Gesund, schlank, fit, sportlich, so sieht das herrschende Bild unserer modernen Zeit im Blick auf uns selbst und die anderen von außen aus.
Dynamisch, selbstbewusst, souverän, belastbar, so korrespondiert das innere Bild, dass wir an uns und die anderen anlegen, der äußeren Erscheinung.
Und viel wird für beides getan.
Manfred Lütz greift diese beiden Phänomene in gewohnt ironischer, teils zynischer, leicht überspitzender Art und Weise auf und unternimmt den Versuch, uns moderne, innerlich und äußerlich Gesundheitsgetrieben ein Stückweit doch wachzurütteln auf unseren fast zwanghaften Irrwegen.
In den ersten beiden Teilen entzaubert er in hoch humorvoller Art und Weise die Verabsolutierung von idealer äußerer und innerer Gesundheit und verweist zu recht mit vielen, aus dem prallen Leben gegriffenen, Beispielen zum einen darauf, dass der Ertrag der hektischen Gesundheitssucht den Preis oft nicht lohnt.
Ebenso entlarvt er, neben der medizinischen Überhöhungen, auch den Reigen von Therapie und Psychopharmaka. Seiner Grundthese nach beruhen all diese Übertreibungen (er selbst wendet nichts gegen ein gesundes, aber eben auch maßvolles, Verhältnis zur eigenen äußeren und inneren Gesundheit ein) auf einer letztlich inneren, persönlichen Leere des Menschen, der sich an nichts anderem mehr fest zuhalten weiß als an einfachsten Äußerlichkeiten und diese in religiöser Manier dann überhöht.
Manfred Lütz wäre nicht Manfred Lütz, wenn er bei dieser teils satirischen und dennoch mit ernstem Hintergrund versehen Betrachtung stehen bleiben würde. Am Beispiel innerlich erweiternder und berührender Musik und anderweitiger Kunst führt er im letzten Teil seines Buches, nun auch in ganz anderem, empathischem und nicht karikierendem Sprachstil zurück auf das Eigentliche, was seit Menschengedenken den Menschen letztlich ausmacht.
Ein durchaus zum Nachdenken anregendes Plädoyer für altbekannte Werte und Lebenshaltungen, die in der modernen Welt mit ihrer Fixierung auf das rein Äußerliche sehr ins Hintertreffen geraten sind und die dennoch mehr an Lebenslust und Glücksmöglichkeiten in sich tragen, als jede geglückte Generaluntersuchung beim Chefarzt.
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