Regisseur David Fincher ist seit jeher bekannt dafür ungewöhnliche Stoffe in ungewöhnliche Filme zu übersetzen. Mit ZODIAC beispielsweise gelang ihm ein absolutes Meisterwerk des Kriminalfilms. F. Scott Fitzgeralds Kurzgeschichte \"The Curious Case of Benjamin Button\" aus dem Jahr 1921 galt lange als unverfilmbar. Bereits in den 1990er Jahren scheiterten Steven Spielberg und Frank Oz an dem Stoff und den damit verbundenen, damals noch unausgereiften Spezialeffekten, die nötig wären. Nun, im Jahr 2008 hat es David Fincher auf eindrucksvolle Weise geschafft, die Kurzgeschichte als DER SELTSAME FALL DES BENJAMIN BUTTON auf die Leinwand zu bringen. Die Handlung beginnt in New Orleans zur Zeit des Hurrikans Katrina im August 2005. Während sich die Katastrophe unaufhaltsam auf die Stadt zubewegt, liegt in einem Krankenhaus die 81-jährige Daisy im Sterben. Ihrer 37-jährigen Tochter Caroline will sie endlich erzählen, wer ihr Vater war und was mit ihm passierte. Die Geschichte beginnt im Jahr 1918, als ein Uhrmacher aus Trauer über seinen im Ersten Weltkrieg gefallenen Sohn eine Uhr konstruiert, die rückwärts läuft. Genau in diesem Moment wird ein Junge geboren, dessen Lebensuhr ebenfalls rückwärts läuft. Als altes schrumpeliges Etwas wird der Junge von seinem Vater, dem Knopffabrikanten Thomas Button vor einem Altersheim ausgesetzt und von der Pflegerin Queenie adoptiert und auf den Namen Benjamin getauft. Im Laufe der Jahre beginnt Benjamin, sich zu verjüngen, während alle um ihn herum altern. Dies bringt sowohl soziale als auch gesellschaftliche Probleme mit sich, worauf Benjamin irgendwann auszieht, um die Welt zu erkunden. Nach Jahren kehrt er nach Hause zurück, um seine heimliche Liebe Daisy wieder zu treffen. Doch die entgegen gesetzt verlaufenen Lebenslinien legen dem Paar schwere Steine in den Weg...
Faszinierend, verstörend, traurig - so könnte man DER SELTSAME FALL DES BENJAMIN BUTTON beschreiben. Der Film hat nicht sonderlich viele Schauwerte, sondern bezieht seine Faszination ausschließlich aus der skurrilen Geschichte. Damit verbunden sind die verblüffenden Spezialeffekte, welche die Stadien von Benjamins Verjüngung toll verdeutlichen. Hintergründig wird dabei Gesellschaftskritik in Form des Generationenkonflikts oder sozialen Tabus wie sexuellen Beziehungen zwischen Jung und Alt geübt. Die grandiose Ausstattung schafft im Zusammenwirken mit der famosen Optik und Kameraarbeit eine sehr dichte Atmosphäre, was dem Film letztendlich auch drei Oscars eingebracht hat. Die Darsteller spielen auch unter ihren CGI-Masken grandios auf. Brad Pitt und Cate Blanchett als Benjamin und Daisy haben zwar in ihrer natürlichen Gesichtsform nicht viel Screen-Time, drücken den Figuren aber durch ein intensives körperliches Spiel ihren Stempel auf. Insgesamt ist DER SELTSAME FALL DES BENJAMIN BUTTON ein außergewöhnliches Meisterwerk des dramatischen Films, das man trotz der langen Laufzeit von 166 Minuten und der damit verbundenen durchaus vorhandenen zähen Passagen unbedingt einmal gesehen haben sollte.
Die Blu-ray Disc Special Edition von Warner Home Video zeigt den Film in technisch exzellenter Qualität, dem haufenweise Bonusmaterial in HD-Auflösung beigefügt wurde.