15. Kapitel (S. 242-243)
Freitag, 16. Mai – Samstag, 31. Mai
Mikael Blomkvist wurde am 16. Mai aus der Rullåker-Vollzugsanstalt entlassen, zwei Monate nachdem er seine Strafe angetreten hatte. Am Tag seines Haftantritts hatte er ohne allzu große Hoffnung einen Antrag auf Verkürzung seiner Freiheitsstrafe gestellt. Die wahren Ursachen für seine Entlassung wurden ihm nie ganz klar, aber er vermutete, es könnte damit zu tun haben, dass er seine freien Wochenenden nie genommen hatte und dass die Anstalt mit zweiundvierzig Insassen belegt war, obwohl sie eigentlich nur einunddreißig Platz bot. Auf jeden Fall schrieb der Direktor der Vollzugsanstalt – ein vierzigjähriger Exilpole namens Peter Sarowsky, mit dem sich Mikael bestens verstand – eine Empfehlung für eine Verkürzung der Strafe.
Die Zeit in Rullåker war ruhig und angenehm verlaufen. Die Anstalt war, wie Sarowsky sich ausdrückte, für Kleinkriminelle und Alkoholsünder, nicht aber für richtige Verbrecher gedacht. Die täglichen Routineabläufe erinnerten an die Gepflogenheiten in einer Jugendherberge. Seine einundvierzig Mithäftlinge, von denen die Hälfte Einwanderer der zweiten Generation waren, betrachteten Mikael als eine Art exotischen Vogel in ihrer Gemeinschaft – was er ja auch war.
Er war der einzige Häftling, über den im Fernsehen berichtet wurde, und das verlieh ihm einen gewissen Status, aber keiner der anderen sah ihn als echten Verbrecher an. Das tat der Direktor der Anstalt auch nicht. Schon am ersten Tag wurde Mikael zu einem Gespräch gebeten, in dem man ihm mehrere Angebote machte: Therapie, Besuch der Abendschule, andere Studienmöglichkeiten oder eine allgemeine Berufsberatung. Mikael lehnte dankend ab, weitere Studienpläne seien schon vor Jahrzehnten begraben worden, und eine Arbeit habe er bereits. Er bat jedoch darum, sein iBook benutzen zu dürfen, um an seinem Buch weiterarbeiten zu können.
Sein Wunsch wurde ihm ohne Weiteres bewilligt, und Sarowsky stellte sogar noch einen abschließbaren Schrank zur Verfügung, sodass Mikael den Computer auch unbewacht in der Zelle lassen konnte, ohne dass er gestohlen oder demoliert werden konnte. Nicht dass einer der Mithäftlinge tatsächlich so etwas gemacht hätte – sie hielten eher ihre schützende Hand über Mikael. So verbrachte Mikael zwei relativ angenehme Monate, in denen er ungefähr sechs Stunden am Tag an der Vangerschen Familienchronik arbeitete. Die Arbeit wurde jeden Tag nur von ein paar Stunden Putzarbeit oder einer angeordneten Erholungspause unterbrochen. Mikael und zwei Mithäftlinge, von denen einer aus Skövde, der andere aus Chile kam, hatten die Aufgabe, jeden Tag den Fitnessraum zu putzen.
Das Freizeitprogramm bestand aus Fernsehen, Kartenspielen oder Krafttraining. Mikael entdeckte, dass er ganz anständig Poker spielte, aber er verlor jeden Tag ein paar 50-Öre-Münzen. Die Anstaltsregeln verboten, um mehr Geld als einen totalen Jackpot von fünf Kronen zu spielen. Er erhielt den Bescheid über seine vorzeitige Entlassung einen Tag bevor er gehen durfte. Swarowsky nahm ihn mit in seinen Dienstraum und bot ihm einen Schnaps an. Danach verbrachte Mikael den Abend damit, seine Kleider und Notizbücher zusammenzupacken. Nach seiner Entlassung fuhr Mikael direkt zurück nach Hedeby.