein drittes Blatt. Es handelte sich um eine detaillierte Liste aller Waffen aus den Constabularys von Fife und Tayside, die zum Einschmelzen geschickt worden waren. Viele waren es nicht. Der Revolver, der auf Alan Carters Tisch gefunden wurde, hätte im Oktober 1984 vernichtet werden sollen. Die Waffe, die bei Vernals Wagen gelegen hatte, sollte ein Jahr später dasselbe Schicksal erfahren.