Zack Snyder dürfte inzwischen den meisten Cineasten ein Begriff sein, denn sein martialisches Schlachtenepos 300 (USA, 2006) sorgte vor nicht allzu langer Zeit für Furore und klingelnde Kassen. Auch die WATCHMEN (USA, 2009) bewiesen, dass der Regisseur sein Handwerk versteht und dazu in der Lage ist den Werken seinen ganz eigenen Stempel zu verleihen. Vergangenes Jahr begab sich Snyder auf neue Pfade und engagierte sich in einem völlig anderen Projekt, das jenseits des Erwachsenen-Kinos angesiedelt war und für den Regisseur somit Neuland. Entstanden ist dabei DIE LEGENDE DER WÄCHTER (USA, 2010), ein CGI-Spektakel bei dem man nicht wissen muss wer hier die Strippen zog, der unverkennliche Stil Snyders ist zu jedem Zeitpunkt mehr als deutlich zu erkennen.
Inhaltlich präsentiert sich DIE LEGENDE DER WÄCHTER dabei als eine wilde Mixtur aus HERR DER RINGE, 300 und UNTEN AM FLUSS, was nicht immer so gut funktioniert wie man sich das vielleicht erhofft hätte. Die Story betreibt sehr starke Schwarz-Weiß-Malerei, Gut und Böse sind sauber differenzierbar, Überraschungen gibt es keine. Bewusst werden bekannte Themen des letzten Jahrhunderts wie Nationalsozialismus und Ausbeutung von Minderheiten in einen vereinfachten Kontext verwoben um sie so Jugendlichen einfacher zugänglich zu machen. Was wie Aufklärungsunterricht nach Holzhammermethodik aussieht, hat Methode, dennoch wirkt die starke Vereinfachung der Themen zum Teil befremdlich, vor allem für das erwachsene Publikum. Die Moral ist zu plakativ, als dass man sich auf diese einfach gestaltete Art der Abstraktion komplexer Themen richtig einlassen könnte.
Visuell blieb der Schuster bei seinen Leisten, denn DIE LEGENDE DER WÄCHTER wurde nicht nur vom gleichen Regisseur wie WATCHMEN und 300 inszeniert, sondern sieht auch genauso aus wie die beiden Vorlagen. Markenzeichen Snyders ist ja bekanntermaßen das Verlangsamen und plötzliche Beschleunigen von Sequenzen ? diese Technik wird hier auf Gedeih und Verderb zelebriert ohne Rücksicht auf Verluste. Was am Anfang künstlerisch und modern erscheint, ist spätestens nach dem hundertsten Einsatz etwa in der Mitte des Filmes als gewisser Nervfaktor zu verzeichnen ? manchmal ist weniger halt doch mehr!
Nichtsdestotrotz ist Snyders Interpretation des modernen Jugendfilms unterhaltsam und für Technikfans auf alle Fälle sehenswert, denn die Animationskünste erreichen in diesem Werk neue Maßstäbe. Die computergenerierten Eulen sehen derart lebensecht aus, dass sie auch in einer Naturdoku wunderbar unterkommen könnten.
Die Blu-ray Disk selbst bietet eine herausragende Bildqualität, die in der Referenz-Liga spielt und auch brachialen Sound bietet, zumindest wenn man auf den O-Ton zurückgreift. Etwas enttäuschend sind die Extras, die hauptsächlich für ein jüngeres Publikum produziert wurden.
Subjektive Filmwertung: 6.5 von 10 Visuelle Overkills