Carlito Brigante:
Nach jahrelangen Rechtsstreitigkeiten erblickte sie endlich das Licht der Leinwand. Die filmische Adaption von einem der besten Comics aller Zeiten: WATCHMEN, ein abgeschlossenes zwölfbändiges Graphic Novel aus der Feder von Alan Moore (From Hell, V for Vendetta, League of Extraordinary Gentlemen) und Dave Gibbons. Allerdings wird Moores Name nirgends im Film erwähnt, weil er, aufgrund seiner Abneigung gegenüber Hollywood, damit nichts zu tun haben wollte. Dabei ist die Umsetzung nichts weniger als gelungen und spektakulär anzusehen. Das Drehbuch von David Hayter und Alex Tse hält sich erstaunlich dicht an der epischen Vorlage. Natürlich musste ein wenig gestrafft werden, um es dem Medium anzugleichen, aber sonst blieb man weitgehend treu. Die größte Umgestaltung bleibt aber das Ende, das gegenüber dem Graphic Novel radikal verändert wurde.
Es gibt eine lange Exposition, man lässt sich sehr viel Zeit für die verschiedenen Charaktere und es wird viel gesprochen. Es gibt auch erstaunlich wenig Action, angesichts der Laufzeit. Man setzt mehr auf Dialoge und Charaktere. Überhaupt wirkt der ganze Film recht entschleunigt. Er ist kein dummes, hektisches, oberflächliches Blockbuster-Spektakel für aufmerksamkeitsgestörte Multiplex-Zombies, was auch die Einspielergebnisse beweisen, denn die große Masse blieb weg. Nein, dies ist keine risikofreie, filmische Anbiederung an Kinder. Dieser Film will ernst genommen werden und geht deshalb einige Risiken ein, die man sonst in Hollywood vermeidet.
Die Erzählperspektive wechselt ständig zwischen den fünf gleichberechtigten Protagonisten hin und her. Innerhalb deren Erzählstränge gibt es noch weitere Flashbacks und Zeitsprünge, die die umfangreiche Geschichte beleuchten. Die Figuren sind auch keine reinen (Super-)Helden mit sauberer Weste. Es sind komplexe Gestalten in einer überaus komplexen Geschichte über mehrere Zeitebenen, die nicht immer als einfache Identifikationsfiguren taugen. Die Rollen wurden mit weitgehend unbekannten Darstellern besetzt, was für so einen Ensemblefilm absolut richtig ist. Niemand sticht auf diese Weise hervor. Wenn es überhaupt signifikante Schwachpunkte am Film gibt, dann jenen, dass einige Schauspieler doch recht blass bleiben und wenig Eindruck hinterlassen.
Regisseur Zack Snyder (DAWN OF THE DEAD, „300“) ist ein Ikonoklast. Seine Filme zeichnete schon immer ein absoluter Stilwillen aus und so war es auch zu erwarten, dass WATCHMEN im Bezug auf die Bildgestaltung Futter für die Sinne wird. Und in der Tat wurde das Ergebnis stylisch und visuell opulent. Düstere, dreckige, in Regen getauchte Bilder sorgen für eine atmosphärische, dem Film Noir angelehnte Ästhetik. Und wie schon bei „300“ spielt Snyder auch hier wieder mit dem Tempo und wechselt zwischen Zeitlupe und Fastmotion hin und her. Wirklich innovativ mag das nicht sein, aber es ist einfach schön anzusehen. Allein die aufwendige Vorspann-Sequenz ist schon famos und setzt Standards für die Zukunft. Erstaunlich ist auch der Härtegrad dieses Filmes. Wenn es mal zur Sache geht, dann aber richtig. Keinen weichgespülten PG-13 Kram bekommt man serviert, sondern knallharten R-Rated Bodycount mit herben Splattereinlagen. Familienunterhaltung sieht anders aus!
Aufgrund der epischen Vorlage geriet schon die Kinofassung (ca. 155 min auf DVD) sehr lang. Langweilig ist er deshalb aber noch nicht. Im Gegenteil. WATCHMEN ist großartiges Sinneskino, bei dem praktisch alles stimmt. Den Filmemachern gelang eine Comic-Verfilmung, die wesentlich erwachsener als vergleichbare Projekte daherkommt, weil sie ihr Sujet zum Glück ernst nimmt und ihre Figuren und deren Geschichte nie der Lächerlichkeit preisgibt. Die Ausgestaltung wurde dabei so reich an Details, das man sicher erst bei mehrmaligem Ansehen alles wirklich mitbekommt und zu schätzen weiß. Ein Highlight des Jahres!