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Die Sehnsucht der Unsterblichen

Die Sehnsucht der Unsterblichen

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Artikeldetails zu Die Sehnsucht der Unsterblichen

  • ISBN-103-641-06083-4
  • EAN9783641060831
  • Veröffentlicht05.09.2011
  • Heyne
  • EinbandartEPUB

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Leseprobe aus Die Sehnsucht der Unsterblichen

"Fünfundzwanzigstes Kapitel (S. 238-239)
Ich nahm das Video wieder heraus, setzte mich auf die Couch und starrte auf das Band, als sei es eine Klapperschlange. Unter dem Deckmantel von Tangento wurde ein Prostitutionsring unterhalten, und Barry war dessen bester Kunde. Aber Barrys sexuelle Neigungen waren so sadistisch, so makaber, dass nur Frauen, deren Leben völlig wertlos war, dafür infrage kamen. Ich dachte über Eric und Barry nach. Beide waren sie Mörder, beide waren sie böse, vom gesellschaftlichen Standpunkt aus betrachtet, und beide würden auf dieselbe Weise behandelt werden, wenn man sie erwischte. Und doch waren sie völlig verschieden. Meine Eltern hatten mich gelehrt, dass es keine relative, auf die Umstände bezogene Moral gab, nur richtig und falsch. Aber die Erfahrung hatte mich nun gelehrt, dass das Ganze doch um einiges komplexer war.
Ich öffnete eines der Papiere, dann ließ ich es sofort wieder fallen wie ein brennendes Streichholz. Ich rannte in mein Zimmer und zog aus meiner Handtasche den Brief heraus, in dem Eric mir geschrieben hatte, dass er die Stadt verlassen wolle. Ich hatte sofort gewusst, dass es dieselbe Schrift war, aber nun hatte ich den Beweis. Ich nahm den Brief mit ins Wohnzimmer. Auf den Papieren befanden sich Namenslisten, alles asiatische Namen, geschrieben in Erics archaischer Kursivschrift. Dies waren die Beweise, die Eric Lucy gegeben hatte, und Kimberley hatte sie gestohlen.
Nun erkannte ich, was Erics Plan gewesen war. Wenn er das Material der Polizei übergeben hätte, hätte Barry bestimmt einen Weg gefunden, sich aus der Sache wieder herauszuwinden. Man hätte niemals Leichen gefunden, und es wäre unmöglich gewesen, Zeugen in Asien zu finden. Eric hatte Lucy die Unterlagen übergeben, weil HFB Zugang zur öffentlichen Meinung hatte, in der Hoffnung, sie würde Barry und Tangento bloßstellen und einen öffentlichen Skandal provozieren, von dem sie sich niemals wieder erholen würden. Lucy hatte jedoch kein Interesse gehabt, sich als Ordnungshüterin aufzuspielen, und trotz allem wurde sie ermordet, weil sie zu viel wusste.
Kimberley hatte versucht, die Beweise zu ihrem eigenen Vorteil zu nutzen, um sich ihren obsessiven Wunsch zu erfüllen, bei HFB weiterzukommen, und auch sie hatte als Lohn für ihr Engagement einen Platz im Leichenschauhaus erhalten. Jetzt war ich an der Reihe. Vielleicht würde ich Eric niemals wiedersehen, aber zumindest konnte ich die Arbeit zu Ende bringen, die er angefangen hatte. Ich verließ das Haus mit zwei Koffern, vollgepackt mit ein paar Kleidungsstücken, Büchern und Toilettenartikeln. Den Rest meiner Besitztümer würde ich später holen, oder vielleicht auch nicht.
Solche trivialen Dinge hatten nicht mehr viel Bedeutung für mich. Ich stand einen Moment in der Eingangshalle und blickte nach draußen. Der Tag war grau und bewölkt, der Nebel war so dick, dass die Häuser und Wohnblocks auf der anderen Straßenseite undeutlich und wacklig wirkten wie Bilder auf einem altersschwachen Zelluloidfilm. Der Mangel an direktem Tageslicht bedeutete, dass ich keine Sonnenbrille brauchen würde. Ich stellte die Koffer kurz ab, damit ich die Griffe besser in die Hand nehmen konnte, und ging zur Tür hinaus.
Dort betrat ich eine Szene, die einem alten Film entstammen könnte: Ein Mann im Trenchcoat und mit Filzhut tauchte aus dem Nebel auf und hielt mir eine Pistole an die Brust. Die Szene wirkte so gestellt, dass es einen Moment dauerte, bis ich Angst bekam. »Was wäre ich wohl für ein Gentleman, wenn ich dir nicht anbieten würde, dir mit diesen Koffern zu helfen?« Der sirupartige Akzent war unverkennbar. Barry Warner war nicht zurück nach Texas gefahren, er war hier.
Er gestikulierte mit der anderen Hand in Richtung eines glänzenden silbernen Mercedes, der im Lieferbereich parkte. »Fährst du zum Flughafen? Ich kann dich mitnehmen, Taxis sind knapp in dieser Stadt.« »Ist schon okay, mein Auto steht dort hinten, die Straße hinunter.« Würde Barry Warner mich am helllichten Tag mitten auf der Straße erschießen? War er so verrückt? »Falls du vorhast, wegzulaufen, versuch es gar nicht erst. In der letzten Saison habe ich zwei kapitale Böcke niedergestreckt, und ich garantiere dir, meine Kugeln sind schneller als du.« Er lächelte und zeigte seine weißen, elefantengroßen Zähne."

Kurzbeschreibung zu Die Sehnsucht der Unsterblichen

Wenn eine Nacht dein Leben verändert...
Die unerschrockene Angie, eine aufstrebende PR-Assistentin, stellt auf eigene Faust Nachforschungen zum Tod ihrer Chefin an. Dazu besucht sie einen Nachtclub, in dem allerlei Anhänger der Gothic-Szene verkehren. Angie ist amüsiert - bis sie dem charismatischen Eric gegenübersteht, dem sie unerklärlicherweise sofort verfallen ist. Was sie nicht ahnt: Eric ist nicht kostümiert, er ist ein echter Vampir ...

Portrait

Clare Willis:
Eine Schwäche für Vampire hatte Clare Willis schon immer. Doch nach dem College gehorchte sie zunächst der Vernunft und versuchte es mit einem "richtigen Job" - ehe eines Tages die Leidenschaft fürs Schreiben und die Begeisterung fürs Übersinnliche mit aller Macht durchbrachen. Die Autorin schreibt und lebt mit ihrer Familie in San Francisco.

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