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Entwürfe zu einem dritten Tagebuch

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Artikeldetails zu Entwürfe zu einem dritten Tagebuch

AutorMax Frisch

Abbildungsvermerk 2010. 19 cm

  • ISBN-103-518-42130-1
  • ISBN-139783518421307
  • Verlag Suhrkamp Verlag
  • Einbandartgebunden
  • Seiten212
  • Veröffentlicht28.04.2010
  • Gewicht260g
  • SpracheDeutsch

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Rezensionen der Redaktion zu Entwürfe zu einem dritten Tagebuch

"Frischs öffentliche Tagebücher haben wenig gemein mit dem, was man landläufig unter einem Tagebuch versteht. Es sind streng durchkomponierte Geflechte aus erzählenden und essayistischen Texten Porträts, zeitkritische Kommentare, Fragebögen, Reiseberichte und fiktionale Kabinettstücke. Die meist knappen Miniaturen erscheinen in mancher Hinsicht radikaler, düsterer, aber auch persönlicher als alles, was Frisch zuvor geschrieben hat."
Oliver Meier Berner Zeitung

Kurzbeschreibung zu Entwürfe zu einem dritten Tagebuch

Im August 2009 meldeten die Feuilletons eine Sensation: In einem der Öffentlichkeit nicht zugänglichen Teil des Max-Frisch-Archivs in Zürich war das Typoskript eines bisher unbekannten Werks des Schweizer Autors gefunden worden: 184 Seiten, von Frisch auf Tonband diktiert, von seiner Sekretärin in die Maschine getippt. Der Autor selbst hatte auf der Titelseite notiert: »Tagebuch 3. Ab Frühjahr 1982«.
Max Frisch lebte zu dieser Zeit in New York, zusammen mit seiner damaligen Lebensgefährtin Alice Locke-Carey, bekannt als »Lynn« aus der Erzählung Montauk. Ihr ist das Tagebuch 3 gewidmet, und vermutlich fällt das abrupte Ende der Aufzeichnungen Mitte der achtziger Jahre mit der Trennung von der Amerikanerin zusammen. Die USA und die Schweiz, die Reagan-Administration und das belastete Verhältnis zu der um vieles jüngeren Frau, der Kalte Krieg und der Krebstod eines engen Freundes: Wie die beiden legendären, 1950 und 1972 erschienenen Tagebücher verzeichnet auch das Tagebuch 3 Augenblicksnotizen neben längeren reflexiven Passagen - und hebt das scheinbar flüchtig hingeworfene Notat in den Rang des Literarischen: »Es gibt in Amerika alles - nur eins nicht: ein Verhältnis zum Tragischen.«

Portrait

Max Frisch:
Max Frisch, 15. Mai 1911- 4. April 1991, studierte Germanistik an der Universität Zürich (1930-34) und Architektur an der ETH Zürich (1936-40). Ab 1931 arbeitete er als Journalist, später als freier Schriftsteller. Seine zahlreichen Auslandsreisen führten ihn u.a. 1951/52 für einen längeren Aufenthalt in die USA. Max Frisch hat ein großes literarisches Werk geschaffen, das mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde, unter anderem 1958 mit dem Georg-Büchner-Preis und 1976 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.
Peter Matt:
Peter von Matt, geboren 1937 in Luzern, ist Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Zürich. Er hat große Studien und zahlreiche Aufsätze zur Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts verfasst. 2006 erhielt Peter von Matt den Heinrich-Mann-Preis und 2007 den Brüder-Grimm-Preis. Im Jahr 2011 wurde ihm der Jahrespreis der Stiftung für Abendländische Ethik und Kultur (STAB) verliehen.

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50

30.04.2010

„Entwürfe zu einem dritten Tagebuch”

von einer Kundin oder einem Kunden

"Hätte ich übrigens nicht das Recht, das eine oder andere aus den schicken Rollschubladen zu nehmen und zu vernichten? Das Recht habe ich, aber nicht das Bedürfnis", schreibt Max Frisch über sein eigenes Archiv, zu Lebzeiten von ihm eingerichtet um ein geordnetes Zeugnis für die Nachwelt zu sein. Er schreibt dies in diesem Entwurf für ein drittes Tagebuch, begonnen 1982 in New York, geplant, durchdacht, Kunst wie beide zuvor, nur: nie veröffentlicht. Und auch wenn die Frage, ob es denn in seinem fragmentarischen Zustand überhaupt an die Öffentlichkeit sollte, zurecht gestellt sein mag: beantworten könnte sie nur Max Frisch. Und jetzt, da wir es lesen können, muss die Freude die Sorge etwas eigentlich verbranntes zu lesen überwiegen. Es sind zornige Blicke auf die Reagan-Regierung, es sind verwunderte Blicke auf die eigenen Gebrechen, sehnende und verwirrte auf die eigene Liebe und unfassbar schöne, emotionale, rührende Blicke auf die Freunde der Vergangenheit, auf das Sterben und die Erinnerung. Allein schon für diese wunderbaren Miniaturen lohnt es sich, dieses Tagebuch lesen zu dürfen. Dann schwingt Dankbarkeit mit für die Klarheit und Wahrheit einer inszenierten Sprache, vielleicht auch gerade derentwegen...

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40

18.04.2010

„Beobachtung und Beschreibung”

von einer Kundin oder einem Kunden
Suhrkamp setzte in letzter Zeit vermehrt auf die Briefwechsel und Tagebücher seiner großen Autoren. Nun ist also Max Frisch an der Reihe. Die Kopie eines Tagebuchfragments - Frisch hatte das Originalmanuskript vernichtet - beweist wieder einmal, wie literarisch gekonnt Frisch auch Tagebuch schreiben konnte und gibt Einblick in seine durchreflektierte Persönlichkeit. Zum ersten Mal bekommt auch die Romanfigur „Lynn“ eine reale Entsprechung. Lange Zeit die Geliebte von Max Frisch, hatte ihr der Autor in Montauk ein Denkmal der Erinnerung gesetzt. Gleichberechtigt stehen die Tagebücher von Max Frisch neben seinen Romanen und Theaterstücken. Auch in ihnen zeigt sich seine Unbestechlichkeit in Beobachtung und Beschreibung.

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