Der selbst ernannte König der Welt hat wieder zugeschlagen. Teuerster Film aller Zeiten! Erfolgreichster Film aller Zeiten! Auf finanzieller Seite gibt es kaum eine Superlative, die James Camerons letzter Streich ausgelassen hätte. Aber kann diese Sci-Fi Fabel auch als Film überzeugen?
Jack Sully ist Kriegsveteran und Rollstuhlfahrer, trotzdem will er sein Dasein als Marine nicht aufgeben. Bist du einmal ein Marine, bist du es immer. Deshalb meldet er sich, nach dem Tod seines Zwillingsbruders, auch dafür dessen Platz in einem Forschungsprojekt einzunehmen, dass auf dem fernen Planeten Pandora statt findet. Auf Pandora gibt es ein seltenes Mineral, dass nicht nur sehr nützlich für die Erde ist, sondern auch extrem lukrativ. Dementsprechend erpicht darauf möglichst viel davon abzubauen ist man natürlich. Zur Firma, deren Auftrag genau dies ist, gehört auch besagtes Forschungsprojekt. Denn wie es der Zufall so will, sitzt auf dem größten Vorkommen des Minerals die größte Siedlung der Eingeborenen. Sinn und Zweck der Forschungseinheit ist es diese zu erforschen, und zum Übersiedeln zu bringen. Hierzu schlüpfen die Forscher mittels modernster Technologie in von ihnen gesteuerte Avatare, die nicht nur in der für Menschen tödlichen Atmosphäre bestehen können, sondern eben genau so wie die Eingeborenen aussehen.
Jetzt hab ich der Inhaltsangabe doch ganz schön Platz eingeräumt, dabei ist es gerade der Inhalt, den man an Avatar bekritteln kann, denn die Story ist nicht gerade innovativ. Wer Pocahontas, Der mit dem Wolf tanzt, oder, etwas abwegiger, Fermgully gesehen hat, der weiß was hier vorgeht. Jack schafft es sich im Klan zu integrieren und verspürt eine Verbindung zu den naturbezogenen Außerirdischen, stellt sich also gegen seine Auftraggeber, und es kommt zum Konflikt. Eigentlich eine Story nach Formel. Gut, dass uns Cameron auf diesem Standardgerüst so viel bietet. Optisch ist Avatar eine Wucht. Der Planet Pandora selbst ist der heimliche Star des Films. Wie viel Kreativität in die Flora und Fauna des Planeten geflossen ist, ist unglaublich. Von mir aus hätte dies eine dreistündige Folge von Universum sein könne, und ich wäre ebenso fasziniert gewesen. Ja, Avatar ist lange, aber diese Laufzeit verfliegt regelrecht, denn es gibt immer wieder etwas zu entdecken, gemeinsam mit Held Jack Sully. Je mehr er mit dem Klan verschmilzt, desto mehr dringt auch das Publikum in die faszinierende Welt von Pandora ein, und will ihr gar nicht mehr entfliehen. Der letzte Akt des Films wird, beinahe selbstverständlich, einer gewaltigen Actionsequenz geopfert, bei der die Kreativität zwar in den Hintergrund rückt, die aber nicht weniger atemberaubend ist. Man vergisst beinahe, dass der Film zu 90% am Computer entstanden ist, so homogen wirkt das, was man zu sehen bekommt. Auf technischer Ebene ist Avatar über jeden Zweifel erhaben, selten sah ein Film so gut aus. Natürlich ist die Story nicht neu, doch lässt die Faszination, die von dieser von Cameron geschaffenen Welt ausgeht, dies gerne übersehen.
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