Aktion: Kaufen Sie 1 OYO II oder TouchMe eReader und das von Ihnen gekaufte, günstigste eBook erhalten Sie kostenlos! Max. eBook Wert: 35.-

Neukunde?

Hier starten

Erweiterte Suche
Der König von Havanna

Der König von Havanna

Roman

buch
CHF 12.50

versandkostenfrei

Nicht mehr lieferbar

Kunden, die Der König von Havanna gekauft haben, kauften auch:

Artikeldetails zu Der König von Havanna

AutorPedro J. Gutierrez

Untertitel Roman

Abbildungsvermerk 18,5 cm

  • ISBN-103-442-45955-9
  • ISBN-139783442459551
  • Verlag Goldmann
  • ÜbersetzerHarald Riemann
  • EinbandartTaschenbuch
  • Seiten253
  • Veröffentlicht2005
  • Gewicht204g
  • SpracheDeutsch
  • OriginaltitelEl Rey de La Habana

Mehr Artikel von

Weitere Artikel zum Thema

Verwandte Kategorien

Leseprobe aus Der König von Havanna

Das Stück Dachterrasse war der größte Schweinestall vom ganzen Gebäude. Als 1990 die Krise begann, verlor sie ihren Job als Putzfrau. Daraufhin machte sie es wie viele: Sie schaffte sich Hühner, ein Schwein und ein paar Tauben an. Aus vermoderten Brettern, Blechstücken, Resten von Eisendrähten und Drahtgitter baute sie ein paar Käfige. Einige Tiere aßen sie selbst, andere verkauften sie. Inmitten von Scheiße und Tiergestank überlebte sie. Manchmal gab es im ganzen Haus viele Tage lang kein Wasser. Dann kreischte sie die Jungs an, weckte sie frühmorgens und trieb sie mit Schlägen und Rippenstößen an, die vier Stockwerke runterzulaufen und von einem Brunnen, der sich, so unglaublich es war, an der Straßenecke befand und mit einem Kanaldeckel abgedeckt war, ein paar Eimer Wasser die Treppen hochzuholen. Die Jungen waren zu der Zeit neun und zehn Jahre alt. Reynaldo, der Jüngere, war still und schweigsam. Nelson war hitziger und widersprach ständig, und manchmal schnauzte er sie wütend an: »Hör auf, mich so anzuschreien, Mann. Was willst du?« Sie hinkte auf dem rechten Fuß und war ein bisschen beschränkt oder blöde. Irgendwas war nicht ganz richtig in ihrem Kopf. Von Kindheit an, vielleicht schon von Geburt an. Auch ihre Mutter lebte bei ihnen. Sie musste an die hundert Jahre alt sein oder älter, niemand wusste es. Zusammen hausten sie in einem heruntergekommenen Raum von drei mal vier Metern und auf einem Stück Dachterrasse unter freiem Himmel. Die Alte hatte schon seit Jahren nicht mehr gebadet. Sie war ganz dünn vom vielen Hunger. Ein ungeheuer langes Leben aus Hunger und ständigem Elend. Sie hatte sich eingeigelt und redete nicht. Sie wirkte wie eine Mumie, abgemagert bis aufs Skelett und starrend vor Dreck. Sie bewegte sich wenig oder gar nicht. Und nie ein Wort. Sie sah nur ihrer blöden Tochter und ihren beiden Enkeln zu, wie sie sich gegenseitig auf den Kopf schlugen und unter Hühnergegacker und Hundegebell beschimpften. »Die sind verrückt«, sagten die Nachbarn, und niemand griff in diese dauernden Streitereien ein. Manchmal steckte sie sich eine Zigarette an und setzte sich auf den Mauersims der Dachterrasse, um auf die Straße zu schauen, an Adalberto zu denken. Als junges Mädchen hatte sie zig Männer gehabt. Es gefiel ihr, sie anzumachen, egal welchen Alters. Einige sagten zu ihr: »Los, Dummerchen, komm her und blas mir einen. Ich gebe dir zwei Pesos dafür«, und sie ging hin und blies ihnen einen. Einige gaben ihr Geld, andere nicht. Sie spritzten ab und sagten zu ihr: »Warte hier auf mich, ich bin gleich wieder da, rühr dich nicht vom Fleck«, und weg waren sie. Mit Adalberto lief alles ganz anders. Die beiden Jungs waren von ihm, aber der alte Bock wollte nie bei ihnen oben auf dem Dach leben, und als er sah, dass sie zum zweiten Mal schwanger war, verschwand er für immer. Jetzt wurde sie langsam alt, senil, widerlich, lahmte auf einem Bein und verhungerte. Sie zog Bilanz und kam zu dem Schluss: »Welcher Idiot kann noch was von mir wollen? Alles, was ich noch habe, ist Lust, mich umzubringen.« So dachte sie und wurde wütend auf sich selbst. Sie schnippte den Zigarettenstummel auf die Straße und schrie verzweifelt die Jungs an: »Rey, Nelson, lauft runter und holt Wassaaaa! Los, dalli, dalli, lauft runter und holt Wassaaaa!« Die Jungen gehorchten. Zähneknirschend zwar, aber sie gehorchten. Immerhin schloss sie keinen von ihnen mehr tagelang in eine dunkle, winzige Kammer ein. Von klein an, bis sie sieben waren, hatte sie sie in dieses feuchte Loch voller Leitungsrohre und Kakerlaken gesteckt. Einfach so. Nur, um sie aus den Augen zu haben. Den Jungen grauste davor, denn wenn sie in dem Kabuff eingesperrt waren, konnte es passieren, dass sie zwei, drei Tage nichts zu essen bekamen und die Feuchtigkeit von den Leitungsrohren lecken mussten. Bei anderer Gelegenheit stieß sie die beiden plötzlich in einen Wassertank und kreischte, sie sollten den Mund halten und aufhören zu zanken. Vor Schreck sagten die Jungs keinen Ton mehr.

Kurzbeschreibung zu Der König von Havanna

Wer in Havanna aufwächst, wird schnell erwachsen. So auch der dreizehnjährige Reynaldo, dessen Familie auf tragische Weise ums Leben kommt. Unschuldig landet er im Gefängnis und muss dort lernen, sich im alltäglichen Überlebenskampf zu behaupten.
Als ihm nach vier Jahren die Flucht gelingt und er in die schäbig-schöne Welt am Malecón zurückkehrt, wird er schnell zum unumstrittenen König der Stadt - vor allem in den Augen der Frauen ...

Portrait

Pedro J. Gutierrez:
Pedro Juan Gutiérrez, geb. 1950 in Cuba, beginnt mit 11 Jahren als Eis- und Zigarettenverkäufer, ist später fünf Jahre Soldat, arbeitet als Schwimm- und Kajaklehrer, als Zuckerrohrschneider und Landarbeiter, als Bauinstallateur und technischer Zeichner. Gutiérrez ist Maler, Bildhauer, Dichter und Journalist. Der Autor mehrerer Romane lebt in Havanna.

Bewertung unserer Kunden zu Der König von Havanna

Wie ist Ihre Meinung zu „Der König von Havanna”?

Geben Sie Ihre Bewertung ab. Jetzt rezensieren und 2 CHF kassieren.

30

12.08.2006

„Teilweise zu detaillierte Beschreibung des kubanischen Sexlebens”

von einer Kundin oder einem Kunden aus Wiesbaden
Ich las dieses Buch während meines mehrwöchigen Aufenthalts in einer kubanischen Familie im Zentrum der kubanischen Hauptstadt Havanna.
Wer dieses Buch liest, wird zwangsläufig glauben, dass Kubaner nur an Sex denken. Freilich ist dies allerdings auch eine der wenigen Freuden, die ihnen geblieben ist. Gutierrez schreibt mir deutlich zu übertrieben und detailliert über die Sexgeschichten eines jungen Kubaners. Es bleibt letztendlich nicht viel übrig, wenn man von den "Bett"geschichten einmal absieht.. Wer gerne erotische Literatur in den Händen hält, sollte sich dieses Buch zulegen. Wenn man fundierte Kenntnisse über das Leben der Kubaner in Havanna erfahren möchte, braucht man etwas mehr Durchhaltenvermögen, wird aber im Großen und Ganzen auch fündig. Dennoch kann ich das Buch empfehlen, wenn man keine großartigen geistigen Anstrengungen ausführen möchte (z.B. Urlaub). Gewarnt werden muss allerdings vor der teilweise äußerst vulgären Ausdrucksweise Gutierrez´. Diese ist nicht jedermanns Sache.

War diese Bewertung hilfreich? Ja, Nein

BonusprogrammHilfe

Miles & More

12 Meilen sammeln

3063 Meilen einlösen

--> --> -->