DIE BORGIA (Frankreich, 2011) ist die bis heute teuerste europäische Serien-Produktion und kann unter anderem mit Regisseuren wie Oliver Hirschbiegel aufwarten. Die Serie zeigt den Aufstieg und Fall der Familie Borgia innerhalb der Kirche Ende des 15. Jahrhunderts. Dabei orientiert man sich stark an Werken der HBO und schafft es tatsächlich ein inhaltlich bemerkenswertes Werk zu schaffen, dass aber auch mit dem einen oder anderen Mangel zu kämpfen hat. Als hervorragend zu bezeichnen ist auf alle Fälle sowohl das Set-Design, als auch die Ausstattung, die den Zuschauer zu keinem Zeitpunkt daran zweifeln lassen, dass er gerade durch ein Fenster in eine Vergangene Zeit blickt. Auch inhaltlich gefällt DIE BORGIA, denn es wird bei der Portraitierung des Papstes, seines Umfeldes, als auch seines Lebensstils kein Blatt vor den Mund genommen und ein authentisches Bild dieser Zeit wiedergegeben. Die Serie zeigt die Päpste dieser Epoche in einem inquisitiven Licht, das selten schmeichelhaft wirkt. Der Papst ist damals wie jeder andere Herrscher ? überaus machthungrig und lediglich darauf aus seine Blutslinie in den Monarchien dieser Zeit zu platzieren.
So authentisch die Serie auch sein mag, bleibt der Erzählfluss doch in der einen oder anderen Episode etwas stecken. Gerade in der Mitte der Serie scheint man sich etwas im Kreis zu drehen und die ewige Intrigen-Spinnerei wird langsam aber sicher unübersichtlich. Wer mit der Geschichte Italiens und der Kirche insbesondere nicht gerade sattelfest ist, wird sicherlich immer wieder an die Grenzen seiner Aufnahmefähigkeit kommen.
Ein weiteres Übel, dem man sich als O-Ton Liebhaber gerne entledigen würde, sind die Darsteller. Das liegt nicht an deren schauspielerischen Künsten, sondern vielmehr an deren Auswahl in Bezug auf die Story. Dass ein italienischer Papst mit spanischen Wurzeln mit amerikanischem Akzent spricht ist ja gerade noch zu ertragen, doch warum muss dann als Darstellerin dessen Tochter eine deutsche Schauspielerin gewählt werden, die mit der englischen Sprache offensichtlich ebenso viel Probleme hat wie mit dem Schauspielern selbst. Weiterhin gibt es irisch klingende Franzosen, amerikanisch sprechende Portugiesen und ? zur Krönung ? einen britischen Jungen, der den jungen schwäbischen Thronfolger mimt! Das Ganze wirkt oftmals derart deplatziert, dass man mitten aus dem Geschehen gerissen wird und sich Episode für Episode die Frage stellen muss, warum die Produzenten hier nicht auf Einheitlichkeit geachtet haben! Es kommt selten vor, aber im Falle von DIE BORGIA sollte man auf die deutsche Synchronisation zurückgreifen, welche die fehlende Kontinuität des Originals wieder größtenteils wett machen kann.
Inszenatorisch als auch inhaltlich hat die Serie also durchaus ihre Längen, mit sonstigen Reizen geizt die Serie allerdings nicht. DIE BORGIA ist nicht nur die teuerste, sondern ebenfalls die wohl freizügigste als auch gewalttätigste TV-Produktion die je im deutschen Free-TV zu sehen war, weshalb die FSK18-Freigabe durchaus gerechtfertigt ist. Zwar wurde die Serie massiv gekürzt, um im lukrativen 20 Uhr-Slot laufen zu können, das Blu-ray Disc-Set ist jedoch vollkommen ungekürzt.
DIE BORGIA sind eine willkommene Entwicklung in der europäischen Filmlandschaft, die aufzeigt, dass es nicht nur Sendern wie HBO vorbehalten sein muss großartige Mini-Serien zu produzieren. Zwar ist man von den großen Vorbildern wie BAND OF BROTHERS oder auch \'John Adams\' noch ein gutes Stück entfernt, dennoch bleibt am Ende das Gefühl etwas gesehen zu haben, in das eine ganze Menge Herzblut geflossen ist.
Technisch gefällt das Blu-ray Disc-Set durch eine sehr gute Bildqualität und den soliden Sound. Die Extras sind mit einer Laufzeit von über 2,5h sehr umfangreich und bieten insgesamt spannende Hintergrundinformationen zur Serie.
Subjektive Filmwertung: 6.5 von 10 Punkten für toll bebilderten kirchlichen Aufklärungsunterricht